Privat gegen Staat

Privatschulen verfolgen bei der Vermittlung von Inhalten oft einen anderen Ansatz als staatliche Bildungseinrichtungen. Foto: Shutterstock/SpeedKingz

In Zeiten von Pisa-Studie und Co. stellen sich viele Eltern zurecht die Frage: Auf welche Schule soll mein Kind einmal gehen? In eine staatliche Einrichtung? Oder doch lieber auf eine Privatschule? Für und Wider gibt es für beide Konzepte. Eine Übersicht.

In Deutschland gibt es über 5.600 Privatschulen, 3.628 davon sind allgemeinbildend. Jeder elfte Schüler besucht in der Bundesrepublik demnach eine private Bildungseinrichtung. Kirchliche Organisationen, Personengesellschaften, Sozialwerke, Vereine oder Privatpersonen sind Träger dieser Privatschulen. Sie sind selbst für das Lehrpersonal und die konzeptionelle Gestaltung des Unterrichts verantwortlich.

Dabei gilt es jedoch, eine Regel zu beachten: Das Schulangebot muss über das von staatlichen Schulen in der umliegenden Region hinausgehen. Privatschulen dürfen, laut Gesetz, ihre Schüler frei wählen. Schüler, die nicht zum weltanschaulichen oder pädagogischen Konzept passen, können entsprechend abgelehnt werden. Diese Möglichkeit der Auslese ist – neben dem Innovationspotenzial – ein entscheidendes Privileg, das den Erfolg vieler Privatschulen erklärt.

Staatlich anerkannte Privatschulen erhalten Finanzhilfen. Der Staat übernimmt rund 60 Prozent der Kosten. Der Rest wird über das Schulgeld finanziert, das für jedes Kind, das die Schule besucht, fällig wird. Dies soll aber keine soziale Auslese bewirken. Darum wird von vielen Privatschulen das Schulgeld gestaffelt – je nach Einkommen der Eltern. Außerdem gibt es Geschwisterrabatte und Stipendienprogramme.

Überschaubarer Lernort

In Michelbach an der Bilz im Landkreis Schwäbisch Hall befindet sich das Evangelische Schulzentrum. Es ist eine Schule in freier Trägerschaft und umfasst Realschule, Gymnasium und Aufbaugymnasium. Insgesamt ist das Schulzentrum nicht mehr als 500 Schüler stark. Die Absicht dahinter: Einen überschaubaren Lernort zu schaffen, „an dem eine hohe Kommunikationskultur herrscht und der Mensch in der Mitte steht“, so nennt es der Direktor des Gymnasiums Ralph Gruber. Unter der freien Trägerschaft haben sie ein höheres Maß an Freiheit und Gestaltung.

Die Lehrinhalte sind die gleichen wie an staatlichen Schulen, aber wie sie vermittelt werden, steht der Privatschule frei. So stecken eine Menge Stunden im AG-Bereich, in Förderstunden, in Kreativangeboten und Workshops. Schüler profitieren vom sogenannten SOL, dem „selbst organisierten Lernen“ unter Aufsicht, und einer Klassenlehrerstunde in der Woche, in der kein Fach im Vordergrund steht, sondern Kommunikation. In den ersten drei Jahren des Gymnasiums wird ein besonderes Augenmerk auf die musikalische Bildung der Schüler gelegt. Sie erhalten erweiterten Musikunterricht und verpflichten sich, an einer musischen Arbeitsgemeinschaft teilzunehmen. Außerdem bietet man in Michelbach eine „Unicorns Academy“ – eine Kooperation mit dem Schwäbisch Haller Footballverein „Unicorns“. Nach amerikanischem Vorbild wird intensives Footballtraining in den Ablauf des Ganztagesunterrichts integriert.

Darüber hinaus wählt der Schüler sein ganz persönliches Lernprofil: Musik/Religion/Diakonie oder Natur/Technik/Religion. Fächer aus den jeweiligen Themengebieten sind dann die Schwerpunkte des Unterrichts. Der Unterricht findet an drei – wahlweise auch vier – Tagen in der Woche bis 15.45 Uhr statt. Die Klassengröße besteht aus 14 bis maximal 28 Schülern. Mehr Schüler als 29 pro Jahr werden nicht aufgenommen. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Bewerbungen jedoch um ein Drittel höher als die Anzahl der verfügbaren Plätze.

Sonja Alexa Schmitz