Schöner lernen

Landesinnenminister Thomas Strobl (links) und Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel installierten am 1. Februar das erste Straßenschild mit dem Zusatz „Universitätsstadt“. Foto: Andreas Veigel

Der Bildungscampus im Herzen Heilbronns ist nicht nur optisch ein Highlight: Hier gibt es Bildung auf höchstem Niveau – von der Kindheit bis zum Berufsleben. Der Verein Wissensstadt Heilbronn e. V. vernetzt die unterschiedlichen Einrichtungen.

Fünf Bildungseinrichtungen, 6 500 Studenten, mehr als 100 000 Quadratmeter Fläche: Das ist der neue Bildungscampus in Heilbronn. Besser: in der Universitätsstadt Heilbronn. Diesen Titel trägt die 120.000-Einwohner-Metropole seit dem 1. Februar. Grund dafür: Die Technische Universität München betreibt seit Beginn des vergangenen Jahres eine Außenstelle in der Neckarstadt.

Wer schon länger nicht mehr in Heilbronn war, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Der Bildungscampus gleicht einer Stadt in der Stadt, Wegweiser zeigen orientierungslosen Studenten und Besuchern den Weg. Zentral versteckt sich die unterirdische Mensa in einem Maulwurfshügel. Mehr als 500 Menschen können hier zeitgleich essen. Die umliegenden Gebäude präsentieren sich modern und zeitlos zugleich: Die Klinkerfassade wird von riesigen Fensterflächen unterbrochen. Der „TUM-Turm“ überragt das Gebäudeensemble. Dazwischen laden grüne Inseln zum Verweilen ein. Das Herz des Campus ist die gemeinsam betriebene Bibliothek LIV („lernen, informieren, vernetzen“). Der achtstöckige Glasbau wurde mit 360 000 Medien und moderner Technik ausgestattet.

Kernaufgabe: Vernetzung

Die Vernetzung zwischen den Bildungseinrichtungen, die auf dem Campus örtlich verbunden sind, soll durch einen Verein vorangetrieben werden. Wissensstadt Heilbronn e. V. bezieht gerade sein Büro in der Bibliothek, Michael Andree wird die Geschäfte führen. „Es gibt kein Beispiel, an dem wir uns orientieren. So eine Zusammenarbeit gibt es meines Wissens nirgendwo“, berichtet er.

Der Verein ist aus einem früheren ähnlichen Projekt hervorgegangen, dem Förderverein Hochschulregion Heilbronn-Franken. Eine Aktion auf der Bundesgartenschau 2019 war ein besonderer Erfolg: Auf 250 Quadratmetern wurden verschiedene wissenschaftliche Exponate gezeigt. „Die Resonanz der Besucher war sehr gut“, so Andree. 66.000 Interessierte waren da. Einen starken Besucherandrang gab es auch bei der Eröffnungsfeier des Bildungscampus im vergangenen Oktober: Eine lange Nacht der Wissenschaft lockte rund 3000 Neugierige. Die Veranstaltung wird in diesem Jahr am 26. Juni wiederholt.

Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, die Gespräche innerhalb der Einrichtungen zu fördern. Wer forscht auf welchem Gebiet? Wo kann man gemeinsam mehr erreichen? Aber auch die Öffentlichkeit soll besser Bescheid wissen, dass sich Heilbronn tatsächlich zur Bildungs- und Wissensstadt weiterentwickelt. „Wir wollen darüber informieren, wieviel Forschung hier tatsächlich stattfindet oder wie breit wir beispielsweise im IT-Bereich aufgestellt sind“, erläutert Andree.

Aktuell relevante Themen, wie die Wasserstoffforschung, laufen bei einigen Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie bei Wirtschaftsunternehmen in der Region, erzählt Andree. Seine Aufgabe sieht er darin, die Einrichtungen darüber zu informieren, „damit nicht jeder den Telefonhörer in die Hand nehmen muss“.

Weitere Projekte stehen auf Andrees To-Do-Liste. Er will erst prüfen, was als Verein realisierbar ist und was besser von den einzelnen Bildungseinrichtungen getragen wird. Wichtig sei schließlich, dass trotz aller Bemühungen um Synergien, alle Einrichtungen ihre Identität bewahren können, findet Andree. „Am Ende werben ja alle um die klügsten Köpfe.“

Denise Fiedler