Starkes Netzwerk

Der Vorstand der Innovationsregion Hohenlohe e. V.: Bernd Kaufmann, Elmar Zeitler, Guido Rebstock, Norbert Schuster, Harald Unkelbach und Thomas Philippiak (v.l.). Foto: Innovationsregion Hohenlohe e. V.

Die Innovationsregion Hohenlohe und ihre Mitgliedsfirmen haben die Zukunft des Hohenlohekreises im Blick. Thomas Philippiak, 1. Vorsitzender, und Guido Rebstock, Geschäftsführer, geben Einblick in die Ziele und Projekte des gemeinnützigen Vereins.

Eine enge Verbundenheit mit der Region vereint die Mitglieder der Innovationsregion Hohenlohe e.V.. Inzwischen besteht das Netzwerk aus 26 Firmen, doch die Anfänge waren bescheidener. Sieben Unternehmen gründeten im Jahr 2000 den Verein Innovationsregion Kocher und Jagst. Sie alle stellten sich dieselbe Frage: Was müssen wir tun, um die Zukunft des Standorts Hohenlohe sicherzustellen? Weitere Unternehmen schlossen sich im Laufe der Jahre an. Das Netzwerk wurde größer. 2014 erfolgte die Umbenennung in Innovationsregion Hohenlohe. „Wir haben einen starken Zusammenhalt der Firmen, eine hohe Solidarität. Uns einen gemeinsame, übergeordnete Ziele, deswegen gibt es uns nach fast 20 Jahren immer noch“, sagt Thomas Philippiak, der erste Vorsitzende des Vereins.

„Wir haben vier Ziele definiert: Erstens wollen wir Nachwuchskräfte gewinnen, um Hohenlohe als Standort für Unternehmen zu sichern. Zweitens wollen wir die Innovationskraft und Produktivität der regionalen Wirtschaft stärken und erhalten. Drittens wollen wir dadurch natürlich auch die Erwerbsgrundlagen der Menschen im Hohenlohekreis sichern. Und viertens wollen wir die Bildungseinrichtungen im Hohenlohekreis unterstützen“, fasst Philippiak zusammen.

Die topographische Lage des Hohenlohekreises sei eine Herausforderung, um Fachkräfte für die Zukunft zu gewinnen. Das habe man bereits vor fast zwei Jahrzehnten erkannt. Bis heute habe sich daran nichts geändert. Es gibt keinen ICE-Anschluss und es gibt keine Autobahn in Mulfingen oder Ingelfingen, daher sei es nach wie vor schwierig, Fachkräfte von außen in die Region zu holen. Es gibt nur die A6, daher entsteht bei Waldenburg ein Industriepark, um diese Verkehrsachse zu nutzen.

Standort sichern

Um einer Abwanderung von Menschen und letztlich von Firmen entgegenzuwirken, müsse man die Potenziale nutzen, die man in Hohenlohe hat. Die Mitgliedsfirmen der Innovationsregion, in erster Linie produzierende Industrieunternehmen, aber auch Dienstleister, fördern daher insbesondere die technische-naturwissenschaftliche Bildung in Hohenlohe. „Wir wollen unsere Ziele erreichen, indem wir Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaft und Technik begeistern, attraktive Ausbildungsberufe in der Region schaffen und auch die bestehenden Arbeitskräfte durch Weiterbildung besser qualifizieren“, sagt Philippiak.

Bildung fördern

Das Interesse von Kindern und Jugendlichen an den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik soll so früh wie möglich geweckt und gefördert werden. „Wir fangen bereits im Kindergarten an, die Kinder auf spielerische Art mit mathematisch-naturwissenschaftlich-­technischen Themen vertraut zu machen“, berichtet Guido Rebstock, der Geschäftsführer des Vereins. „Mittlerweile konnten wir 17 Modellkindergärten in der Region gewinnen, an denen wir die sogenannten MINTec-Werkstätten anbieten.“ Das Projekt „MINTec Hohenlohe“ und die zugehörigen „MINTec Werkstätten“ sind Teil der Bildungsoffensive der Innovationsregion und wurden von der Baden-Württemberg-Stiftung gefördert.

Azubis aus den Mitgliedsunternehmen gehen bei diesem Projekt als Lernpartner in die Kindergärten. „Den Azubis und den Kindern macht das großen Spaß“, berichtet Rebstock. „Die Kleinen schauen zu den Großen als Vorbilder auf und gemeinsam wird etwas gebastelt, kleine Windräder zum Beispiel.“ Man lasse sich immer wieder etwas Neues einfallen, um die Kinder spielerisch an technische Zusammenhänge heranzuführen.

Es besteht eine Zusammenarbeit mit der Fachschule für Sozialpädagogik in Öhringen. die beispielsweise bei der Einrichtung von Forscherecken mit kindgerechten Werkbänken und Werkzeugen beratend zur Seite steht. „Bei den jährlich stattfindenden MINTec­Werkstätten in den Kindergärten, die gemeinsam mit den Kooperationsunternehmen stattfinden, haben bereits 1000 Azubis mitgemacht und über 3000 Kindergartenkinder haben davon profitiert. Wir wollen das weiterführen und ausweiten“, sagt Rebstock.

Das Engagement der Innovationsregion Hohenlohe für eine Stärkung der naturwissenschaftlich-technischen Bildung setzt sich an den Schulen fort. In Zusammenarbeit mit der Bildungsregion Hohenlohe und dem Landrats­amt als Schulträger konnten in den vergangenen Jahren einige Erfolge verbucht werden. 2003 wurde an der Gewerblichen Schule Künzelsau die Technische Oberschule eingerichtet, 2009 folgte ein Technisches Berufskolleg. 2013 entstanden das Technische Gymnasium, eine Berufsfachschule sowie das Schüler-, Forschungs- und Technikzentrum, kurz SFT Hohenlohe. „Wir helfen beratend und unterstützen die Schulen auch finanziell bei konkreten Projekten“, erläutert Rebstock.

Ganz aktuell unterstützt die Innovationsregion die Einrichtung von „Lernfabriken 4.0“ in Öhringen und Künzelsau. „Mittlerweile sind Schulen eher bereit, mit Unternehmen zu kooperieren“, stellt Rebstock fest. „Früher gab es da Berührungsängste. Man hat befürchtet, die Firmen würden die Schüler beeinflussen. Aber wenn von 80 Hauptschülern 70 einen Ausbildungsplatz bekommen, ist das eine gute Sache.“ Die Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft wolle die Innovationsregion Hohenlohe weiter fördern. Zum einen sollen die Jugendlichen eine berufliche Perspektive in der Region erhalten, zum anderen sollen die Unternehmen dringend benötigte Fachkräfte bekommen.

Mitarbeiter qualifizieren

Auch im Bereich der Weiterbildung ist die Innovationsregion aktiv. „Wir organisieren berufsbegleitende Qualifizierungsmaßnahmen. Einzelne Unternehmen tun sich da oft schwer, aber wenn jedes unserer Mitglieds­unternehmen ein, zwei Leute schickt, kommt schnell die nötige Anzahl an Teilnehmern zusammen. Wir koordinieren das alles“, erklärt Rebstock. Da von außen kaum Fachkräfte zu bekommen seien, müssen die Unternehmen die Mitarbeiter qualifizieren, die sie bereits haben. Das Weiterbildungsangebot orientiere sich daher an den konkreten Bedürfnissen der Mitgliedsfirmen und richte sich an angelernte Mitarbeiter, die in zwei bis vier Jahren berufsbegleitend eine Facharbeiterqualifikation erwerben können.

Die Zusammenarbeit der Unternehmen im Netzwerk sei sehr solidarisch und zielorientiert. „Wir stehen alle gemeinsam vor den selben Herausforderungen. Wir haben die selben Ziele. Und es gibt eine echte Verbundenheit der Unternehmen mit der Region. Daher konnten wir unser Engagement so lange aufrecht erhalten“, ist Rebstock überzeugt. Das sei das Erfolgsrezept und Alleinstellungsmerkmal der Innovationsregion Hohenlohe seit fast 20 Jahren.

Dirk Täuber