Startkapital für junge Tüftler

Wie passend: Das Venture-Forum Neckar ist in der Innovationsfabrik in Heilbronn untergebracht. Hier hat sich in den zurückliegenden Jahren eine Start-up-Szene niedergelassen. Foto: Uwe Deecke

Das Venture-Forum Neckar bringt zusammen, was zusammengehört: Start-ups und Investoren. Die Nachfrage nach dem Angebot steigt – in der Region, aber auch weit darüber hinaus. Von diesem Angebot profitieren alle Seiten: Gründer, Investoren und die Region.

Sichtschutzlösungen für Computer, medizinische Systeme zur Diagnostik von Knorpelschäden, Emissionsminderung bei der Biomasse-verbrennung, Netzwerktechnologie für Hochleistungsrechner, neue Trocknungsverfahren für Obst und Gemüse, Gassensoren für Sicherheitstechnik und Analysegeräte: All dies sind Beispiele junger Start-up-Firmen, deren Ideen vom Venture Forum Neckar e. V. unterstützt werden.

Seit 2002 gibt es das Business-Angel-Netzwerk mit Sitz im Innovationszentrum in Heilbronn. Der Verein bringt junge Existenzgründer mit Investoren zusammen, die sich für eine Idee begeistern und sie – möglichst mit Rendite – finanziell unterstützen. Win-Win-Situation nennt man das, denn alle Beteiligten profitieren im Idealfall davon: Die jungen Firmen bekommen das nötige Kapital zum Markteintritt. Die Investoren sind am Wachstum beteiligt, wenn sich ein Produkt durchsetzt.

Und die ganze Region profitiert: Know-how, innovative Ideen und kapitalkräftige Investoren sorgen für ein attraktives Umfeld, das im besten Fall noch mehr Tüftler und Existenzgründer bringt. Das Venture- Forum Neckar hat mit dem Hauptsponsor Zukunftsfonds Heilbronn in dieser Richtung schon einiges erreicht. Dabei wird nicht nur Heilbronn-Franken angepeilt. Es geht bis nach Heidelberg und Stuttgart, wenn etwa Partnerveranstaltungen wie der Hightech-Gründerfonds-Sprechtag in Stuttgart stattfinden.

Mittlerweile hat das Venture-Forum Neckar e. V. über 50 aktive Mitglieder und ist eines der führenden Business-Angel-Netzwerke in Süddeutschland. „Das Ziel unserer Mitglieder ist es, innovative Gründer und ihre ‚zündende‘ Idee mit Kapital und Know-how zu unterstützen, ihre Erfahrungen weiterzugeben und als Türöffner aktiv zu sein – für eine erfolgreiche Gründung und Unternehmensentwicklung“, erklärt Geschäftsführerin Bettina Schulz. Die Mitglieder investieren dabei in einer Phase, in der das Unternehmensrisiko noch hoch ist und stehen dem Start-up als Partner zur Seite. Auch deshalb müssen Investoren bereit sein, auch einmal einen Verlust zu verbuchen.

Zunehmendes Interesse

Das Interesse am Venture-Forum hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Waren es im Jahr 2009 noch rund 300 Bewerbungen aus allen Teilen Deutschlands, so verzeichnete man im Jahr 2017 rund 700 Bewerbungen junger Existenzgründer. „Die Start-ups bewerben sich initiativ bei uns oder wir lernen diese bei Veranstaltungen und über Netzwerke kennen“, so Schulz. Auch an Universitäten und Fachhochschulen schaut man sich um, wo Studenten forschen und Ideen entwickeln.

So lief es etwa bei der Smart Gas Mikrosensorik GmbH, die sich 2007 zum Umzug nach Heilbronn entschloss. In der Hünderstraße arbeitet das heute etablierte Technologieunternehmen an intelligenten Gassensoren und erschließt sich neue Märkte.

„Die Gründer müssen nicht in die Region kommen. Dies ist keine Voraussetzung für eine Zusammenarbeit. Wir sind offen für Start-ups aus ganz Deutschland“, führt die Geschäftsführerin aus. Doch die Dichte an Weltmarktführern, die hohe Anzahl an Industriebetrieben und die Veränderungen in der Bildungslandschaft würden von den Gründern sehr positiv wahrgenommen.

Bevor es zu einer Beteiligung eines Kapitalgebers kommt, müssen die Jungunternehmer aber überzeugen. Zunächst werden die Anfragen auf Eigenkapitalbeteiligung vom Venture-Forum Neckar gesichtet. Diejenigen mit den besten Geschäftsideen erhalten die Möglichkeit, sich auf einem sogenannten Matching den Investoren vorzustellen. „Zeigt einer oder mehrere Business Angel Interesse an einem Start-up, folgt ein Einzel- oder Gruppenmatching. Hier haben die Start-ups die Möglichkeit, Privatinvestoren direkt von ihrem Konzept zu überzeugen“, erklärt Schulz. Dann kann es im besten Fall losgehen: mit der richtigen Idee und dem nötigen Startkapital im Rücken.

Uwe Deecke