Volles Haus im neuen Globe

Das Globe-Theater in Schwäbisch Hall: „Ein zauberhafter Theaterbau mit großem Potential“, findet Freilichtspiele-Geschäftsführerin Jutta Parpart. Foto: Freilichtspiele Schwäbisch Hall/Jürgen Weller

In diesem Sommer konnten die Freilichtspiele Schwäbisch Hall das Neue Globe Theater auf dem Unterwöhrd in Betrieb nehmen. Nach drei Jahren Bauzeit und einer deutlichen Kostensteigerung konnte die Spielzeit 2019 komplett im Neubau durchgezogen werden.

Hermann-Josef Pelgrim, Oberbürgermeister und erster Vorsitzender der Freilichtspiele, und Intendant Christian Doll blicken auf eine erfolgreiche Spielzeit zurück. Die beiden sind zufrieden: Knapp 69.000 Besucher kamen zu den 133 Veranstaltungen, ein Plus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Drittel der Besucher war bei einer Inszenierung im neuen Globe. „Fast alle Vorführungen waren ausverkauft“, erklärt Doll.

Die große Eröffnungsgala lockte bereits im März die ersten hundert Gäste und Neugierige in den Rundbau am Kocherufer. Shakespeares „Was ihr wollt“, die Komödie „Ewig Jung“ sowie das Familienstück „Der Zauberer von Oz“ boten im Sommer ansprechende Unterhaltung für alle Altersklassen.

„Mit insgesamt rund 25 000 war die Zuschauerzahl höher als in allen Spielzeiten im Haller Globe Theater zuvor“, berichtet Pelgrim. Erfreulich, nachdem der Bau in den letzten drei Jahren hauptsächlich Negativschlagzeilen gemacht hat. Neben der Verzögerung in der Fertigstellung sorgte vor allem die immer größer werdende Bausumme für Unmut. Sogar im Schwarzbuch der Steuersünder war das Globe aufgenommen. Die Kosten für das Prestigeobjekt haben sich fast verdoppelt: Die Planung war im Jahr 2016 noch von 5,2 Millionen Euro ausgegangen, am Ende werden es nun knapp zehn Millionen Euro sein.

Doch laut Doll zeigen sich mittlerweile auch die Kritiker positiv überrascht. Die Spielstätte sei etwas Besonderes, sowohl für die Zuschauer als auch für die Akteure. Die Bühne erstreckt sich über drei Ebenen, die Nähe zum Publikum sorgt für ein besonderes Flair bei den Aufführungen.

„Unsere Künstler sind begeistert. Das Neue Globe ist tatsächlich ein zauberhafter Theaterbau mit großem Potential“, findet Jutta Parpart, Geschäftsführerin und Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit. „Alle Mitarbeiter, auch die technischen Gewerke, Maske, Ordnungsdienst, schätzen das Neue Globe als Arbeitsort sehr. Es gibt nun ordentliche Garderoben und Sanitärräume und vor allem auch ausreichend Betriebs -und Lagerräume.“

Der Theaterraum bietet 370 Plätze, neun Reihen im Parkett und drei Reihen im Balkon. Durch das verschließbare Dach kann ganzjährig Theater gespielt werden und keine Vorführung muss mehr wetterbedingt abgebrochen werden. Die Räumlichkeiten bestehen darüber hinaus aus einem Foyer mit Theaterbar, Lounge und Ausblick auf die ganze Stadt. Das Globe kann auch für nicht-öffentliche Zwecke gemietet werden.

Wie das Original Globe-Theater in London, Shakespeares „Wooden O“, befindet sich die Spielstätte in Hall direkt am Flussufer. Der Vorgängerbau war dort 1999 errichtet worden. Zunächst als Provisorium hielt der offene Holzbau 16 Spielzeiten stand. Insgesamt seien über eine viertel Million Besucher dort gewesen, schreiben die Freilichtspiele.

Nach Ende seiner Lebenszeit in Hall wurde das Globe zum symbolischen Preis von einem Euro nach Berlin verkauft. Dort hat nun Theatermacher Christian Leonard ein Heim für seine Shakespeare-Liebe gefunden. Im Sommer 2020 soll dort der Betrieb losgehen, es müssen nach Angaben lokaler Medien circa 800.000 Euro in den Wiederaufbau des in Einzelteilen transportierten Gebäudes investiert werden.

Denise Fiedler