Von Null auf Hundert

Gelbe Schrift auf grünem Hintergrund – das ist das Logo des Werkzeugfachmarktes Stabilo. Hier ist eine Filiale im sächsischen Freiberg zu sehen. Foto: Stabilo Fachmarkt-Gruppe

Gibt man Stabilo bei Google ein, erscheint ganz oben als erster Treffer der Fachmarkt für Werkzeug, Landwirtschaft und Garten – und nicht der gleichnamige Hersteller von Schreibgeräten. Das war nicht immer so. Doch der Familienbetrieb hat sich mächtig ins Zeug gelegt.

„Woanders suchen, heißt, bei Stabilo finden“ – das ist das Motto, das sich der Werkzeugfachmarkt aus Kupferzell-Mangoldsall auf die Fahnen geschrieben hat. Denn: „Spezial ist bei uns normal.“ Das bestätigt ein Blick in die Verkaufsregale von Stabilo-Filialen. Da finden sich neben Werkzeugen beispielsweise landwirtschaftliche Maschinen, Elektrogeräte, Auto- und Motorradzubehör, aber auch Kinderspielzeug und Tierbedarf-Artikel. Die Palette ist schier endlos. „Wir sind in verschiedenen Nischen stark“, weiß Markus Wedde, Leiter Marketing, Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Unternehmensgruppe.

„Viele gehen in einen Stabilo-Markt rein, sind überrascht und kommen dann auch mit baumarktuntypischen Artikeln wieder heraus, mit denen sie so und auch in dieser Dimension dort gar nicht gerechnet haben“, erzählt der Diplom-Betriebswirt. Beziehungsweise stoßen im Onlineshop auf Artikel, die an Kuriosität nicht zu übertreffen sind – wie das Toilettengolf-Set. Damit kann man sich auf dem stillen Örtchen nett die Zeit vertreiben. Ob die Welt so etwas braucht, ist die eine Frage, wer sich so etwas kauft, die andere.

Genauer Strukturplan

Doch bei Stabilo gibt es nichts, was es nicht gibt. Und so komme es oft vor, dass die Konkurrenz die eigenen Kunden zu der im Laufe der Jahrzehnte immens gewachsenen Fachmarktkette schickt. „Daher macht uns das nichts, wenn Mitbewerber in der direkten Nachbarschaft einen Markt haben. Damit können wir gut leben, zumal gewisse, sich daraus ergebende Synergieeffekte auch beiden nützen“, sagt Wedde selbstbewusst. Insgesamt 50.000 Artikel für den Handel und etwa 7.000 für den Internetverkauf produziert und vertreibt Stabilo – in einem preislichen Rahmen von 99 Cent bis 4.000 Euro.

Darunter finden sich sowohl Marken- als auch Noname-Produkte. Mittlerweile ist der Fachmarkt in neun der 16 deutschen Bundesländer vertreten und hat 43 Filialen – und es kommen in 2018 noch zwei weitere, in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, hinzu. Großstädte wie Hamburg, Berlin und Bremen seien übrigens, was die Infra- und Bevölkerungsstruktur betrifft, eher uninteressant für Stabilo. Die Devise sei, nicht um jeden Preis überall Märkte zu gründen. Man müsse auch mal Nein sagen können, wenn es offenkundig und auch konzeptionell nicht zu passen scheint. Das ist mit ein Grund, warum Stabilo noch nie eine Filiale schließen musste, wie der 49-Jährige informiert.

Seinen Anfang nimmt alles mit Günther Denner. 1970 – da ist er gerade mal 26 Jahre alt – baut er im beschaulichen Kupferzeller Teilort Mangoldsall einen Handelsbetrieb für Landmaschinen und Stalleinrichtungen auf. „Er wollte zwar den Hof seiner Eltern nicht übernehmen, aber dafür hat er sich in der umliegenden Landwirtschaft schon früh ein Netzwerk geschaffen, um diesen Bereich mit diversen Ausstattungen zu versorgen“, berichtet Wedde aus der Unternehmenshistorie. „Die Idee, mit der Denner Mut bewies, war fruchtbar.“ Und so wird fünf Jahre später die Stabilo Landtechnik GmbH ins Handelsregister eingetragen. Sogar Günther Denners Mutter habe den ersten Stabilo-Markt in Mangoldsall mit aufgebaut, selbst an der Kasse gesessen, diesen belebt und am Laufen gehalten. Eine wahre Erfolgsgeschichte beginnt.

Das Geschäft boomt

In den darauffolgenden Jahren werden zwei Filialen eröffnet, eine in der Region und eine im Neckar-Odenwald-Kreis. 1989 schließlich wird Ulrich Abendschein, Denners Neffe, Teil der Firma. Bis heute ist er Geschäftsführer von Stabilo. Weitere Markteröffnungen folgen, das Geschäft boomt. 2004 steigt Stabilo auch in den Online-Handel ein. „Dieser Vorstoß war sicherlich eine Herausforderung, doch die haben wir gemeistert“, resümiert der Marketingleiter. Es sei allemal ein cleverer Schachzug gewesen – zumal bestimmte Produkte mustermäßig in den Filialen ausgestellt sind, „weil man sie einfach nicht am Bildschirm kaufen kann“. So können potenzielle Käufer das Objekt ihrer Begierde optisch und haptisch inspizieren, bevor es in ihren Besitz übergeht.

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen des anhaltenden Erfolgs ist für Stabilo noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. In Steinheim am Albuch bei Heidenheim soll beispielsweise noch 2018 ein neues Logistikzentrum seine Türen öffnen und in Übrigshausen im Landkreis Schwäbisch Hall der Spatenstich für einen Erweiterungsbau des Lagers und der Verwaltung stattfinden. „Gesundes Wachstum auf gefestigtem Fundament“ ist immerhin das Leitmotiv der traditionsreichen Fachmarktkette, die von Null auf Hundert die Bundesrepublik erobert hat.

Olga Lechmann

 

Online
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