Wachstum dank Hohenloher Mentalität

Die Würth-Gruppe schafft es auch in schwierigen Zeiten, auf Wachstumskurs zu bleiben – die aktuellen Geschäftszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Das Erfolgsrezept dafür benennt Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe, unmissverständlich: Bescheidenheit, Dankbarkeit und Kundennähe.

Wachstum Würth
Der kundennahe Vertrieb, gepaart mit digitaler Stärke, ist ein maßgeblicher Erfolgsfaktor bei Würth. Foto: TM Studios

Interview mit Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe

Herr Friedmann, allein im ersten Halbjahr 2026 hat die Würth-Gruppe 10,9 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Mit einem Wachstum von 4,3 Prozent trotzt Würth Konjunkturschwäche und geopolitischen Herausforderungen. Was erwarten Sie für das zweite Halbjahr?

Robert Friedmann: In einem volatilen politischen und wirtschaftlichen Umfeld zu wachsen, ist sehr erfreulich. Die aktuellen Auftragseingänge stimmen uns zuversichtlich, dass sich diese positive Entwicklung auch im zweiten Halbjahr fortsetzen wird. Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten wir ein Umsatzwachstum im mittleren, einstelligen Prozentbereich und ein Betriebsergebnis auf Vorjahresniveau 2025 – vorausgesetzt, die geopolitische Lage bleibt weitestgehend stabil.

Wie viel Anteil an diesem Erfolg verdankt der Konzern der Region beziehungsweise der Heimat von Professor Reinhold Würth – nicht nur, was die Umsatzzahlen der Adolf Würth GmbH & Co. KG als mit 8000 Mitarbeitern größtes Einzelunternehmen angeht, sondern auch in Bezug auf Erfolgsmentalität und unternehmerischen Mut?

Robert Friedmann: Hohenlohe ist und bleibt die Heimat von Würth. Von hier aus hat Prof. Reinhold Würth mit unternehmerischem Mut, Weitblick und viel Herzblut aus dem anfänglichen Zwei-Mann-Betrieb einen weltweit erfolgreichen Konzern aufgebaut. Seine Mentalität prägt das Familienunternehmen bis heute.

Den Menschen in Hohenlohe sagt man Bescheidenheit und Freundlichkeit nach. Diese Tugenden sind Reinhold Würth nach eigenen Worten wichtig. Er nannte vor einiger Zeit in einem Interview Arroganz die „ekelhafteste Eigenschaft, die ein Unternehmer haben kann“. Warum bremst Überheblichkeit unternehmerische Visionen und Erfolg?

Robert Friedmann: Überheblichkeit kann einem Unternehmen erheblich schaden. Wer sich über andere stellt, nimmt Feedback aus dem Umfeld oft nicht ernst und hört seinem Gegenüber nicht richtig zu. Innovationen und Weiterentwicklungen entstehen aber aus einem kritischen, konstruktiven Austausch, der für Unternehmen absolut relevant ist, um weiterhin erfolgreich am Markt zu agieren. Daher ist es für Prof. Reinhold Würth auch so wichtig, Werte wie Dankbarkeit, Wertschätzung und Bescheidenheit im Unternehmen fest zu verankern.

Wer Teil der Würth-Gruppe werden möchte, dürfe im Bewerbungsgespräch nicht großspurig auftreten, sagte Prof. Reinhold Würth in diesem Zusammenhang. Inwieweit prägt diese Hohenloher Mentalität die Kultur an allen internationalen Standorten der Unternehmensgruppe?

Robert Friedmann: Prof. Reinhold Würth hat maßgeblich unsere Unternehmenskultur geprägt. Einst sagte er, wir seien die Angestellten unserer Kunden. Dieser Satz bringt es auf den Punkt: Nur wer den Kunden wirklich zuhört und deren Herausforderungen versteht, kann passgenaue Lösungen anbieten und ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen. Die Nähe zu unseren Kunden ist einer unserer wichtigsten Erfolgsfaktoren.

Mehr als die Hälfte der 86.700 Mitarbeitenden weltweit sind im Vertrieb tätig. Er bleibt der zentrale Erfolgsfaktor der Unternehmensgruppe. Wie schaffen Verkaufsprofis bei Würth, was andere nicht schaffen?

Robert Friedmann: Der Direktvertrieb bei Würth hat Tradition und ist seit jeher unsere zentrale Stärke. Gerade in einem Umfeld, das für unsere Kunden durch Fachkräftemangel, Zeitdruck, wachsende Dokumentationspflichten und technologische Veränderungen immer anspruchsvoller wird, ist Vertrauen und allen voran eine menschliche Beziehung entscheidend. Unser Vertrieb heute geht jedoch einen Schritt weiter und verbindet persönliche Nähe mit digitaler Stärke. So entstehen Lösungen, die den Alltag unserer Kunden erleichtern. Unsere Außendienstmitarbeitenden bleiben dabei das entscheidende Bindeglied – unterstützt durch digitale Lösungen und KI, die ihre Arbeit noch wirksamer machen.

Immer wieder betonen Sie, zuletzt beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer, wie wichtig Frieden und Stabilität sind – eine Grundvoraussetzung für Wohlstand und Wachstum. Wie würde nach Ihrer Ansicht eine Welt aussehen, in der alle Menschen ein Stückchen Hohenloher Mentalität in sich hätten?

Robert Friedmann: Wenn Menschen einander im Alltag wieder mit ein bisschen mehr Verantwortungsbewusstsein, Respekt und Toleranz begegnen würden, wäre das ein großer Gewinn. Denn ein wertschätzendes Miteinander schafft Vertrauen und Verlässlichkeit – und damit eine wichtige Grundlage für Stabilität und Wachstum.

Interview von Natalie Kotowski

Weitere Informationen

Robert Friedmann wurde direkt nach seinem BWL-Studium in Pforzheim und den USA 1992 Mitglied der Würth-Gruppe. Fünf Jahre später berief ihn Prof. Reinhold Würth in die Geschäftsführung des Tochterunternehmens Hahn+Kolb in Stuttgart. Seit 2005 ist er Sprecher der Konzernführung. Sie umfasst sieben Mitglieder und ist das oberste Entscheidungsgremium der Würth-Gruppe. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehören die strategische Unternehmensplanung, die Auswahl von Führungskräften sowie die Steuerung der strategischen Geschäftseinheiten und Funktionalbereiche.

Würth Wachstum
Robert Friedmann
Foto: Sinah Osner