Wirtschaftsbetrieb: Krankenhaus

Prof. Dr. Werner Romen erklärt den Studierenden, wie in einem Krankenhaus gearbeitet werden muss, damit es wirtschaftlich ist. Foto: DHBW Mosbach

Kliniken stehen heute nicht mehr nur ausschließlich für Heilung und Genesung. Auch Krankenhäuser müssen wirtschaften, um am Markt bestehen zu können. Sie müssen rentabel sein – wie andere Unternehmen auch.

 

Als sich vor zwölf Jahren die Krankenhausfinanzierung grundlegend änderte und tagesgleiche Pflegesätze durch Fallpauschalen ersetzt wurden, glaubten viele, wenn nun das Geld der Leistung folgte, würde alles gut. Wie bald die Praxis zeigte, hat dieses Finanzierungssystem einige Schwachstellen. Das Budget für die stationäre Versorgung blieb nämlich weiterhin gedeckelt. Nur zögerlich waren die Krankenkassen bereit, die jährliche Teuerungsrate adäquat auszugleichen. Damit tat sich eine finanzielle Schere auf, die von Jahr zu Jahr größer wird. Die Krankenhäuser stöhnen unter den Lohnsteigerungen, den steigenden Energiekosten und den Konsequenzen, die der medizinisch-technische Fortschritt einerseits und die immer größer werdenden Patientenwünsche andererseits mit sich bringen.

Zusätzlich hat sich seit Jahren ein Investitionsstau gebildet, weil der Staat seine Verpflichtungen nur unzureichend nachkommt. In den letzten Jahren klagen Krankenhäuser zudem über fehlendes Personal. Ärzte und Pflegende sind nicht mehr in ausreichender Zahl zu bekommen. Das trifft vor allem die Krankenhäuser in den ländlichen Regionen. Manche Kliniken versuchen sich durch teure Überstunden und mit teuren Honorarärzten zu helfen, was natürlich den Etat zusätzlich belastet.

Die Konsequenz ist, dass kleinere Krankenhäuser, besonders aber kleinere Abteilungen, von der Schließung bedroht sind. Viele haben deshalb Kooperationsverträge geschlossen oder durch Fusion wie SLK Klinken Heilbronn Effizienzsteigerungen erzielt.

Die leistungsabhängige Vergütung nötigt die leistungserbringenden Einrichtungen zu unternehmerischer Denkensweise. Diese wird seitens des Gesetzgebers in Form der Möglichkeit zur ambulanten Durchführung von Operationen in Krankenhäusern unterstützt. Ambulant durchgeführte Eingriffe sind nach wie vor budgetneutral und stellen eine zusätzliche Einnahmequelle für die Einrichtungen dar. Auf Grund eines Verhältnisses von bis zu 1:6 im Vergleich von ambulanter zu stationärer Erbringung entsteht eine „Win-Win-Situation“, die sich in geringeren Kosten für die Krankenkassen und zusätzlichen Erlösen für die Krankenhäuser manifestiert. Im Erkennen dieser Möglichkeit sowie der Bereitstellung der notwendigen, organisatorischen Infrastruktur liegt die unternehmerische Herausforderung für betroffene Krankenhäuser, deren Leistungsstruktur grundsätzlich die Möglichkeit zu ambulanter Durchführung eröffnet.

Zwei Stellschrauben haben die Akutkrankenhäuser: zum einen können sie versuchen, durch Einsatz aufwendiger Medizintechnik zu höheren Einnahmen zu kommen. Man denke nur an die rapid zunehmenden endoprothetischen Operationen und Herzkatheter-Untersuchungen. Diese Eingriffe werden oft erst möglich, indem die Krankenhäuser dazu notwenige Investitionen selbst übernehmen. Zum anderen erbringen sie neuerdings im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben ambulante Leistungen, was nicht immer auf Gegenliebe bei den niedergelassenen Ärzten stößt.

Ehrlicherweise muss man einräumen, dass die Krankenhäuser unterschiedlich gut finanziell dastehen. Vor allem viele öffentlich-rechtliche Stadt- und Kreiskrankenhäuser schreiben rote Zahlen und benötigen Subventionen. Das fällt den Kommunen zunehmend schwer, da auch ihr Haushalt defizitär ist. Demgegenüber geht es frei-gemeinnützigen Krankenhäusern und Kliniken in privater Trägerschaft, die in Ketten von Synergieeffekten profitieren, vergleichsweise gut. Daraus lässt sich auch folgern, dass man noch am besten mit einem guten Krankenhaus-Management und Controlling gegen die systemimmanenten Schwächen der Krankenhausfinanzierung gewappnet ist.

Es bleibt für die Krankenhäuser eine Gradwanderung: sie wollen den kranken Menschen helfen – das ist ihr Auftrag – und müssen so wirtschaften, dass sie ihren gesetzlichen Vorgaben erfüllen können – keine leichte Aufgabe.

Prof. Dr. Boris Hubert und Prof. Dr. Werner Romen

Zu den Personen
Prof. Dr. Boris Hubert ist Studiengangsleiter von BWL – Gesundheitsmanagement der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach am Campus Bad Mergentheim. Er war viele Jahre in leitender Funktion für ein Maschinenbauunternehmen sowie ein Krankenhaus der Regelversorgungsstufe tätig und zuletzt Professor für Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Rechnungs- und Gesundheitswesen an einer privaten Hochschule in Berlin.
Prof. Dr. Werner Romen war viele Jahre Ärztlicher Leiter und Chefpathologe des Caritas-Krankenhauses in Bad Mergentheim. Dem Campus Bad Mergentheim der DHBW Mosbach ist er seit der Gründung als Dualer Dozent und Förderer verbunden.