Zündende Erfolgsgeschichten

Triebwerkstest beim DLR in Lampoldshausen: Hier ein Versuch für die Ariane-Rakete. Foto: Ariane Group

Nahe Lampoldshausen, einem Teilort der Gemeinde Hardthausen, befindet sich ein Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Hier wird eine wichtige Basis für Weltraumexpeditionen geschaffen. Wir haben das Werk besucht.

Eine kurvige Straße zieht sich durch den Harthäuser Wald im Landkreis Heilbronn. Baum reiht sich an Baum. Der Verkehrsweg ist kaum befahren. Hier sollen Raketentriebwerke getestet werden, mitten im Nirgendwo? Müssten hier nicht riesige Hallen stehen, Rauchschwaden kilometerweit zu sehen und ein Dröhnen der Triebwerke zu hören sein?

Nichts dergleichen wartet, wenn man auf eine Straße, die tiefer in den Wald führt, abbiegt. Langsam lichten sich die Bäume und ein imposantes Gebäude erscheint. Die großflächigen Glasscheiben gewähren schon vom Weitem Einblicke in die Welt der Raumfahrt und stellen Triebwerks- und Raketenteile zur Schau.

Am Empfang wartet Anja Kaboth. Sie ist zuständig für Politikbeziehungen und Kommunikation. Anhand eines Modells veranschaulicht sie, wie weitläufig das Gelände ist und wie viele Gebäude für die Forschung und die Triebwerkstests im Wald verteilt sind. Hier in Lampoldshausen, beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), arbeiten rund 600 Mitarbeiter. Etwa 300 davon sind beim DLR selbst angesiedelt, die andere Hälfte arbeitet für die Ariane Group und befasst sich mit der Entwicklung von Satellitenantrieben. Angestellt sind Ingenieure, Techniker, Naturwissenschaftler, Handwerker, Hochschulabsolventen und wissenschaftliche Mitarbeiter.

Klaus Schäfer ist stellvertretender Direktor des Instituts für Raumfahrtantriebe und erläutert die Aufgaben und Projekte des DLR am Standort Lampoldshausen: Die Hauptaufgabe sei, Raketentriebwerke an verschiedenen Prüfständen zu testen und zu untersuchen. Im Zuge dessen wird auch an der Zukunft der Raketenantriebe geforscht: Wie werden Raketen in zehn Jahren aussehen? Wie kann die Raumfahrt günstiger werden? Und wie kann man Raketen wiederverwendbar machen? Fragen, auf die das DLR hier Antworten liefert. Außerdem befassen sich die Raumfahrtexperten mit Technologien wie dem 3-D-Druck sowie der Forschung und Entwicklung von Raumfahrtantrieben. Das derzeitige Hauptprojekt ist der Test der Oberstufe für die europäische Trägerrakete Ariane 6, die 2020 zum ersten Mal ins Weltall starten soll.

Einzigartig in Europa

Am Oberstufenprüfstand P5.2 in Lampoldshausen lassen sich Oberstufen von Trägerraketen testen. Das macht den Prüfstand einzigartig in Europa. Ein Triebwerkstest braucht einige Vorlaufzeit. Messtechnik und Steuerung müssen vorbereitet werden. Am „Jour -1“, dem Tag vor dem Test, erfolgt die Generalprobe. Am Versuchstag, dem „Jour“, werden zuerst die Systeme hochgefahren. Gibt der Auftraggeber sein Okay, wird der Bereich um den Prüfstand P5 im Umkreis von 500 Metern abgesperrt, Wanderer werden von den Wegen im Gefahrenbereich geholt und Lautsprecherdurchsagen weisen auf den baldigen Testbeginn hin. Setzt der Countdown ein, startet der automatisierte Prozess. Der eigentliche Test dauert rund zehn Minuten, was laut Schäfer an die Brenndauer im Flug angelehnt ist.

Er ist fest davon überzeugt, dass Lampoldshausen ein wichtiger Standort für die Raumfahrt ist: „Die Ariane fliegt ohne Lampoldshausen nicht.“ Aber warum genau Lampoldshausen? Schäfer erläutert, dass für die Durchführung der Triebwerkstests ein Sicherheitsraum vonnöten ist, damit im schlimmsten Fall umherfliegende Trümmerteile niemandem schaden. Das spricht für die abgeschiedene Lage. Auch die Tallage hilft, den möglichen Trümmerflug abzuschirmen. Der Standort verfügt außerdem über eine ausreichende Wasserversorgung für die Kühl- und Löschanlagen des Geländes sowie einen unmittelbaren Anschluss an die Autobahn.

Den Lärm der Tests hört man allerdings trotz der abgeschiedenen Lage: „Je nach Wind- und Witterungsverhältnissen hört man durch die Triebwerkstests bis zu 30 Kilometer weit ein Brummen“, erläutert Schäfer. Außerdem sei Wasserdampf zu sehen. Das DLR legt viel Wert darauf, dass die Umwelt durch die Tests keinen Schaden nimmt: „Wir haben eine eigene Kläranlage hier. Alles was das Haus verlässt, wird von uns geprüft. Zudem überwachen Brand- und Gasmeldeanlagen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, die Bereiche“, erläutert der stellvertretende Direktor.

Wer künftig durch den Harthäuser Wald fährt, ein Brummen hört und Dampf aufsteigen sieht: Nein, hier brennt es nicht. Es werden nur zündende Erfolgsgeschichten für die Raumfahrt geschrieben.

Louisa Holz

60-Jahr-Feier mit Führungen
Dieses Jahr feiert der im Jahre 1959 gegründete Standort des DLR sein 60-jähriges Bestehen. Im Herbst 2019 haben Interessierte nach Anmeldung die Möglichkeit, einen tieferen Einblick in den Standort Lampoldshausen zu erhalten. Das DLR-Forum für Raumfahrtantriebe ist ganzjährig an bestimmten Tagen geöffnet. Infos unter www.dlr.de