DIHK-Report 2026: Zukunftsmärkte bieten Gründern neue Chancen

Steigendes Gründungsinteresse trifft auf wirtschaftliche Unsicherheit: Der DIHK-Report Unternehmensgründung 2026 zeigt, dass sich wieder mehr Menschen für die Selbstständigkeit interessieren. Viele Gründerinnen und Gründer wollen gezielt neue Marktchancen nutzen.

Gründungsinteresse Deutschland
Immer mehr Menschen informieren sich bei den Industrie- und Handelskammern über den Weg in die Selbstständigkeit. Foto: Adobe Stock/peopleimages.com

Das Interesse an Unternehmensgründungen nimmt in Deutschland zu. Bundesweit verzeichnen die Industrie- und Handelskammern (IHKs) einen Anstieg der Menschen, die Informations- und Beratungsangebote zur Selbstständigkeit nutzen.

Immer häufiger ist in den Beratungsgesprächen jedoch nicht nur der Wunsch nach unternehmerischer Selbstständigkeit ein Thema, sondern auch die Sorge um die eigene berufliche Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt der „DIHK-Report Unternehmensgründung 2026“, wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer in einer Mitteilung berichtet.

Arbeitsplatzsorgen treiben den Schritt in die Selbstständigkeit

Mit 36 Prozent erreicht der Anteil der Personen, die aufgrund fehlender Erwerbsalternativen eine Gründung anstreben, den höchsten Wert seit elf Jahren. Gleichzeitig stellen die Beraterinnen und Berater der Industrie- und Handelskammern bei einer zunehmenden Zahl der eingereichten Geschäftskonzepte Defizite fest, insbesondere in den Bereichen Finanzierung und kaufmännische Planung. Dabei wäre der von Krisen belastete Wirtschaftsstandort Deutschland derzeit auf eine Welle von Leuchtturm-Gründungen angewiesen.

„Unser Report zeigt zwar ein steigendes Gründungsinteresse, aber keinen breiten unternehmerischen Aufbruch. Das passt leider zur weitgehend stagnierenden Wirtschaftsentwicklung“, so DIHK-Präsident Peter Adrian. 

Fast vier von zehn Interessierten wollen hauptsächlich gründen, da sie aufgrund der wirtschaftlichen Lage und der Transformation in vielen Branchen um ihren Arbeitsplatz fürchten. „Die angestrebte Gründung ist in diesen Fällen eher eine Ausweichstrategie als der feste Wunsch, als Unternehmerin oder Unternehmer neue Marktchancen zu erschließen.“

Somit setzt sich ein langjähriges Muster fort: In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten entscheiden sich in Deutschland mehr Menschen für den Schritt in die Selbstständigkeit, während in wirtschaftlich stabileren Phasen häufiger eine abhängige Beschäftigung bevorzugt wird. Vor allem in industriell geprägten Regionen beobachten die IHKs derzeit verstärkt Gründungen im Zuge aktueller Transformationsprozesse. Beschäftigte wechseln aus industriellen Wertschöpfungsketten häufig in kleinteilig strukturierte Dienstleistungsbereiche.

Zukunftsmärkte rücken in den Fokus von Gründern

Gleichzeitig wollen viele der Gründerinnen und Gründer gezielt neue Marktchancen nutzen, beispielweise in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Digitalisierung sowie sicherheitsrelevanten Technologien. „KI erleichtert vielen nicht nur den Weg in die Selbstständigkeit, sondern eröffnet auch völlig neue Geschäftsmodelle“, so Adrian. „Das gilt beispielsweise für Robotik, Kommunikation und Raumfahrt. Gleichzeitig entstehen durch die veränderte geopolitische Lage zusätzliche Geschäftsfelder, etwa in der Sicherheitstechnologie.”

Er fährt fort: „Deutschland hat damit auch die Chance, eine neue Generation technologieorientierter Unternehmen hervorzubringen, deren Know-how unserer Wirtschaft in vielen Bereichen einen Innovationsschub geben kann. Damit das gelingt, brauchen wir allerdings deutlich bessere Rahmenbedingungen.“

Die Startup- und Scaleup-Strategie der Bundesregierung setzt aus Sicht des Berichts wichtige Impulse, insbesondere bei der Mobilisierung privaten Kapitals, der Verbesserung der Wachstumsfinanzierung und der Gewinnung von Fachkräften. Damit greift sie zentrale Themen auf, die Gründerinnen und Gründer auch in den IHK-Beratungen regelmäßig ansprechen. Entscheidend wird nun sein, dass die angekündigten Maßnahmen tatsächlich wirksam werden.

Frauen nutzen Gründungsberatungen so häufig wie Männer

Neben einfacheren Gründungsprozessen sind bessere Rahmenbedingungen für das Unternehmenswachstum erforderlich. Dabei sollten die Verbesserungen nicht allein auf den Technologiebereich beschränkt bleiben. Auch Handel, Dienstleistungen und Gastgewerbe benötigen spürbare Entlastungen, da sie wesentlich zur wirtschaftlichen Vielfalt in Deutschland beitragen.

Positiv entwickelt sich auch das Gründungsinteresse von Frauen. Inzwischen nehmen nahezu ebenso viele Frauen wie Männer die Gründungsberatung der IHKs in Anspruch. Vor 20 Jahren lag ihr Anteil noch bei rund einem Drittel. Der langfristige Anstieg verdeutlicht, dass unternehmerische Selbstständigkeit für Frauen heute deutlich selbstverständlicher ist als noch vor zwei Jahrzehnten.

Red.


Zum DIHK-Report

Die Ergebnisse des „DIHK-Report Unternehmensgründung 2026“ sind online abrufbar.


Mehr zum Thema

KI-Agenten in Start-ups

Fast jedes zweite Start-up nutzt selbstständige KI-Agenten

Künstliche Intelligenz ist in deutschen Start-ups fest etabliert: Bereits 48 Prozent nutzen eigenständig agierende KI-Agenten, 65 Prozent entwickeln eigene KI-Anwendungen …
Verena Pausder

„Krisenzeiten sind Gründerzeiten“: Verena Pausder, Vorsitzende des Start-up-Verbands Deutschland, im Interview

Trotz Konjunkturflaute boomt die Gründerszene. Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des „Startup-Verband Deutschland“, erklärt, weshalb Mentalität über Erfolg entscheidet – und welche …
Technologietrends 2026

Von KI bis Cybersicherheit: Diese Technologietrends stufen Tech-Gründer 2026 als besonders wichtig ein

Künstliche Intelligenz ist für 86 Prozent der Tech-Startups in Deutschland der unangefochtene Technologietrend des Jahres 2026. Cybersicherheit sowie Cloud- und …