Die Diskussion um Altersbeschränkungen für soziale Medien gewinnt an Fahrt – nicht nur in der Politik, sondern auch in der Bevölkerung. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die große Mehrheit der Deutschen befürwortet eine Altersbegrenzung für Social-Media-Plattformen, zweifelt aber an deren Umsetzbarkeit.

Während auf EU-Ebene und in Deutschland eine mögliche Altersgrenze für soziale Medien politisch und öffentlich diskutiert wird, zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag des eco – Verbands der Internetwirtschaft e. V.: Die Mehrheit der Befragten befürwortet prinzipiell eine solche Regelung, hält ihre Umsetzung jedoch für kaum realistisch.
Ein Anteil von 82 Prozent spricht sich demnach für eine Altersbeschränkung für Social-Media-Plattformen aus. Zugleich halten 54 Prozent der Befragten eine solche Regel in der Praxis jedoch für nicht umsetzbar. Dies berichtet der Verband in einer Mitteilung.
Mehrheit für Altersbegrenzung auf Social Media
Was die kindliche Nutzung von Social-Media-Angeboten betrifft, sehen die Befragten eine elterliche Mitbestimmung als wichtig an. Diese sollte an den Entwicklungsstand des Kindes angepasst sein.
- 47 Prozent fänden es gut, wenn Eltern zustimmen müssten, wenn Kinder unter 16 Jahren ein Social-Media-Konto anlegen wollen,
- 46 Prozent sprechen sich dafür aus, dass App-Stores Downloads von Minderjährigen unter 13 Jahren ohne Elternfreigabe blockieren sollten,
- 40 Prozent sind für ein komplettes Social Media Verbot für Kinder unter 13 Jahren,
- 34 Prozent halten eine strikte Nachtzeiten-Sperre für Minderjährige für sinnvoll.
Hinsichtlich der Art der Altersprüfung, befürworten 44 Prozent der Befragten eine verifizierte Altersprüfung durch Social-Media-Anbieter, beispielsweise über digitale Identifizierungen. Für eine KI-basierte Altersschätzung per Video oder Foto beim Anlegen des Social-Media-Accounts sprechen sich hingegen nur 10 Prozent aus.
Nationale Alleingänge vermeiden
„Der Schutz Minderjähriger im digitalen Raum ist ein wichtiges Anliegen – aber er braucht praktikable, datenschutzkonforme und vor allem europaweit abgestimmte Lösungen“, so Alexandra Koch-Skiba, Leiterin der eco Beschwerdestelle.
„Aktuell gibt es unterschiedliche Vorstellungen in den Mitgliedstaaten rund um das Thema Altersbeschränkungen für die Nutzung von Social Media durch Kinder und Jugendliche. Käme es hierdurch zu nationalen Insellösungen, würde dies den Jugendschutz eher erschweren als verbessern. Für international agierende Plattformen ist eine einheitliche europäische Basis entscheidend, um wirksam und rechtssicher handeln zu können.”
Koch-Skiba betont: „Zu strikte Altersgrenzen würden den Teilhabegedanken konterkarieren. Eltern wünschen sich vielmehr ein Mitspracherecht, um ihre Kinder angemessen begleiten zu können.“
Datenschutz und Nutzerfreundlichkeit wahren
Im aktuellen politischen Diskurs zum Schutz von Kindern und Jugendlichen bei der Nutzung bestimmter Online-Angebote rückt die Altersprüfung von Nutzerinnen und Nutzern stärker in den Fokus. Für die Diensteanbieter steht dabei im Vordergrund, dass Altersprüfungen sowohl praktikabel als auch rechtssicher sind. Gleichzeitig gilt es, Datenschutz und Nutzerfreundlichkeit zu berücksichtigen – zum Beispiel durch „Zero-Knowledge“-Verfahren, bei denen keine personenbezogenen Daten offengelegt werden.
„Datenschutz und Nutzerfreundlichkeit verlangen, dass bei Altersprüfungen keine Offenlegung der eigenen Identität gegenüber dem Diensteanbieter nötig ist. Auch bei erweiterten Prüfpflichten muss anonyme Internetnutzung möglich bleiben“, betont Koch-Skiba. „Angesichts aktueller politischer Debatten setzen wir auf einen offenen, praxisnahen Austausch über technische Lösungen für verlässliche und praktikable Ansätze.“
Red.
Über die Umfrage
Die Befragung erfolgte über Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die zuvor ihr Einverständnis zur Teilnahme gegeben hatten. Zwischen dem 24. und 27.10.2025 wurden 2.343 Personen befragt. Die Stichprobe wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politischem Interesse quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Resultate sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.


