Arbeitsmarkt unter Druck: Diese Branchen trifft der Fachkräftemangel am härtesten

Die Fachkräftelage in Deutschland bleibt angespannt. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, welche Branchen am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen sind.

Fachkräftemangel in Deutschland
Der Mangel an qualifizierten Fachkräften prägt die Arbeitslandschaft in Deutschland. In vielen Branchen – vom Krankenhaus bis zur Baustelle – sind zahlreiche Stellen unbesetzt. Foto: Adobe Stock/bnenin

Der Fachkräftemangel ist in der deutschen Wirtschaft allgegenwärtig. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat die Fachkräftelücke für das Jahr 2024 erstmals branchenbezogen ausgewiesen. In den zehn am stärksten betroffenen Branchen konnten demnach insgesamt mehr als 260.000 Stellen rechnerisch nicht mit entsprechend qualifizierten Fachkräften besetzt werden. Dies berichtet das Institut in einer Mitteilung.

„Zuletzt sind die Fachkräfteengpässe wegen der schwachen Konjunktur zurückgegangen – eine Entwarnung für den Arbeitsmarkt bedeutet das aber nicht“, sagt IW-Expertin Valeria Quispe.

Die Branchen mit dem größten Fachkräftemangel

In bestimmten Branchen ist die Fachkräftelücke besonders ausgeprägt:

  • An der Spitze steht das Gesundheitswesen. Der Studie zufolge blieben im Jahr 2024 rechnerisch rund 46.000 Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte unbesetzt. Vor allem an Physiotherapeutinnen und -therapeuten (11.979), Pflegekräften (7174) und zahnmedizinischen Fachangestellten (6778) mangelt es.
  • Die zweitgrößte Fachkräftelücke zeigt sich im Baugewerbe, wo rund 41.300 Stellen rechnerisch nicht besetzt werden konnten. Besonders stark nachgefragt werden Fachkräfte für Bauelektrik (10.496) sowie für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (8.648).
  • An dritter Stelle liegt der Bereich öffentliche Verwaltung und Soziales mit über 37.600 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen, darunter insbesondere Positionen für Fachkräfte in der öffentlichen Verwaltung (4.603) und in der Kinderbetreuung (4.451).
  • Auch die Industrie ist vom Fachkräftemangel betroffen. So konnten in der Herstellung von Metallerzeugnissen im Jahr 2024 knapp 18.500 Stellen rechnerisch nicht besetzt werden, im Maschinenbau waren es rund 18.000.

Fachkräftesicherung stärken

Quispe zufolge sei es im Alltag spürbar, dass in wichtigen Versorgungsbereichen weiterhin Personal fehle: „Engpässe im Gesundheitswesen führen zu langen Wartezeiten bei Terminen, fehlendes Personal im Baugewerbe bremst den Wohnungsbau.“

Eine gezielte Fachkräftesicherung sei daher unverzichtbar. Außerdem gelte es, Beschäftigte ohne Berufsabschluss gezielt für Aus- und Weiterbildung zu gewinnen, stärkere Anreize für ein längeres Erwerbsleben zu setzen und die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte zu unterstützen. 

Red.


Zur Methodik

Seit 2020 ermittelt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) den Fachkräftebedarf in Deutschland für rund 1.300 Berufsgruppen mithilfe einer eigenen Methodik. Eine genaue Zuordnung der Engpässe zu einzelnen Branchen war bislang nicht möglich. Mit der nun vorgestellten Erweiterung ist es erstmals möglich, die Fachkräftelücke nach Wirtschaftszweigen (2-Steller der WZ 2008) auszuweisen. Dabei werden sämtliche Berufe eines Wirtschaftszweigs einbezogen – nicht nur die Kernberufe. Dadurch lassen sich Engpässe sowohl branchenübergreifend als auch innerhalb spezifischer Branchen differenziert erfassen.


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