4 von 10 jungen Menschen können sich vorstellen, ein eigenes Unternehmen zu gründen

Knapp 40 Prozent der 14- bis 25-Jährigen in Deutschland können sich vorstellen, in Zukunft ein eigenes Unternehmen zu gründen. Gleichzeitig bremsen Unsicherheit, fehlendes Wissen und die Sorge vor Stress viele junge Menschen aus. Eine Befragung der Bertelsmann Stiftung zeigt, wo die größten Hürden liegen.

Gründungsbereitschaft junger Menschen
Junge Menschen in Deutschland stehen dem Schritt in die Selbstständigkeit zunehmend offen gegenüber. Foto: Adobe Stock/Lustre Art Group

Das Interesse an einer Unternehmensgründung ist unter jungen Menschen in Deutschland vergleichsweise hoch: Knapp 40 Prozent der 14- bis 25-Jährigen können sich vorstellen, künftig ein eigenes Unternehmen zu gründen. Das zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Neun Prozent der Befragten planen konkret, sich bis zum 30. Lebensjahr selbstständig zu machen. Weitere 28 Prozent ziehen diesen Schritt in Betracht, sind sich allerdings noch nicht ganz sicher. 31 Prozent sehen sich derzeit eher nicht in der Rolle von Gründerinnen oder Gründern, schließen eine spätere Gründung aber nicht aus. Für 29 Prozent kommt die Selbstständigkeit aktuell nicht infrage. Dies berichtet die Bertelsmann Stiftung in einer Mitteilung.

Gründungen junger Menschen als Impulsgeber für die Wirtschaft

„Es ist gut, dass so viele junge Menschen Interesse daran zeigen, eine eigene Firma zu gründen. Neue Unternehmen bringen oft frische Geschäftsideen mit, sie schaffen Arbeitsplätze und stärken die Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Ivo Andrade, Experte der Bertelsmann Stiftung für Jugend und Wirtschaft.

„Gerade in der aktuell herausfordernden Situation kann die deutsche Wirtschaft solche Impulse dringend gebrauchen. Wichtig ist, die von jungen Menschen gegründeten Unternehmen gut zu begleiten. Dabei helfen Netzwerke für junge Gründer:innen, um Ideen und Erfahrungen auszutauschen.“ Ein Beispiel für ein solches ist das Young Founders Network, das von der Bertelsmann Stiftung unterstützt wird.

Unsicherheit, Wissenslücken und Stress als zentrale Hürden

Eine positive Entwicklung zeigt der aktuelle Global Entrepreneurship Monitor: Der Anteil der 18- bis 24-jährigen Gründerinnen und Gründer in Deutschland ist zwischen 2024 und 2025 von knapp 13 Prozent auf über 23 Prozent gestiegen.

Trotz dieses deutlichen Zuwachses bestehen weiterhin Hürden auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Wie die Befragung der Bertelsmann Stiftung zeigt, halten 60 Prozent derjenigen, die eine Unternehmensgründung für sich ausschließen, die Selbstständigkeit für zu unsicher und bevorzugen ein Angestelltenverhältnis.

Während sich eine geringe persönliche Risikobereitschaft nur begrenzt beeinflussen lässt, verhält es sich bei den beiden anderen zentralen Hürden anders. So geben 48 Prozent der Befragten an, zu wenig über die Gründung eines Unternehmens zu wissen. Besonders häufig trifft dies auf Schülerinnen und Schüler zu.

Zudem sehen 39 Prozent im erwarteten Stress eine Herausforderung. Diese Einschätzung wird vor allem von Befragten geteilt, die die Schule bereits verlassen haben. Der Zugang zu Startkapital spielt dagegen eher eine untergeordnete Rolle: Weniger als jede zehnte befragte Person äußert diesbezüglich Bedenken.

Bildungsniveau beeinflusst die Gründungsbereitschaft

Die Befragung zeigt zudem deutliche Unterschiede in der Gründungsbereitschaft je nach Bildungsniveau. Unter den jungen Menschen, die ein Gymnasium besuchen oder bereits das Abitur erworben haben, können sich 42 Prozent zumindest vorstellen, ein Unternehmen zu gründen. Bei Hauptschülerinnen und Hauptschülern beziehungsweise Personen mit Hauptschulabschluss liegt dieser Anteil dagegen bei 27 Prozent.

Gleichzeitig kommt eine Gründung für die Hälfte der Befragten mit niedriger Schulbildung nicht infrage, während dies nur auf ein Fünftel derjenigen mit hohem Bildungsniveau zutrifft. Auch das Alter beeinflusst die Gründungsbereitschaft: Die 14- bis 20-Jährigen zeigen sich offener für eine Unternehmensgründung als die 21- bis 25-Jährigen.

Der Weg zur Gründung beginnt in der Schulzeit

Nach Einschätzung der Expertinnen und Experten der Bertelsmann Stiftung sollte die Förderung unternehmerischen Denkens und Handelns bereits in der Schulzeit ansetzen. Ziel sei es, jungen Menschen unabhängig von ihrem Bildungsniveau relevante Kompetenzen und Wissen für eine mögliche Unternehmensgründung zu vermitteln.

Dafür eignen sich altersgerechte Bildungs- und Trainingsangebote außerhalb der Schule, etwa Workshops oder Schülerfirmen. Zudem halten die Expertinnen und Experten eine zielgruppengerechtere Ansprache junger Menschen zum Thema Gründung für notwendig, insbesondere über Social-Media-Kanäle.

Als Anlaufstelle verweisen sie auf das Young Founders Network. Darüber hinaus sollten Angebote zur Stärkung der Resilienz ausgebaut und stärker bekannt gemacht werden, um junge Menschen im Umgang mit Stress zu unterstützen. Dazu zählen unter anderem kostenlose Beratungsangebote der Agentur für Arbeit und der Jugendberufshilfe, betriebliche Programme zur Gesundheitsförderung sowie auf Stressresistenz ausgerichtete Präventionskurse und Apps der Krankenkassen.

Red.

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