Viele Unternehmen wissen um die strategische Bedeutung von Künstlicher Intelligenz – doch im Alltag fehlt oft der Zugang. Constanze Zawadzky zeigt, wie ein Festival konkrete Aha-Momente für Jedermann schafft.

Viele Unternehmen wissen, dass KI wichtig ist, fühlen sich aber unsicher im Umgang damit. Wie setzt Ihr Festival genau dort an?
Constanze Zawadzky: Wir unterstützen Menschen dabei, in den Austausch zu kommen und ohne Berührungsängste Fragen zu stellen. Dafür sind über 50 Ausstellende vor Ort, die interaktive Anwendungsfälle zeigen, an denen man Künstliche Intelligenz erleben und verstehen kann. Ergänzend dazu gibt es zahlreiche Workshops, in denen Besucherinnen und Besucher den Umgang mit KI direkt erlernen – vom Schreiben von Prompts bis zur Erstellung von Texten und Bildern.
Ihr Konzept unterscheidet sich deutlich von klassischen Fachkonferenzen. Was ist der zentrale Ansatz?
Constanze Zawadzky: Unser Ansatz lässt sich in drei Worte fassen: Zugänglichkeit, Partizipation und Vielfalt. Klassische Formate schließen die breite Öffentlichkeit oft durch Fachjargon aus. Wir machen es umgekehrt: Unter der Leitfrage „Ready?!“ holen wir Menschen auf ihrem Kenntnisstand ab.
Wie setzen Sie das konkret um?
Constanze Zawadzky: Um Berührungsängste abzubauen, haben wir drei Lernniveaus eingeführt. Level 1 zeigt zum Beispiel, wo Künstliche Intelligenz im Alltag bereits stattfindet, während sich Level 2 und 3 an Menschen mit Vorkenntnissen richten. Dazu kommt ein interaktives Programm mit Workshops und Exponaten. Unser Grundgedanke dabei ist, dass Bildung vor allem durch Ausprobieren entsteht. Und dadurch bleibt erlerntes Wissen besser hängen.
Künstliche Intelligenz in Aktion erleben
Welche typischen „Aha-Momente“ erleben Besucherinnen und Besucher?
Constanze Zawadzky: Viele sind überrascht, wie breit KI bereits eingesetzt wird – auch dort, wo man es nicht sofort vermutet. Ein Beispiel ist eine Produktsuche per Handyfoto: Man fotografiert ein Bauteil, und das System findet es im Katalog. Wenn Menschen sehen, wie konkret ein Problem gelöst wird, entsteht oft genau dieser Aha-Moment.
Und was davon lässt sich unmittelbar in den Arbeitsalltag übertragen?
Constanze Zawadzky: Es gibt viele direkte Anknüpfungspunkte. Im Workshop „AI-Coding für Einsteiger“ zeigen wir, dass man auch ohne IT-Studium digitale Helfer entwickeln kann. Oder der Vortrag „Mein Zweites Gehirn“ von Steffi Kieffer: Dort geht es ganz praktisch darum, den Arbeitstag mit KI zu strukturieren, E-Mails zu filtern und den Kopf freier zu bekommen. Die Besuchenden wissen danach sehr konkret, was sie am nächsten Tag ausprobieren können.
Breiter Zugang als Schlüssel zur Transformation
Bleiben wir beim praktischen Nutzen: Was nimmt jemand aus dem Mittelstand nach einem Tag konkret mit?
Constanze Zawadzky: In der Regel neue Ideen und konkrete Werkzeuge. Es gibt viele Lösungen, die auch im Mittelstand sofort helfen – etwa im Service, beim Schreiben von Texten oder im operativen Betrieb. Die Besuchenden bekommen ein Gefühl dafür, welche Anwendungen sinnvoll sind und wo sie bereits produktiv eingesetzt werden.
Sie richten sich auch an Menschen ohne technischen Hintergrund. Wie niedrigschwellig sind die Angebote wirklich?
Constanze Zawadzky: Sehr niedrigschwellig. Wir haben Vorträge für alle Zielgruppen, darunter sogar eine Kinder-Keynote von Clarissa Correa da Silva. Gleichzeitig ermöglichen Workshops das direkte Ausprobieren. Ein Beispiel ist „KI als Bewerbungscoach“, das ganz konkrete Unterstützung bei der Jobsuche bietet. Dabei wird schnell klar: Man braucht keinen technischen Hintergrund, um bestehende KI-Tools sinnvoll zu nutzen.
Warum ist Ihnen dieser breite Zugang so wichtig?
Constanze Zawadzky: Weil KI keine reine Tech-Debatte bleiben darf. Sie verändert unser aller Leben. Wenn wir auf diese Transformation vorbereitet sein wollen, müssen wir eine breite Zivilgesellschaft handlungsfähig und sprachfähig machen.
Vom Bildungsstandort zum KI-Hotspot
Welche Rolle spielt dabei die Region?
Constanze Zawadzky: Der Raum Heilbronn ist sehr zukunftsorientiert. Mit dem Bildungscampus, dem Ipai und verschiedenen Hochschulen haben wir hier ein Umfeld, das in Deutschland besonders ist. Dazu kommt die Mischung aus innovativen Unternehmen und einer Bevölkerung, die sich aktiv mit Zukunftsthemen auseinandersetzt.
Inwiefern stärkt das Festival auch die internationale Wahrnehmung des Standorts?
Constanze Zawadzky: Durch das Ipai und den Bildungscampus hat die Region eine starke internationale Anziehungskraft. Hier entsteht ein europäischer Hotspot für KI. Das Festival transportiert neben Inhalten auch eine bestimmte Haltung: technologischen Fortschritt mit einem nahbaren, menschlichen Fokus zu verbinden. Genau diese Kombination macht den Standort für Talente interessant.
Interview von Teresa Zwirner
Zur Person
Constanze Zawadzky ist Head of AI Engagement der Ipai Foundation und verantwortet die strategische Ausrichtung des KI Festivals, das am 25. und 26. Juli 2026 in den IPAI SPACES im Zukunftspark Wohlgelegen in Heilbronn stattfindet.


