Auf Baustellen, in Planungsbüros und bei Projektentwicklern wächst das Bewusstsein, dass digitale Technologien kein Zukunftsthema mehr sind. Doch während viele Unternehmen bereits in neue Tools investieren, bleibt der Alltag oft überraschend analog – wie eine aktuelle globale Studie zeigt.

Rund 84 Prozent der Unternehmen planen laut der im Oktober 2025 erschienen Studie „AEC Technology Outlook 2026“, ihre Technologieausgaben im kommenden Jahr zu erhöhen – ein starkes Signal.
Doch nur 11 Prozent bezeichnen sich als vollständig digital, also über alle Projektphasen hinweg ohne Papier oder manuelle Prozesse. Die Mehrheit arbeitet weiterhin mit Tabellenkalkulationen, Papier und veralteten Werkzeugen – besonders auf der Baustelle und in der Übergabephase.
Digitalisierung ist kein Tool – sie ist ein Prozess
Größere Unternehmen sind dabei weiter: 56 Prozent der Firmen mit über 1.000 Mitarbeitenden sind in mindestens zwei Projektphasen vollständig digital, bei kleinen und mittleren Unternehmen sind es nur 35 Prozent. Besonders hoch ist der Einsatz digitaler Lösungen in der Entwurfsphase (nahezu 90 Prozent), doch je näher man der Baustelle kommt, desto analoger wird es. In der Übergabephase nutzen zwar 64 Prozent digitale Tools, doch meist in hybriden Prozessen – Papier bleibt präsent.
Das zeigt: Digitalisierung ist mehr als der Einsatz moderner Software. Sie verlangt ein tiefgreifendes Umdenken in Prozessen, Organisationsstrukturen und Qualifikationen. Integration ist dabei ein zentrales Thema – und zugleich eine der größten Hürden. 23 Prozent der Befragten nennen die Komplexität der Integration als größte Herausforderung, noch vor Kosten, Zeit oder fehlender Unterstützung durch Führungskräfte.
KI: Vom Experiment zur Effizienzmaschine
Die Diskussion rund um Künstliche Intelligenz hat sich gewandelt. Die Frage lautet nicht mehr „funktioniert sie?“, sondern „wo bringt sie den größten Mehrwert?“. Zwar nutzen derzeit nur 27 Prozent der Unternehmen KI aktiv, doch unter diesen Early Adopters sind die Ergebnisse deutlich: Mehr als 68 Prozent berichten von Einsparungen über 50.000 US-Dollar in aktuellen Projekten, 46 Prozent sparen 500 bis 1.000 Stunden durch automatisierte Abläufe in Planung, Terminierung und Dokumentenanalyse. „50.000 US-Dollar klingen beeindruckend, aber wenn Fehler vermieden werden, ist der Nutzen oft zehnmal höher“, sagt Parth Tikiwala, Head of Government Affairs bei Bluebeam.
Künstliche Intelligenz wird dabei vor allem in der Planung und Bauvorbereitung eingesetzt. Unternehmen nutzen sie, um Entscheidungen zu optimieren, Fehler frühzeitig zu erkennen und Arbeitsabläufe zu automatisieren. Besonders große Unternehmen setzen KI zunehmend auch zur Zeitplanung über mehrere Teams hinweg ein.
Doch trotz dieser Fortschritte bleiben viele Unternehmen vorsichtig. Die größten Bedenken betreffen weniger die Leistungsfähigkeit als die Kontrolle: Wer besitzt die Daten? Wie bleibt man compliance-gerecht, während sich Vorschriften weiterentwickeln? Wie stellt man sicher, dass KI nicht unverantwortlich eingesetzt wird? Die Branche sucht ethische, ergebnisorientierte KI-Tools, die sich nahtlos in die täglichen Arbeitsabläufe integrieren lassen und ihren Nutzen auch wirklich erbringen.
Digitale Tools als Antwort auf den Fachkräftemangel
Digitale Technologien werden zunehmend auch für das Personalmanagement genutzt. 56 Prozent der Unternehmen sehen laut der Studie in KI ein Mittel gegen den Fachkräftemangel, 44 Prozent betrachten moderne Tools als entscheidend für die Mitarbeiterbindung und -gewinnung. Mit dem Eintritt einer neuen Generation von Fachkräften wird digitale Reife zu einem entscheidenden Kriterium für attraktive Arbeitgeber.
Prozessoptimierung und Kollaboration im Fokus
Neben KI stehen auch andere digitale Werkzeuge im Fokus. Besonders gefragt sind Lösungen zur Projektkoordination, Dokumentation und Kommunikation. Cloud-basierte Plattformen, digitale Zwillinge und automatisierte Workflows gewinnen an Bedeutung. Sie ermöglichen nicht nur effizientere Abläufe, sondern auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Projektbeteiligten – vom Planer über den Bauleiter bis zum Facility Manager.
Doch auch hier gilt: Integration ist der Schlüssel. „Zu viele Unternehmen glauben, Integration bedeutet, noch ein weiteres Tool einzuführen. Echte Integration heißt, Arbeitsabläufe zu vereinfachen – nicht neue Silos zu schaffen“, sagt Jeff Sample, Senior Industry Development Manager bei Bluebeam.
Teresa Zwirner
Über die Studie
Die „AEC Technology Outlook 2026“-Studie von Bluebeam basiert auf einer globalen Umfrage unter mehr als 1.000 Fachleuten aus Architektur, Ingenieurwesen und Bauwesen. Sie beleuchtet aktuelle Trends, Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung in der Branche. Die Ergebnisse zeigen, wie fragmentiert der digitale Fortschritt ist – und wo die größten Hebel für Veränderung liegen.

