Veränderung in der Region aktiv mitgestalten

Bürgerinitiative macht sich für Bündnis stark: Entscheider aus der gesamten Region trafen sich in Öhringen, um über die Auswirkungen der Transformationsprozesse auf die Wirtschaft in Heilbronn-Franken zu sprechen. Foto: Dirk Täuber

Ein breites Bündnis für Transformation soll dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sowie Arbeitsplätze in der Region Heilbronn-Franken zu erhalten.

Es besteht dringender Handlungsbedarf. Davon ist die Bürgerinitiative pro Region Heilbronn-Franken e. V. angesichts der gravierenden Veränderungsprozesse in der Industrie überzeugt. Der Wandel zur Elektromobilität stelle die Automobilindustrie und die Zulieferbetriebe vor große Herausforderungen. Der Wandel durch Digitalisierung betreffe alle Branchen.

„Die Veränderung, die sich gerade in unserer Wirtschaft vollzieht, ist die umfassendste seit der Erfindung der Dampfmaschine. Und sie schreitet rasend schnell voran“, sagt Jochen K. Kübler, 1. Vorsitzender der Bürgerinitiative. Um dem Strukturwandel zu begegnen, regte pro Region bereits im vergangenen Jahr ein Bündnis für Transformation an. Das Ziel: Alle wichtigen Akteure in der Region Heilbronn-Franken zusammenbringen, um gemeinsam den Wandel zu gestalten, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken und die Arbeitsplätze zu sichern.

Mit einer Informationsveranstaltung am 27. Januar in der Sparkasse Hohenlohekreis in Öhringen beleuchtete die Bürgerinitiative, auf welche Veränderungen sich die Region einstellen müsse.

Saskia Drechsel von e-mobil BW machte deutlich, dass die angestrebten Klimaschutzziele nur durch den Umstieg auf Elektromobiliät erreicht werden könnten. Verändern werde sich nicht nur der Antriebsstrang, sondern die gesamte Wertschöpfung im Automotive-Sektor, das Mobilitätssystem, etwa durch Sharing-Dienste, und der Markt durch neue Anbieter. Dieser Wandel betreffe in Baden-Württemberg rund eine halbe Million Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt mit der Automobilindustrie verbunden sind.

Stefan Baron von der Agentur Q der Metall- und Elektroindustrie legte dar, dass durch die Elektromobiliät bis zu 40 000 Arbeitsplätze im Bereich Antriebsstrang entfallen könnten, im Gegenzug aber nur 7000 neu entstehen. Auch durch Digitalisierung seien bis zu 200 000 Arbeitsplätze bedroht, allerdings dürften diese in fast gleichem Maße in anderen Bereichen neu entstehen. Mitarbeiter sollten daher voraussschauend für neue Aufgaben im Unternehmen qualifiziert werden.

Stefan Schubert von der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim informierte über konkrete Unterstützungsangebote für die Weiterbildung von Beschäftigten. Das sei nicht nur im Kontext von Digitalisierung und Strukturwandel notwendig, sondern auch angesichts des demografischen Wandels, der den Mangel an Fachkräften verstärken werde.

Die Bürgerinitiative verstehe sich als „Impulsgeber“, sagte Rudolf Luz, stellvertretender Vorsitzender von pro Region, in seinem Schlusswort, denn es sei noch nicht in allen Betrieben angekommen, „vor welchen gewaltigen Veränderungen wir stehen.“ Mit dem Bündnis für Transformation, dessen Koordination Steffen Hertwig, Oberbürgermeister von Neckarsulm, übernimmt, wolle man sich gemeinsam den Zukunftsaufgaben stellen.

Dirk Täuber

Bündnis für Transformation:
Kleine und mittlere Unternehmen in der Region Heilbronn-Franken sollen durch ein „Bündnis für Transformation“ bei laufenden Veränderungsprozessen wie Digitalisierung und Elektromobilität unterstützt werden. Initiator des Projekts ist die Bürgerinitiative pro Region Heilbronn-Franken e. V., die Koordination übernimmt Steffen Hertwig, Oberbürgermeister von Neckarsulm. Unterstützer sind die Südwestmetall Bezirksgruppe Heilbronn/ Region Franken, die Agenturen für Arbeit Heilbronn sowie Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim, die IG Metall Geschäftsstellen Heilbronn-Neckarsulm, Schwäbisch Hall und Tauberbischofsheim sowie die Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn GmbH.