Zwischen Ehe und Todesstrafe

Seit Oktober vergangenen Jahres dürfen sich homosexuelle Paare in Deutschland offiziell das Ja-Wort geben. Foto: Shutterstock/Ivonne Wierink

Es war ein jahrzehntelanger Kampf und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode entschieden der deutsche Bundestag und der Bundesrat, dass ab dem 1. Oktober 2017 auch homosexuelle Paare heiraten dürfen. Damit ist Deutschland das 24. Land auf der Welt, in dem das möglich ist. In anderen droht dagegen die Todesstrafe.

Jeder, der schon mal geheiratet hat oder auch nur auf einer Hochzeitsmesse war, weiß, wie lange die Vorbereitungen für das große Fest dauern können. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum homosexuelle Paare jetzt nicht gleich reihenweise die Standesämter der Region stürmen.

Der Zuspruch könnte unterschiedlicher kaum sein. In Heilbronn, genauer gesagt im Ortsteil Biberach, gab es die erste Trauung im November, insgesamt gab es bis Mitte November drei Umwandlungen eingetragener Lebenspartnerschaften zur Ehe, zwei weitere sind bis zum Jahresende vorgesehen. In Crailsheim und Künzelsau gab es bis Mitte November weder eine Eheschließung noch eine Umwandlung. In Bad Mergentheim und Wertheim gab es eine Umwandlung, in Neckarsulm zwei, in Bad Rappenau schon fünf. In Wertheim sind bis Jahresfrist zwei Hochzeiten gleichgeschlechtlicher Partner angesetzt. In Schwäbisch Hall fanden bis Ende November drei Umwandlungen statt und die ersten Hochzeiten werden Anfang Dezember im Rahmen der „Candle-Light-Hochzeiten“ gefeiert.

Eingetragene Lebenspartnerschaften wurden in Deutschland im Februar 2001 gesetzlich zugelassen, im Juni dieses Jahres hatte der Bundestag schließlich beschlossen, die Ehe auch gleichgeschlechtlichen Paaren zu öffnen. Seit dem 1. Oktober dürfen lesbische und schwule Paare nun eine Ehe eingehen, die allen anderen rechtlich gleich ist. Das schließt auch das

Adoptionsrecht ein. Dänemark führte die eingetragene Lebenspartnerschaft bereits 1989 als erstes Land der Welt ein. Die Niederlande wiederum waren Vorreiter in Sachen Ehe für Homosexuelle, das entsprechende Gesetz, weltweit das erste seiner Art, trat am 1. April 2001 in Kraft. Seitdem hat sich der Großteil der westeuropäischen Länder dem angeschlossen. In Russland und der Ukraine dagegen werden die Rechte von LGBT (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) am geringsten anerkannt. Eine „Homo-Ehe“ gibt es dort nicht. Auch in Nord- und

Südamerika ist die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare verbreitet. In Taiwan dürfen Homosexuelle seit Mai 2016 heiraten. In mehr als 70 Ländern – überwiegend in Afrika und Asien – steht Homosexualität dagegen unter Strafe. In einer Handvoll Länder wie dem Sudan, Saudi-Arabien oder dem Jemen droht Homosexuellen sogar die Todesstrafe. Als erstes und bislang einziges Land auf dem schwarzen Kontinent führte Südafrika im November 2006 die Ehe für Homosexuelle mit Adoptionsrecht ein.

Stefanie Pfäffle