Mit 28 an die Unternehmensspitze: Laura Opferkuch über den Mut zur Nachfolge und die Zukunft des Mittelstands

Als Kind durfte Laura Opferkuch neue Schokoladensorten testen, heute führt sie die Geschäfte bei Hosta. Im Interview spricht die Geschäftsführerin über Mut zur Nachfolge, ihren Sprung ins kalte Wasser mit 28 Jahren und die Zukunft des Mittelstands in Heilbronn-Franken.

Unternehmensnachfolge im Mittelstand
Mit 28 Jahren übernahm Laura Opferkuch die Geschäftsführung von Hosta. Foto: HOSTA

Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn stehen bis 2030 rund 186.000 Unternehmen in Deutschland vor einer Nachfolgeentscheidung. Sie erleben das Thema aus eigener Erfahrung. Haben wir tatsächlich ein Nachfolgeproblem – oder fehlt der nächsten Generation manchmal einfach der Mut, Verantwortung zu übernehmen?

Laura Opferkuch: Ich glaube, die junge Generation denkt heute anders als früher. Früher wurde ein Familienunternehmen oft einfach übernommen. Heute hinterfragen junge Menschen viel stärker, ob das wirklich der richtige Weg für sie ist. Und das kann ich nachvollziehen. Ein Unternehmen zu übernehmen bedeutet schließlich eine enorme Verantwortung – gerade in wirtschaftlich und politisch unsicheren Zeiten.

Entscheidend ist deshalb, wie gut ein Unternehmen aufgestellt ist und ob die Nachfolger das Gefühl haben, etwas bewegen zu können. Genau hier sehe ich die Aufgabe der älteren Generation: Sie sollte nicht nur Verantwortung übergeben, sondern auch Zuversicht. Wer junge Menschen früh einbindet, ihnen Potenziale aufzeigt und sie an Entscheidungen heranführt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Schritt auch wirklich wagen.

Zwischen Sicherheit und Gestaltungsfreiheit

Sie selbst mussten die Geschäftsführung von Hosta sehr plötzlich übernehmen. Wie gut waren Sie darauf vorbereitet?

Laura Opferkuch: Eine klassische Vorbereitung gab es eigentlich nicht. Das Unternehmen war einfach immer Teil unseres Familienlebens. Dadurch bin ich ganz selbstverständlich hineingewachsen. Als Kind fand ich das vor allem deshalb spannend, weil es um Süßwaren ging. Eine meiner schönsten Erinnerungen ist, wie ich bei meinem Vater im Büro saß und der Leiter der Produktentwicklung mit einem Tablett voller neuer Süßigkeiten hereinkam.

Dann durften wir gemeinsam probieren und mein Vater fragte mich ganz ernst: „Wie findest du das?“ Dass meine Meinung als Kind gefragt war, fand ich großartig. Auch bei neuen Verpackungsdesigns legte er die Entwürfe auf seinen Schreibtisch und wir diskutierten gemeinsam, welches Design im Supermarkt am besten wirken würde. Solche Momente haben mich geprägt.

Trotzdem ist das etwas völlig anderes, als später selbst die Verantwortung für ein Unternehmen zu tragen. Die operativen Abläufe, die vielen Prozesse im Hintergrund oder die wirtschaftlichen Zusammenhänge lernt man dadurch nicht automatisch kennen. In dieser Hinsicht wurden Sie tatsächlich ins kalte Wasser geworfen. Hätte Ihnen eine intensivere Vorbereitung geholfen?

Laura Opferkuch: Natürlich ist es hilfreich, wenn man Abläufe kennt und ein Grundverständnis entwickelt. Gleichzeitig hat es auch Vorteile, nicht komplett vorgeprägt zu sein. Wer ins kalte Wasser springt, lernt oft schneller und entwickelt seinen eigenen Führungsstil.

Der ideale Weg liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen: genug Einblick, um Sicherheit zu gewinnen, aber gleichzeitig genügend Freiraum, um eigene Ideen umzusetzen. Eine Unternehmensnachfolge sollte schließlich keine Kopie der vorherigen Generation sein. Sonst bleibt alles beim Alten – und genau das wäre in unserer schnelllebigen Zeit der falsche Weg.

Vertrauen durch Authentizität

Sie waren erst 28 Jahre alt, als Sie plötzlich an der Unternehmensspitze standen. Wie schwierig war es für Sie, Ihren eigenen Weg zu finden?

Laura Opferkuch: Das war schon eine sehr große Herausforderung. Plötzlich stellt man sich ganz grundlegende Fragen: Wer bin ich als Führungskraft? Welche Entscheidungen treffe ich selbst und welche übernehme ich einfach, weil sie schon immer so getroffen wurden? Diese Phase war unglaublich intensiv. Sie macht einen auch ein Stück weit einsam, weil man sehr viel mit sich selbst ausmacht.

Gleichzeitig verändert sich das eigene Leben komplett. Mit 28 beschäftigen einen normalerweise andere Themen. Und kaum hatte ich die Geschäftsführung übernommen, begann auch noch die Corona-Pandemie. Mein Einstieg bestand also nicht nur darin, ein Unternehmen kennenzulernen, sondern gleichzeitig durch die erste große Krise zu führen.

Wie gewinnt man in so einer Situation das Vertrauen der Belegschaft?

Laura Opferkuch: Vor allem durch Ehrlichkeit. Ich habe nie versucht, so zu tun, als hätte ich auf alles sofort eine Antwort. Wenn ich etwas nicht wusste, habe ich genau das gesagt. Ich glaube, Menschen vertrauen einer Führungskraft eher, wenn sie authentisch ist und auch Unsicherheiten zugibt, anstatt Perfektion vorzuspielen.

Gerade am Anfang hatten viele Mitarbeitende Sorgen. Manche hatten sogar Angst, ich könnte das Unternehmen verkaufen. Deshalb war offene Kommunikation für mich der wichtigste Schlüssel. Vertrauen entsteht nicht durch große Worte, sondern dadurch, dass man ehrlich miteinander umgeht.

Unternehmenskultur als Erfolgsfaktor

Welche Veränderungen haben Sie seit der Übernahme angestoßen?

Laura Opferkuch: Wir haben vieles grundlegend verändert. Wir haben personell aufgebaut, ein modernes ERP-System eingeführt und unsere Arbeitsweise agiler gestaltet. Entscheidungen werden heute nicht mehr von einer einzelnen Person getroffen, sondern mit den Teams entwickelt. Besonders wichtig war mir auch die Unternehmenskultur. Früher war vieles hierarchisch geprägt. Wir haben relativ schnell auf das „Du“ umgestellt und einen offeneren Umgang miteinander geschaffen. Respekt ist wichtig, aber Respekt sollte nie aus Angst entstehen.

Viele Familienunternehmen stehen vor einem Generationswechsel. Welche Chancen sehen Sie für die Region?

Laura Opferkuch: Gerade im ländlichen Raum ist es nicht immer einfach, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen. Für bestimmte Bereiche mussten wir sogar ein Büro in Köln eröffnen, weil wir dort leichter Fachkräfte gefunden haben. Gleichzeitig merken wir heute, dass sich unsere Investitionen in Unternehmenskultur auszahlen. Immer mehr Menschen bewerben sich bewusst bei uns, obwohl es in der Region viele starke Wettbewerber gibt. Das zeigt, dass Unternehmenskultur längst zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden ist.

Welchen Rat würden Sie jungen Unternehmerinnen und Unternehmern geben, die vor einer Nachfolge stehen und sich fragen, ob sie dieser Aufgabe gewachsen sind?

Laura Opferkuch: Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass man sich jemals wirklich bereit fühlt. Das ist beim Heiraten so, beim Kinderkriegen und genauso bei einer Unternehmensnachfolge. Man wartet auf den perfekten Zeitpunkt – aber den gibt es meistens nicht. Deshalb würde ich sagen: Trauen Sie sich. Man wächst mit seinen Aufgaben. Natürlich macht man Fehler. Aber genau daraus entsteht Entwicklung. Wer den Mut hat, Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig offen bleibt, Neues zu lernen, kann ein Familienunternehmen erfolgreich in die nächste Generation führen.

Interview von Teresa Zwirner


Zur Person

Laura Opferkuch ist CEO der Hosta-Gruppe und führt den Süßwarenhersteller in dritter Generation. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters übernahm sie 2019 die Verantwortung für das Familienunternehmen.


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