Beim Innovations-Hackathon „Talent trifft Wirtschaft“ arbeiten Studierende ein Semester lang an realen Problemen regionaler Handwerksbetriebe. Das Ergebnis: praxisnahe Lösungen, neue Perspektiven – und frühe Kontakte zwischen Firmen und künftigen Fachkräften.

Fachkräftemangel, steigende Kosten, digitale Baustellen – viele Handwerksbetriebe in Heilbronn-Franken stehen unter Druck. Gleichzeitig sitzen an der Hochschule Heilbronn junge Talente, die genau diese Probleme lösen wollen. Mit dem neuen Innovations-Hackathon „Talent trifft Wirtschaft“ bringt die Wirtschaftsregion Heilbronn Franken GmbH (WHF) diese beiden Welten systematisch zusammen.
In dem Pilotprojekt arbeiten Studierende des Masterstudiengangs Unternehmensführung von März bis Juni 2026 in Teams an realen Herausforderungen regionaler Handwerksbetriebe. „Wir haben das Pilotprojekt entwickelt, um die regionale Wirtschaft, insbesondere das Handwerk, gezielt zu unterstützen und mit Fachkräften zusammenzubringen“, erklärt Bernhard Feßler, Geschäftsführer der WHF.
Ausgangspunkt war eine klare Beobachtung: „Viele Betriebe brauchen Unterstützung bei Innovations-und Zukunftsthemen, haben aber selten direkten Zugang zu passenden Ressourcen.“
So vielfältig wie das Handwerk selbst
Dass das Projekt als dynamisches Semesterformat angelegt ist, ist kein Zufall. „Wir haben uns bewusst für ein Hackathon-ähnliches Format entschieden“, erläutert Eleftheria Dimou, Projektmanagerin Regionale Innovationssysteme bei der WHF. „Es bringt Dynamik, Kreativität und praxisnahe Lösungen zusammen – und bleibt durch die Einbindung ins Studium strukturiert und nachhaltig.“
Die Beteiligung der Unternehmen zeigt, dass der gewählte Ansatz den Bedarf in der Praxis genau trifft. Erwartet wurden Herausforderungen für etwa sechs Studierendenteams – dieses Ziel wurde erreicht. Die eingereichten Themen sind so vielfältig wie das Handwerk selbst: Sie reichen von Nachwuchsgewinnung und Arbeitgeberattraktivität über digitale Controlling-Lösungen bis hin zu Marketingstrategien gegen saisonale Schwankungen.
„Betriebe suchen gezielt Strategien, um die Generation Z anzusprechen – mit Social Media, strukturiertem Onboarding und klarer Arbeitgebermarke“, beschreibt Dimou. Andere möchten vorhandene Daten aus Kassen oder Warenwirtschaftssystemen endlich sinnvoll nutzen – etwa über einfache Dashboards oder Low-Code-Lösungen. Auch interne Kommunikation zwischen Werkstatt, Verwaltung und Filialen steht häufig auf der Agenda.
Überraschende Perspektiven aus dem Handwerk
Besonders spannend sind die Einreichungen, die zeigen, wie vielseitig modern geführtes Handwerk heutzutage ist. Ein Betrieb plant einen nachhaltigen Neubau, um die wachsende Exportnachfrage zu bedienen – inklusive Fokus auf Ökologie und Innovation. Ein anderer denkt strategisch weiter: Ein Lebensmittelhandwerksbetrieb möchte sein Sortiment um ein eigenes Einzelhandelskonzept erweitern – mit neuer Marke, Online-Vertrieb und ergänzenden Produkten.
Für die Studierenden ist das Projekt mehr als eine Übung. „Der frühzeitige Kontakt zu realen Unternehmen ist ein zentraler Erfolgsfaktor“, betont Dimou. „Studierende lernen sofort, wie Mittelstand und Handwerk wirklich funktionieren – und Unternehmen bekommen früh Zugang zu potenziellen Talenten.“
Dass genau solche Ansätze gebraucht werden, zeigt der Blick auf die Region: Rund 3000 Fachkräfte fehlen aktuell im Handwerk, während die Zahl der Ausbildungsverträge deutlich sinkt. Projekte wie „Talent trifft Wirtschaft“ setzen daher frühzeitig an, indem sie gemeinsames Arbeiten an Zukunftsfragen ermöglichen.
Die Pilotphase ist daher erst der Anfang. „Eine Weiterführung ist definitiv geplant“, sagt Dimou. Denkbar sind weitere Hochschulen, zusätzliche Branchen und neue Innovationsformate. Das Ziel bleibt klar: die regionale Wirtschaftsstruktur zu stärken – mit Ideen, die aus praktischer Zusammenarbeit entstehen und neue Perspektiven jenseits klassischer Lehrbuchansätze eröffnen.
Teresa Zwirner


