Die aktuelle Bundesgesundheitsministerin heißt Nina Warken und kommt aus Tauberbischofsheim. Im PROMAGAZIN sagt sie, was die Menschen in ihrer Heimat erwarten dürfen und warum Bundeskanzler Friedrich Merz ihr Amt als das schwierigste bezeichnet.

Frau Warken, für viele, einschließlich der Menschen in Ihrer Heimat, dem Main-Tauber-Kreis, kam Ihre Nominierung zur neuen Gesundheitsministerin überraschend – zumal Sie bislang mit innenpolitischen Fragen und als Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Bundestagsfraktion mit Organisation und Strukturierung befasst waren. Wie überrascht waren Sie selbst über die Nominierung?
Nina Warken: Ein Ministeramt zu übernehmen, ist nie eine Selbstverständlichkeit. Die Nominierung habe ich als Vertrauensbeweis und Bestätigung meiner Arbeit empfunden. Ich gehe diese Aufgabe mit großer Demut an. Unsere Entscheidungen haben unmittelbar Einfluss auf das Leben der Menschen. Das ist mir sehr bewusst.
Sie selbst bezeichnen sich als „tief verwurzelt in der Heimat“ – und wissen um die Herausforderungen, vor denen Ihr Wahlkreis, aber auch viele andere Regionen Deutschlands stehen. Sei es der Fortbestand des Bürgerspitals in Wertheim, sei es die Notfallversorgung, sei es das flächendeckende Netz von Apotheken. Was dürfen die Bürger im Main-Tauber-Kreis erwarten, wenn Sie mit am Kabinettstisch sitzen?
Warken: Sie können erwarten, dass ich ihre Probleme sehr wohl kenne und versuche zu lösen. Gute Gesundheitsversorgung zeigt sich nicht nur in einer Hauptstadt, sondern auch und gerade auf dem Land. Mein Anspruch ist eine flächendeckend gute Versorgung für ganz Deutschland. Und die erreicht dann auch den Main-Tauber-Kreis.
Aus Ihrer Heimat kommen viele lobende Stimmen – von den Landräten Christoph Schauder und Achim Brötel, von CDU-Landeschef Manuel Hagel. Nahbar, fleißig, gescheit, pragmatisch – so bezeichnen Parteifreunde und Vertraute Sie nach Medienberichten. Hilfreich, wenn man sich in kurzer Zeit in ein neues Aufgabenfeld einarbeiten muss. Welche Herausforderung in Ihrem neuen Amt ist für Sie die spannendste?
Warken: Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei meiner Ernennung mein Amt als eine der schwierigsten Aufgaben der Republik bezeichnet. Diese Aufgabe zu lösen, ist die Herausforderung. Wir als Gesellschaft werden immer älter, brauchen also immer mehr Behandlung. Das heißt aber auch: Wir werden immer weniger, die berufstätig sind. Gleichzeitig macht die Medizin immer mehr möglich – sie wird immer teurer. Und trotzdem müssen wir die Kosten im Griff behalten. Das hört sich nach der Quadratur des Kreises an. Und das ist es auch. Wenn das nicht spannend ist …
Und welche Ihrer Aufgaben in der Vergangenheit könnten Ihnen möglicherweise am meisten im neuen Amt helfen? Ihre langjährige politische Karriere, Ihre Arbeit als Rechtsanwältin oder Ihr Engagement beim THW, wo Sie acht Jahre lang Präsidentin der Landesvereinigung Baden-Württemberg waren? Oder der Rückhalt, den Sie in Ihrer Heimat haben?
Warken: Im Ministeramt helfen alle beruflichen Erfahrungen, die ich bislang gemacht habe. Sie haben sie aufgezählt. Das Gesundheitsministerium macht viele Gesetze – da hilft mein juristischer Hintergrund. Und als Ministerin sind Sie auch Managerin, da hilft die Erfahrung als Generalsekretärin der CDU in Baden-Württemberg oder zuletzt als Parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion im Bundestag. Aber ohne einen starken Rückhalt von Familie und Freunden kann man so einen Job wie diesen nicht machen. Und ohne, dass man regelmäßig Berlin mit ein wenig Distanz betrachtet, geht es auch nicht.
Interview von Natalie Kotowski

Zur Person
Rechtsanwältin Nina Warken aus Tauberbischofsheim ist Bundesministerin für Gesundheit. Zuvor war sie Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.


