Eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belegt: Ausländische Unternehmen investieren so stark in Deutschland wie seit Jahren nicht mehr. In einem unsicheren globalen Umfeld erscheint Deutschland ihnen als verlässlichere Adresse als die USA.

In diesem Jahr haben ausländische Investoren so viel in Deutschland investiert wie lange nicht mehr. Dies belegt eine Auswertung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis von Bundesbankdaten.
Zwischen Januar und Juli 2025 flossen 334 Milliarden Euro an Kapital nach Deutschland, so das Institut in einer Mitteilung. Damit liegt das Volumen bei mehr als dem Zweieinhalbfachen des Zehnjahresdurchschnitts von 126 Milliarden Euro und markiert den zweithöchsten Wert seit 2014.
Deutschland wird bei internationalen Investoren beliebter
Die aktuellen Werte lassen sich als Frühindikator für eine Aufhellung der Wirtschaftsstimmung und eine mögliche Erholung interpretieren. Zugleich ist denkbar, dass der Kapitalzufluss auch dem Mangel an attraktiven Alternativen geschuldet ist.
In China nehmen politische und wirtschaftliche Unsicherheiten zu, in den USA herrscht politische Volatilität, Frankreich kämpft mit fiskalischen Risiken, und das Vereinigte Königreich verzeichnet eine anhaltend hohe Inflation sowie Staatsdefizite. Vor diesem Hintergrund wirkt Deutschland trotz konjunktureller Stagnation als vergleichsweise stabiler Investitionsstandort.
Angesichts der globalen Unsicherheit gewinnen die klassischen Standortqualitäten Deutschlands an Gewicht. Die ausgeprägte Rechtssicherheit gehört dazu ebenso wie die politische und ökonomische Stabilität des Landes. Trotz erkennbarer Schwächen verfügt Deutschland weiterhin über substanzielle Stärken: ein leistungsfähiges Innovationsökosystem, das Forschung, Unternehmen und Start-ups vernetzt, hervorragend qualifizierte Fachkräfte und eine zentrale Lage in Europa.
Gleichwohl sind die Zahlen mit Vorsicht zu bewerten: Direktinvestitionen unterliegen starken Schwankungen und werden meist langfristig geplant. Zudem bleibt der Standort für viele Investoren kostenintensiv – die Lohnstückkosten zählen hierzulande zu den höchsten unter den Industrieländern. Damit der positive Trend anhält, muss die Bundesregierung im angekündigten „Herbst der Reformen“ vor allem die Unternehmenskosten senken: Eine konsequente Absenkung der Energiekosten sowie ein wirksamer Bürokratieabbau, etwa bei den deutschen und europäischen Lieferkettenberichtspflichten, könnten dabei unterstützen. Zur Entlastung der Arbeitskosten führt darüber hinaus kein Weg an einer Reform des Sozialstaats vorbei.
Red.


