Trotz Reformbedarf auf Bundesebene: Familienunternehmen behaupten sich als Hoffnungsträger

Deutschland fällt im OECD-Vergleich zurück: Der aktuelle Länderindex Familienunternehmen offenbart deutlichen Reformbedarf auf Bundesebene – doch Heilbronn-Franken zeigt, wie es besser geht.

Familienunternehmen als Hoffnungsträger
Im eigenen Trainingszentrum lernen Auszubildende beim Familienunternehmen Leonhard Weiss praxisbezogen. Foto: Leonhard Weiss

Es ist erst einmal eine gute Nachricht, wenn sich Unternehmensvertreter mit dem Bundeskanzler und dem Finanzminister treffen, um ein Zeichen für mehr Investitionen in Deutschland zu setzen. Doch noch ist die Stimmung bei einem Großteil der Familienunternehmen eine andere. Personalabbau, Marktanteilsverluste und Investitionsverlagerungen: Die Nachrichten, die wir aus den Familienunternehmen bekommen, decken sich mit den Standortnoten unseres Länderindex.

Seit 2006 lassen wir die ökonomischen Rahmenbedingungen für Familienunternehmen in 21 OECD-Ländern vom Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW in Mannheim vergleichend untersuchen. In den Anfangsjahren konnte Deutschland mit guten Platzierungen überzeugen – ein Zeichen für die Wirksamkeit früherer Reformen wie der Agenda 2010.

Als Deutschland vor zwei Jahren nur noch Platz 18 erreichte, war die Sorge groß. Unser damaliger Appell: Die aktuelle Krise sollte als Chance zu Reformen genutzt werden.  Inzwischen sind erste politische Schritte erkennbar, die auf eine Trendwende hindeuten – auch wenn die dringend benötigten Strukturreformen bislang noch ausstehen.

Nur umfassende Reformen können den Wohlstand sichern

Doch etwas macht jetzt Hoffnung: Die neuen Musterschüler in der Rangliste sind nicht mehr die USA und Kanada, sondern neu auf Platz 1 und 2 Dänemark und Schweden. Das zeigt: Es ist möglich, hochattraktive Standortbedingungen zu erschaffen – sogar innerhalb der Europäischen Union mit ihren sozial erfreulich ausgewogenen Gesellschaftsmodellen. Breite Akzeptanz findet dort auch die Klimapolitik, die viel marktorientierter agiert. Sie schafft bei den Familienunternehmen Vertrauen und setzt die richtigen Anreize.

Für Deutschland und weitere große EU-Länder stellen die Forscher des ZEW Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung fest: Ohne umfassende Reformen sei das bisherige Wohlstandsniveau nicht zu halten. Nötig seien eine spürbare Senkung der effektiven Steuerbelastung und eine durchgreifende Verbesserung der Investitions- und Innovationsanreize. Das funktioniert weniger über kurzfristige Maßnahmen als über langfristig gute Rahmenbedingungen. Die Politik hat in Teilen verstanden, dass der Abwärtstrend unseres Standorts nur mit mehr Schulden und Subventionen nicht zu stoppen ist. Es bedarf keines Kleinklein, sondern eines grundsätzlichen Reformansatzes – vor allem im Bereich der Bürokratie. Sonst suchen die Unternehmen ihr Heil anderswo.

Regionale Stärke durch Zusammenarbeit

Das gilt auch für die Region Heilbronn-Franken mit ihrer Vielzahl an gut geführten Familienunternehmen aus verschiedensten Branchen – mit Exportanteilen von oft über 50 Prozent. Viele versuchen eine Gratwanderung zwischen Investitionen am Standort oder doch in den USA oder Asien. Viele, etwa die Schwarz-Unternehmensgruppe mit ihren hohen Investitionen in Forschung und Bildung, bekennen sich aber auch klar zu Deutschland und dem Standort Neckarsulm.

Immer öfter sieht man dabei, dass die Familienunternehmen sich zu Netzwerken zusammenschließen und den Schulterschluss mit der Wissenschaft suchen. Da ist gerade die Region Heilbronn-Franken vorbildlich. Man sieht: Die Unternehmen haben es auch ein Stück selbst in der Hand, den widrigen Standortbedingungen etwas entgegenzusetzen.

Rainer Kirchdörfer

Foto: Stiftung Familienunternehmen

Zur Person

Prof. Rainer Kirchdörfer ist seit 2012 Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, der Stiftung Familienunternehmen und Politik sowie Seniorpartner der Sozietät Hennerkes, Kirchdörfer & Lorz in Stuttgart.


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