Karriere bedeutet nicht immer den geradlinigen Aufstieg. Philipp Geitner tauschte eine Senior-Position im Großkonzern gegen eine mehrjährige Weltreise. Im Interview spricht er über den Mut zum Neuanfang, prägende Irrtümer, die Kraft der Intuition und darüber, warum Erfolg für ihn heute weit mehr bedeutet als eine steile Karriere.

Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am stärksten geprägt – und was hat diese Entscheidung ausgelöst?
Philipp Geitner: Meine Senior-Position in einem Großkonzern zu kündigen und mehrere Jahre mit dem Rucksack die Welt zu bereisen. Während dieser Zeit habe ich über 60 Länder bereist und dabei unzählige Erfahrungen gesammelt, die meinen Blick auf Menschen, Kulturen und das Leben nachhaltig verändert haben.
Ausgelöst wurde diese Entscheidung durch die Frage: „War das jetzt alles? Möchte ich die nächsten 40 Jahre in diesem Arbeitsumfeld verbringen?“ Mir wurde bewusst, dass ich meine Komfortzone verlassen musste, um mich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Dieser Schritt fiel mir alles andere als leicht, war rückblickend jedoch eine der wichtigsten und besten Entscheidungen meines Lebens.
Was war Ihr größter beruflicher Irrtum und was haben Sie daraus gemacht?
Philipp Geitner: Die Annahme, dass ich mich in meinem ersten Job nur genug anstrengen müsste, damit die Tätigkeit irgendwann zu mir passt. Rückblickend habe ich erkannt, dass nicht mangelnder Einsatz das Problem war, sondern dass die Aufgabe und ich einfach nicht zueinander gepasst haben.
Als junger Berufseinsteiger versucht man oft, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, und ist dabei häufig ungeduldig. Meine damalige Führungskraft hat mir geraten, in einen anderen Bereich zu wechseln. Das hat zunächst Frust und Unsicherheit ausgelöst, weil ich es als Rückschritt empfunden habe. Heute bin ich für diesen Rat sehr dankbar, denn er hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, den eigenen Stärken zu folgen und offen für neue Wege zu sein.
Was treibt Sie im Job mehr an: das Ergebnis oder der Weg dorthin?
Philipp Geitner: Mich treibt vor allem der Weg dorthin an. Klare Ziele sind wichtig und geben Orientierung. Gleichzeitig habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Ziele – gerade in einem dynamischen und volatilen Umfeld – häufig verändern. Deshalb sind Anpassungsfähigkeit, kontinuierliches Lernen und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, für mich entscheidender als das starre Festhalten an einem einmal definierten Ziel. Oft entsteht der größte Mehrwert genau während des Weges.
Erfahrung oder Intuition: Was spielt die größere Rolle bei Ihren Entscheidungen?
Philipp Geitner: Ich verlasse mich lieber auf Intuition und mein Bauchgefühl, um schnell Entscheidungen zu treffen, auch wenn sich im Nachgang herausstellt, dass sie nicht die richtige war. Es ist wichtiger ins Handeln zu kommen und bei Bedarf nachzusteuern.
Dieses Gespür entwickelt man jedoch nicht von heute auf morgen. Erfahrung schärf die Intuition und hilft dabei, mit der Zeit bessere Entscheidungen zu treffen.
Wie viel Struktur braucht Ihr Arbeitsalltag? Und wie viel Freiräume?
Philipp Geitner: Für repetitive Aufgaben brauche ich eine klare Struktur und Routinen, um Dinge produktiv abarbeiten zu können. Für strategische Entscheidungen und Reflexion setze ich mir morgens bzw. abends gezielt Blöcke mit konkreten Zielen, um ohne ständige Unterbrechungen arbeiten zu können. Diese Kombination funktioniert für mich persönlich am besten.
Was bedeutet Erfolg für Sie heute?
Philipp Geitner: Erfolg bedeutet für mich heute in einem Umfeld zu arbeiten, das mich jeden Tag bereichert, und an Projekten mitzuwirken, die mich persönlich erfüllen und langfristig weiterentwickeln.
Zur Person
Philipp Geitner ist Co-Founder von „TravRec“. Das Start-up entwickelt eine Reise-App, die es den Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, ihre Lieblingsplätze und Geheimtipps mit ihrer Community zu teilen.


