Der neu gegründete Verein „Gartenwelten Franken. Tauber. Hohenlohe e.V.“ will Gärten, Parks und privaten Anlagen eine Vermarktungsebene bieten. Diese grünen Oasen könnten zum Erfolgsfaktor für Tourismus und Unternehmen werden und die Lebensqualität und Attraktivität steigern.

Wie zarte Origami-Faltsterne aus weißem Papier sehen die Blüten der japanischen Kobushi-Magnolie aus. Bad Mergentheims Oberbürgermeister Udo Glatthaar kann den Moment vermutlich kaum erwarten, wenn sich die Knospen der zwei frisch gepflanzten Ziergehölze zum ersten Mal öffnen werden.
Die Magnolien und vierzehn weitere Bäume verschönern seit Kurzem den neu gestalteten Gänsmarkt der Kurstadt, die in diesem Jahr ihr Jubiläum „50 Jahre Große Kreisstadt Bad Mergentheim“ feiert. Frisches Grün, dazu der restaurierte Brunnen und Ruhebänke: Das „Geburtstagskind“ hat nach Glatthaars Ansicht dank dieses Auftaktprojekts zur Landesgartenschau 2034 „eine ganz andere Aufenthaltsqualität gewonnen“. Anfang Mai weihte ihn der Oberbürgermeister gemeinsam mit Landesministerin Nicole Razavi (CDU) ein. Er hofft auf die Signalwirkung des Projekts: „Wir zeigen damit, dass durch sorgfältige Integration von Grünanlagen ansprechende städtische Plätze entstehen können“.
„Gartenwelten Franken-Tauber-Hohenlohe“: Das sind die Ziele des Vereins
Denn nach Glatthaars Ansicht genügt bereits ein wenig Grün, um Menschen zufriedener und lebensfroher zu stimmen. „Ich bin immer erstaunt, wie viel schon eine Kletterpflanze an einer Altstadt-Hauswand hermacht“, sagt er. Umso mehr freut er sich, dass es in der Region so viele Parks und Gartenanlagen gibt. Für ihn sind sie mehr als nur beliebte Ausflugsziele. Er ist überzeugt: „Sich im Grünen aufzuhalten, ist ein starker Gesundheitsfaktor in der Zukunft.“
Man könne davon ausgehen, dass sich das Klima weiter zu Extremen hin entwickele, dass Kälte und Hitze stärker zunähmen und es heftige Wetterumschwünge geben werde. Nicht jeder Mensch habe das Privileg, selbst einen Garten zu besitzen. „Dabei braucht jeder von uns regelmäßig einen Aufenthaltsort im Grünen, um resilient zu bleiben“, bringt es Glatthaar auf den Punkt: „Gärten sind gut für die Menschen – das ist es, was wir weitertragen wollen.“
Wen der Oberbürgermeister der Kurstadt im Main-Tauber-Kreis mit dem kleinen Pronomen „wir“ meint? Das Vorstands-Team und die derzeit 15 Mitglieder im neu gegründeten Verein „Gartenwelten Franken-Tauber-Hohenlohe“. Er selbst steht an der Spitze, zweiter Vorsitzender ist seit der konstituierenden Sitzung Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg. Dörzbachs Bürgermeister Andy Kümmerle steht als Schatzmeister im Vereinsregister. Das Trio wird verstärkt von Michael Schneider, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Main-Tauber, Friedlinde Gurr-Hirsch, der Vorsitzenden von Pro Region und Monika Menth, der Leiterin der Schlossverwaltung Weikersheim. „Mit dieser Zusammensetzung wollen wir sicherstellen, dass sich alle potenziellen künftigen Mitglieder in unserem Verein mit ihren Inhalten wiederfinden“, sagt er.
Vom Garteneigentümer bis zum Burgherrn: Die „Gartenwelten“ sind ein Forum für alle
Das Interesse am neu gegründeten Netzwerk bewegt sich nach seinen Worten schon jetzt deutlich im grünen Bereich: Gartenbesitzer und Interessengruppen, die den touristischen, ökologischen und gesundheitlichen Mehrwert von regionaler Flora und Fauna erkannt haben, gibt es zwischen Kocher, Jagst, Neckar, Tauber und Main durchaus: Zusätzlich zu den 15 bestehenden Mitgliedschaften stehen 30 weitere Anwärter auf der Liste des Vorsitzenden. Einige sind langjährige Bekannte. Denn der neue Verein fängt nicht bei Null an: Die „Gartenwelten“ gingen aus dem „Gartennetzwerk Hohenlohe“ hervor, das zuvor im Landratsamt des Hohenlohekreises verortet war.
Lange Zeit war dort Andreas Dürr verantwortlich, der sich engagiert für Erhalt, Pflege und die touristische Vermarktung der grünen Oasen einsetzte. Als Dürr im vergangenen Jahr in den Ruhestand ging, stand für die Verantwortlichen in den Landkreisen und den Tourismusgemeinschaften laut Glatthaar schnell fest, dass das Netzwerk fortbestehen müsse. Da aber der Landkreis Hohenlohe diese Aufgabe gern auf mehrere Schultern verteilen wollte, sei die Idee zu einer neuen Plattform entstanden, in die alle Landkreise des Hohenloher Landes, aber auch der angrenzenden Regionen entlang der Tauber bis hinüber nach Bayern eingebunden sind.
Kommunen, Tourismusgemeinschaften und öffentliche Grünanlagenbetreiber, aber auch private Garteneigentümer vom Burgherren bis zu Besitzern sehenswerter Klein- oder Nutzgärten – künftig wollen die „Gartenwelten“ allen ein Forum bieten: „Der Bogen spannt sich vom Ausprobieren und Anbauen spezieller Nutzpflanzen für die Nahrungsmittelindustrie und Spielwiesen für Biodiversität bis zum Thema nachhaltiger Energieversorgung“, sagt der Vorsitzende. Seine Mitstreiterin Gurr-Hirsch ergänzt: „Unser Ziel ist außerdem, möglichst viele Mitglieder für das Gütesiegel ‚Natur im Garten‘ zu interessieren, um den Gartenbesitzern zu zeigen, dass sie beim Anbau von auf Torf und Chemie verzichten, biologisch düngen und die Artenvielfalt stärken können“, sagt sie.
Jenseits von Gärten und Parks: Auch Friedhöfe und Unternehmen angesprochen
Dabei ist sei unerheblich, ob Mitglieder ihre Parks und Gärten nur zu bestimmten Terminen oder ganzjährig öffnen, ob sie Zusatzangebote wie Führungen anbieten oder Besucher einfach nur zum Hindurchschlendern animieren wollen: „Wir wollen generell das Bewusstsein dafür stärken, wie wichtig diese kleinen oder großen grünen Oasen sind“, sagt der „Gartenwelten“-Vorsitzende.
Deshalb sollen nach seinem Wunsch auch Friedhöfe im Verein vertreten sein. Als Orte der Stille und Kontemplation, an denen Menschen eine Form des Abschieds zelebrieren können, erfüllen sie aus seiner Sicht eine wichtige gesellschaftliche Funktion: „Friedhöfe gehören genauso dazu, wenn man von Kulturlandschaften spricht, die von Menschen besonders gepflegt werden.“
Ebenso zeigten Unternehmen Interesse, „die oft rund um ihre Produktions- und Dienstleistungsgebäude große Außenanlagen haben. Auch da ist viel Potenzial vorhanden, diese Anlagen weiterzuentwickeln“, sagt der Vorsitzende. Ob letzte Ruhestätten, Oasen für Berufstätige, Rundwanderwege, Naturlehrpfade oder prächtige barocke Anlagen – all diese Angebote in der Region brauchen aus Glatthaars Sicht eine gemeinsame Vermarktungsebene. Angedacht sei daher eine engere Vernetzung mit anderen bestehenden Clustern und Institutionen, die außer Kultur- auch die Naturdenkmäler bewahren.
Ein ganzes „Gartenwelten“-Netzwerk soll entstehen
Ideen für Kooperationen, etwa mit der zweitgrößten Dachorganisation Baden-Württembergs, dem Tourismusverband Tourimia, sprießen laut Gurr-Hirsch bereits. „Es werden neue Strukturen geschaffen, die größer sind als die bisherigen, um diese Themen für die gesamte Region besser vorantreiben zu können“, sagt Glatthaar.
Der Vorsitzende hofft, dass es den grünen Oasen in Heilbronn-Franken mithilfe des „Gartenwelten“-Netzwerks so geht wie den frisch gepflanzten Magnolien auf Bad Mergentheims Gänsplatz: dass ihre Schönheit für jeden sichtbar wird. „Und dass wir es trotz der widrigen Zeiten schaffen, dieses zarte Pflänzlein regionaler Kulturlandschaft zum Wachsen zu bringen“.
Natalie Kotowski


