KI verändert den Berufseinstieg: Chancen und Herausforderungen für Nachwuchskräfte

Künstliche Intelligenz verändert zunehmend den Berufseinstieg. Einerseits ermöglicht sie Nachwuchskräften den schnelleren Zugang zu anspruchsvolleren Aufgaben, andererseits übernimmt sie klassische Routinetätigkeiten, die bislang wichtige Praxiserfahrungen vermittelten. Eine Studie der IU Internationalen Hochschule zeigt zudem: KI-Kompetenzen werden künftig als Grundvoraussetzung für Berufseinsteiger angesehen.

KI Berufseinstieg
KI gewinnt im Arbeitsalltag an Bedeutung und verändert die Anforderungen an Berufseinsteiger. Besonders Kompetenzen wie Prompting und die kritische Bewertung von KI-Ergebnissen werden künftig wichtiger. Foto: Adobe Stock/Metro Hopper

Künstliche Intelligenz beeinflusst nicht nur bestehende Tätigkeitsprofile, sondern wirkt sich zunehmend auch auf den Berufseinstieg aus. Die Technologie eröffnet einerseits neue Möglichkeiten für einen schnelleren Einstieg in den Arbeitsmarkt, verändert andererseits jedoch klassische Aufgaben, die bislang typischerweise Berufseinsteigern vorbehalten waren.

Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative Studie „KI in der Arbeitswelt: Wie gelingt der Change?“ der IU Internationalen Hochschule. Dies berichtet die Hochschule in einer Mitteilung.

KI eröffnet neue Chancen, ersetzt aber auch Einstiegsaufgaben

Vor allem Führungskräfte betrachten KI als Chance für einen schnelleren Einstieg in anspruchsvollere Tätigkeiten:

  • 39,5 Prozent der befragten Arbeitnehmenden sind eher oder voll und ganz der Ansicht, dass „KI Berufsanfänger:innen die Chance eröffnet, schneller anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen“.
  • Mit 47,9 Prozent teilen Führungskräfte diese Einschätzung häufiger als Arbeitnehmende ohne Führungsverantwortung (39,1 Prozent).

Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch auch eine Kehrseite:

  • 41,3 Prozent der Arbeitnehmenden stimmen eher oder voll und ganz der Aussage zu, dass „KI Aufgaben übernimmt, die früher typischerweise von Berufsanfänger:innen erledigt wurden.“
  • Unter Führungskräften teilt knapp die Hälfte (47,9 Prozent) diese Einschätzung, während der Anteil bei Arbeitnehmenden ohne Führungsverantwortung bei 39,1 Prozent liegt.

Der Wandel klassischer Einstiegswege durch KI

„Es ist paradox. KI kann den Berufseinstieg sowohl beschleunigen als auch erschweren“, erklärt Prof. Dr. Anne Gfrerer, Professorin für Wirtschaftsinformatik an der IU Internationalen Hochschule und wissenschaftliche Expertin der Studie.

„Einerseits hilft sie jungen Arbeitnehmenden dabei, schneller anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen. Andererseits fallen durch KI ausgerechnet jene Routinetätigkeiten weg, durch die viele ihre anfängliche Berufspraxis erworben haben, wie beispielsweise Recherchen oder Präsentationen im Rahmen von Beratungsmandaten.“

Gferer ergänzt: „Umso wichtiger ist es deshalb, Berufseinsteiger:innen nicht aus den Augen zu verlieren. Sie brauchen die Chance, praktische Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig KI-Kompetenzen aufzubauen. Das ist auch eine Investition in den Fachkräftenachwuchs von morgen“

Prompting und kritische KI-Bewertung gewinnen an Relevanz

Bei den KI-Kompetenzen ist sich die Mehrheit der Befragten einig: „Für Berufsanfänger:innen werden KI-Kompetenzen in vielen Berufsfeldern zur Grundvoraussetzung.“ Dieser Aussage stimmen 54,9 Prozent der Arbeitnehmenden eher oder voll und ganz zu. Unter Führungskräften liegt die Zustimmung mit 65,6 Prozent deutlich höher als bei Beschäftigten ohne Führungsverantwortung, von denen 51,5 Prozent diese Einschätzung teilen.

Jeweils 41,3 Prozent der Arbeitnehmenden erwarten, dass Kompetenzen wie das Prompting sowie die kritische Bewertung von KI-Ergebnissen künftig an Bedeutung gewinnen werden. Zwischen Führungskräften und Beschäftigten ohne Führungsverantwortung zeigen sich dabei deutliche Unterschiede.

  • 51,2 Prozent der Führungskräfte gehen davon aus, dass Prompting in Zukunft wichtiger werden wird, bei Arbeitnehmenden ohne Führungsverantwortung sind es 38,1 Prozent.

Ein vergleichbares Bild zeigt sich bei der kritischen Bewertung von KI-Ergebnissen:

  • 49,6 Prozent der Führungskräfte erwarten einen Bedeutungszuwachs, bei den Arbeitnehmenden ohne Führungsverantwortung sind es 38,6 Prozent.
  • Zugleich fällt es Arbeitnehmenden ohne Führungsverantwortung deutlich schwerer als Führungskräften, die künftige Bedeutung dieser Kompetenzen einzuschätzen.

Red.


Zur Studie

Für die Studie „KI in der Arbeitswelt: Wie gelingt der Change?“ der IU Internationalen Hochschule wurden zwischen dem 31. März und 14. April 2026 insgesamt 2.000 Beschäftigte im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt. Die Stichprobe ist hinsichtlich Alter und Geschlecht repräsentativ für den deutschen Arbeitsmarkt


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