Ein Jahr voller Entscheidungen liegt hinter dem Landkreis Schwäbisch Hall. Trotz steigender Kosten und hoher Erwartungen setzt die Region auf Stärke: mit einer zukunftssicheren Gesundheitsversorgung und mutigen Schritten in Richtung Digitalisierung und Bildung.

Die wirtschaftliche Ausgangslage im Landkreis Schwäbisch Hall ist gut: Die Steuerkraft ist im vergangenen Jahr um über 10 Prozent gestiegen und erreicht rund 447 Millionen Euro. Die Steuerkraftmesszahl – die Kennzahl, die angibt, wie viel Steuerkraft der Landkreis im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl hat – liegt bei über 130 Millionen Euro. Damit liegt Schwäbisch Hall deutlich über dem Landesdurchschnitt und gehört zu den wirtschaftlich starken Landkreisen in Baden-Württemberg – vor Hohenlohe und Main-Tauber und auf Augenhöhe mit dem Ostalbkreis.
Doch die Stärke des Landkreises zeigt sich nicht nur in der Wirtschaftskraft, sondern auch in strategischen Entscheidungen für die Zukunft – insbesondere in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Digitalisierung und Bildung. Ein zentrales Ereignis war die Übernahme des Diak-Klinikums durch den Landkreis im Januar 2025.
Zusammenführung mit dem Klinikum Crailsheim
„Jeder kommt in seinem Leben mit dem Krankenhaus in Kontakt. Die Erfüllung des stationären Versorgungsauftrags hat für mich oberste Priorität. Mit den beiden Standorten Crailsheim und Schwäbisch Hall schaffen wir das“, betont Landrat Gerhard Bauer. Die Ausgangslage war klar: Zum Ende des Jahres 2024 stand fest, dass Diakoneo das Diak nicht weiterführen wird.
„Es gab keinen anderen Klinikträger für eine alleinige Übernahme“, erklärt Werner Schmidt, der neue Geschäftsführer des Diak Klinikums. Der Kreistag beschloss daher im Dezember 2024 die Übernahme und die Zusammenführung mit dem Klinikum Crailsheim in einer Gesundheitsholding – eine Entscheidung, die unter Zeitdruck getroffen wurde, aber von allen Kreisräten getragen war. Die Umsetzung brachte dabei einige Herausforderungen mit sich.
Eine moderne, vernetzte Gesundheitsversorgung
„Unsere erste Aufgabe war die Trennung vom Diakoneo-Konzern ohne Störung des laufenden Klinikbe-triebs“, so Schmidt. Dazu gehörten die Rückholung ausgegliederter Personalbereiche, die Neuordnung von Verantwortlichkeiten und die Sicherstellung technischer Funktionen. „Am schwierigsten war die Trennung der IT-Systeme und die Umsetzung des Medizinkonzepts für beide Standorte.“
Parallel mussten zahlreiche Gespräche geführt und Vertrauen aufgebaut werden, um die Mitarbeitenden mitzunehmen. Heute blickt Schmidt optimistisch nach vorn: „Das Diak-Klinikum bleibt der Zentralversorger in Hohenlohe mit allen bestehenden medizinischen Leistungen. Der erste Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt des Klinikneubaus wird gefeiert. Alle Mitarbeitenden sind zufrieden, motiviert und zuversichtlich.“
Die neue Struktur eröffnet Chancen für eine moderne, vernetzte Gesundheitsversorgung im Landkreis. So wird in beiden Kliniken derzeit die elektronische Patientenakte eingeführt. „Mit der Digitalisierung wird ein weiterer Meilenstein erreicht auf dem Weg in eine gute Zukunft beider Kliniken“, freut sich Werner Schmidt.
Neues Serviceportal für die Verwaltung
Hier schreitet der Landkreis auch bei der Verwaltung voran. Das Serviceportal des Landratsamts wurde deutlich erweitert: Bürger können nun unter anderem digitale Bauanträge, Wohngeld-Anträge, Einbürgerungen, Infektionsschutzbelehrungen sowie KFZ- und Führerscheinservices online erledigen. Die Online-Terminvergabe wurde auf weitere Ämter ausgedehnt, um Wartezeiten zu reduzieren.
„Mit dem neu organisierten Fachbereich Digitalisierung verfolgen wir das Ziel, unsere Verwaltung serviceorientierter, effizienter und zukunftsfähiger aufzustellen. Wir wollen sowohl den Bürgerinnen und Bürgern als auch unseren Mitarbeitenden den Alltag spürbar erleichtern“, erklärt Bauer.
Ein Schwerpunkt liegt derzeit auf dem Ausbau digitaler Antragsverfahren. Insgesamt werden rund 90 Prozesse aus den verschiedensten Ämtern schrittweise modernisiert. Ziel ist, dass Anträge künftig weitgehend digital eingereicht, automatisiert vorbereitet und durch den Sachbearbeiter bearbeitet werden können.
Maßnahmen in der Bildung
Auch im Bildungsbereich setzt der Landkreis neue Maßstäbe. Mit einer innovativen Strategie für die beruflichen Schulen wird nicht nur die Infrastruktur modernisiert, sondern auch der digitale Auftritt gestärkt. „Wir wollten nicht in endlosen Analysen verharren, sondern gemeinsam mit den Schulen schnell ins Handeln kommen“, so Bauer.
Statt eines langwierigen Schulentwicklungsplans setzt der Landkreis auf eine praxisnahe Lösung: Alle beruflichen Schulen treten künftig unter einer gemeinsamen Dachmarke auf – mit einheitlichem Logo, zentraler Website und abgestimmtem Social-Media-Auftritt.
Ein besonderes Highlight ist „Buddy“, ein KI-gestützter digitaler Schul- und Berufsfinder, der Jugendlichen und Eltern mehrsprachig Orientierung bietet. Damit wird nicht nur die Sichtbarkeit der Schulen erhöht, sondern auch die digitale Kompetenz der Region gestärkt.
Anpassung der Kreisumlage
Doch bei aller positiver Entwicklung im Landkreis selbst, stellen steigende Kosten in der Kreiskasse manche Kommunen vor finanzielle Herausforderungen. Die Kreisumlage wurde im Rahmen der Haushaltsberatungen 2026 von der Verwaltung zunächst mit 39,4 Prozent vorgeschlagen. Durch das Finanzpaket des Landes konnte dieser Wert inzwischen auf 39,0 Prozent reduziert werden. Der endgültige Beschluss über den Haushalt und damit auch die Kreisumlage erfolgt voraussichtlich im Dezember durch den Kreistag.
Hintergrund der Anpassung sind deutlich steigende Ausgaben, insbesondere im Sozialbereich. (2024 lag der Wert bei 32 Prozent). „Die Kosten für soziale Sicherung steigen 2026 auf 155 Millionen Euro – das sind 22,3 Millionen Euro mehr als 2025. Die kommunale Ebene ist zum Ausfallbürgen von Bund und Land geworden. Dies können die Kommunen nicht mehr schultern“, erklärt Bauer. Besonders ins Gewicht fallen die Eingliederungshilfe mit 69 Millionen Euro, die Hilfe zur Pflege mit 11 Millionen Euro und die Jugendhilfe mit 44 Millionen Euro.
Steigende Kosten belasten Städte und Gemeinden
Auch die Städte und Gemeinden spüren die Belastung. Daniel Bullinger, Oberbürgermeister von Schwäbisch Hall, warnt: „Die Erhöhung der Kreisumlage verschärft die bereits absehbare sehr schwierige Haushaltslage im Jahr 2026. Ich möchte jedoch betonen, dass die Landkreise selbst Opfer vor allem der stetig stark ansteigenden Kosten für die soziale Sicherung sind. Diese rühren aus der Umsetzung von Landes- und vor allem Bundesaufgaben.“
Dennoch müsse der Landkreis prüfen welche Konsolidierung er aus eigener Kraft hat. Eine Erhöhung der Mehrbelastung um einen Prozentpunkt entspricht damit einer Mehrbelastung von rund 870.000 Euro für die Stadt. Er sieht die Gefahr, dass wichtige Projekte auf der Stecke bleiben.
„Derzeit gleichen wir das Defizit mit Rücklagen aus. Sobald diese Liquidität nicht mehr vorhanden ist, müssen wir alle Investitionen mit Krediten finanzieren. Eine unbegrenzte Kreditaufnahme ist aber nicht möglich und übersteigt irgendwann unsere Leistungsfähigkeit“, so Bullinger.
Teresa Zwirner


