Eine neue Deloitte-Studie macht deutlich: Der Finanzbereich entscheidet heute über Tempo und Wirkung in einem Unternehmen. Der Unterschied liegt darin, wie schnell aus Zahlen Entscheidungen werden.

Unternehmen stehen aktuell vor der Herausforderung, externe Risiken zu steuern, neue Technologien zu integrieren, Kosten zu senken und zugleich Wachstum zu finanzieren. Das zeigt die Deloitte-Studie „Finance Trends 2026“, für die weltweit mehr als 1.300 CFOs und Finanzverantwortliche befragt wurden.
Die Teilnehmenden nennen mehrere, nahezu gleichgewichtete Prioritäten – von externen Einflussfaktoren wie Inflation und Regulierung über den Aufbau technologischer Kompetenzen bis hin zur Optimierung von Cashflow, Kapitalallokation und Kostenstrukturen. Diese Gleichzeitigkeit verändert die Funktionsweise von Unternehmen grundlegend.
Klassische Planungssysteme, die auf Stabilität und lineare Entwicklungen ausgerichtet sind, stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Laut Studie setzen bereits 30 Prozent der Organisationen auf fortgeschrittene Szenarioplanung, um schneller auf Unsicherheiten reagieren zu können. Gleichzeitig bleibt die Risikolage angespannt: 26 Prozent sehen wirtschaftliche Unsicherheit als größtes Risiko, gefolgt von steigenden Reporting-Anforderungen (25 Prozent) und strengeren Datenschutzvorgaben (24 Prozent).
Klare Verantwortung übernehmen
Parallel dazu verschiebt sich die Rolle von Finance spürbar in Richtung Strategie. 57 Prozent der Finanzverantwortlichen geben an, heute aktiv an der Unternehmensstrategie beteiligt zu sein. Diese Entwicklung zeigt sich auch im Technologieeinsatz: Finanzbereiche mit strategischem Einfluss nutzen Cloud- und Datenlösungen deutlich häufiger, um Kosten und Investitionen zu steuern, während rein unterstützende Einheiten diese Potenziale seltener ausschöpfen. Auch das Kostenmanagement befindet sich im Wandel.
Zwar bleibt der Druck hoch, doch die Studie zeigt: Organisationen sind erfolgreicher, wenn Finance klare Verantwortung übernimmt. 36 Prozent der Finanzleiter – und 42 Prozent der CFOs – steuern Kosten direkt. In diesen Unternehmen erreichen 47 Prozent ihre Einsparziele, gegenüber 39 Prozent in Organisationen mit weniger klarer Zuständigkeit. Entscheidend ist dabei, Kosten nicht pauschal zu senken, sondern gezielt dort anzupassen, wo sie keinen ausreichenden Wertbeitrag leisten.
KI im Finanzbereich
Ein zentrales Spannungsfeld zeigt sich beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Zwar haben 63 Prozent der Finanzbereiche KI bereits produktiv im Einsatz, doch nur 21 Prozent berichten von einem klar messbaren Nutzen, und lediglich 14 Prozent haben KI tief in operative Abläufe integriert. Diese Lücke deutet darauf hin, dass Technologie häufig in isolierten Anwendungsfällen eingesetzt wird, ohne konkrete Entscheidungen spürbar zu verbessern.
Der eigentliche Mehrwert entsteht erst, wenn KI direkt in Entscheidungsprozesse eingebunden wird – etwa bei Preisgestaltung, Investitionspriorisierung oder Liquiditätssteuerung. Die Herausforderung liegt damit weniger in der Verfügbarkeit der Technologie als in der Fähigkeit, sie wirksam zu nutzen. Entsprechend verändern sich laut Deloitte auch die Anforderungen an Finance-Teams.
Gefragt sind Profile, die Finanzexpertise mit Daten- und Technologiekompetenz verbinden. Weder klassisches Controlling ohne ausgeprägte Datenkompetenz noch isolierte Data-Teams ohne Geschäftsverständnis liefern ausreichend Mehrwert. Entscheidend ist das Zusammenspiel beider Perspektiven in einem integrierten Steuerungsmodell.
Teresa Zwirner


