Wirtschaftliche Stärkung von Kommunen: Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum fördert Projekte im Landkreis Heilbronn

Mit rund 1,2 Millionen Euro aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) fördert die Landesregierung 2025 insgesamt zwölf Projekte aus dem Landkreis Heilbronn. Das soll unter anderem die Wirtschaftskraft von Städten und Gemeinden stärken und sie attraktiver für Fachkräfte machen.

Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum
Malerische Innenstädte wie in Eppingen sind das Aushängeschild des Landkreises Heilbronn. Mit der ELR-Förderung sollen die Kommunen noch attraktiver für Fachkräfte und Unternehmen werden. Foto: Stadt Eppingen

Ein Künstler bräuchte eine bunte Palette, um die Symbole des Landkreises Heilbronn zu malen: Weiß, wie Salinensalz aus Bad Rappenau oder Bad Friedrichshall. Grün, wie die Weinberge des Zabergäu. Blau wie das Wasser von Kocher, Jagst und Neckar, in dem sich der Himmel spiegelt. Rot, wie das Wappenschild des Kreisgebiets. Eine Zukunft in leuchtenden Farben verheißt noch ein weiteres Symbol des Landkreises: die Wirtschaftskraft. Wie die Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn (WFG) mitteilt, verzeichnen Stadt- und Landkreis die höchste Zunahme der wirtschaftlichen Leistung in ganz Baden-Württemberg.

Für neun Städte und Gemeinden von Bad Rappenau bis Wüstenrot gibt es besonderen Grund zu Optimismus. Sie erhalten nach Angaben der Landesregierung aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) etwa 1,2 Millionen Euro für insgesamt zwölf Projekte. Geld, um Wohnraum zu schaffen, Grundversorgung sicherzustellen, kleine und mittlere Unternehmen bei Neuansiedlung oder Erweiterung von Produktionsflächen zu unterstützen oder Einrichtungen wie Dorfgemeinschaftshäuser, Kitas und öffentliche Gebäude zu sanieren oder zu bauen. „Ohne eine angemessene Grundversorgung, ohne ein gutes Kulturangebot, ohne geeigneten Wohnraum oder aktive Vereine werden auch keine Facharbeitskräfte, keine Ärzte oder junge Familien in den Ländlichen Raum ziehen oder dort bleiben“, argumentiert Peter Hauk, Baden-Württembergs Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, anlässlich der Bekanntgabe des Programmentscheids.

Entwicklungsprogramm ländlicher Raum: Gemmingen als größter Gewinner

Es geht bei der Förderung also nicht nur um ein wenig zusätzliches Lokalkolorit für malerische Ortskerne. Sondern vor allem darum, den ländlichen Raum als Wirtschaftsstandort zu stärken. Dass Unternehmen, Handel und Dienstleistungsbetriebe vom Geld der Landesregierung profitieren, davon ist Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke überzeugt: „Förderprogramme wie das ELR sichern die nachhaltige kommunale Strukturentwicklung“, sagt er. Das Potenzial in den ländlichen Gemeinden sei groß – ob städtebaulich oder wirtschaftlich.

Größter Gewinner des ELR-Programms ist in diesem Jahr Gemmingen: Mehr als ein Viertel der Fördergelder für den Landkreis – rund 340.000 Euro – kommen der Gemeinde zugute. Die Summe ist laut Bürgermeister Timo Wolf für den dringend nötigen Ausbau des Rathaus-Dachgeschosses gedacht. In den vergangenen Jahren seien die Anforderungen an die Gemeindeverwaltung aus zwei Gründen gestiegen: dank wachsender Einwohnerzahlen, aber auch wegen zunehmender Bürokratie. „Diesem Platzbedarf für ein modernes und angemessenes Arbeitsumfeld für unsere Kolleginnen und Kollegen konnten wir auch durch Homeoffice und mobiles Arbeiten nicht komplett abhelfen“, erläutert Wolf. Zugleich erhalte das Rathaus auch eine Photovoltaikanlage und eine nachhaltige Heizung.

In Gemmingens Nachbarstadt Eppingen freut sich Oberbürgermeister Holaschke über die zweithöchste Förderung im Landkreis – mehr als 225.000 Euro. Holaschke weiß um den Nutzen für seine Stadt und die ganze Region: „Damit können Kommunen, Unternehmen und Partner den ländlichen Raum attraktiv gestalten und die Herausforderungen der wirtschaftlichen Transformation gemeinsam angehen“, ist er überzeugt. Das Geld gebe Planungssicherheit und Entwicklungsspielraum, Arbeitsplätze würden gesichert. „Die Förderzusage ist auch ein Zuspruch an den Investitionsort – den Wirtschaftsstandort Eppingen“.

Wohnraum als wichtiger Wirtschaftsfaktor

Denn im konkreten Fall wird laut Holaschke mit der Summe die Expansion eines seit Generationen ansässigen Familienunternehmens aus der Speditionsbranche unterstützt: „Es soll eine Logistikhalle in überwiegend nachhaltiger Holzbauweise entstehen – mit dem primären Ziel, die Lager- und Umschlagskapazität zu erhöhen.“ Gleich für zwei private Wohnbau-Projekte erhält die Gemeinde Langenbrettach 140.000 Euro aus dem ELR-Entwicklungsprogramm. „Die Erneuerung und Sanierung alter Bausubstanz ist eines der vordringlichen Ziele der Gemeinde, neben der Schließung von Baulücken“, sagt Bürgermeister Timo Natter. Der Schwerpunkt Wohnen ist für ihn ebenfalls ein valider Wirtschaftsfaktor: „Im Großraum Heilbronn ist bezahlbarer Wohnraum knapp.“ Die Gemeinde hoffe, dass das Förderprogramm dazu beitrage, den ländlichen Raum für junge Fachkräfte attraktiver zu machen. In der Vergangenheit war das bereits geglückt, „da konnten wir mit dem Bau eines Familienzentrums mit Kita auch nach außen wirken“, resümiert Natter.

Bei aller Freude über die ELR-Förderung – Wolf, Holaschke und Natter hoffen darauf, dass die Regierung die Rahmenbedingungen für Städte und Gemeinden langfristig verbessert. „Die Gemeinden haben in unserem Landkreis in der Regel kein Einnahmenproblem – sondern werden vielmehr durch Land, Bund und EU mit immer mehr Ausgaben bedacht“ – ohne die notwendige Finanzausstattung, wie Wolf sagt.

Eppingens Rathauschef Holaschke fordert mehr Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden statt kostspieliger und zeitfressender Bürokratie: „Pragmatismus muss die neue Gangart sein.“ Zwar würden die Kommunen die Chance erkennen, die im Investitionspaket der Bundesregierung oder auch in den Fördertöpfen stecke. Doch um die dramatische Schieflage der Kommunalfinanzen ins Lot zu bringen, seien sie keine Dauerlösung.

Amtskollege Natter sieht das genauso: „Die kommunalen Aufgaben können nicht von einmaligen Zuschüssen abhängig gemacht werden. Förderprogramme oder politische Entscheidungen sollten nachhaltig und nicht spektakulär auf den Moment ausgerichtet sein“, wünscht er sich, denn „Zuversicht ist etwas, das nicht von politischen Momentaufnahmen lebt.“

Natalie Kotowski

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