Mehr Sicherheit für Stifter: Was das neue Stiftungsregister für den Mittelstand verändert

Der deutsche Stiftungssektor wächst – und mit ihm der Bedarf an rechtlicher Klarheit. Ab 2026 sorgt ein zentrales Stiftungsregister für mehr Transparenz und Vertrauen. Für den Mittelstand eröffnet das System neue Chancen für Kooperation, Nachfolge und gesellschaftliches Engagement.

Stiftungsregister
Mit dem zentralen Stiftungsregister gibt es ab dem kommendem Jahr eine verbindliche, rechtssichere Basis für alle Akteure. Foto: Adobe Stock/Zerbor

Mit mehr als 25.000 rechtsfähigen Stiftungen des bürgerlichen Rechts und jährlich hunderten
Neugründungen ist der Stiftungssektor längst zu einem bedeutenden Akteur im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gefüge geworden. Doch mit dem Wachstum steigt auch der Bedarf an Transparenz und rechtlicher Klarheit – und genau hier setzt eine zentrale Reform an: Zum 1. Januar 2026 wird beim Bundesamt für Justiz ein bundesweites Stiftungsregister mit Publizitätswirkung eingeführt.

Das neue Register ist Teil des Gesetzes zur Vereinheitlichung des Stiftungsrechts, das bereits am 1. Juli 2023 in Kraft trat. Es soll Vertrauensschutz im Rechtsverkehr gewährleisten und Transparenz im Stiftungswesen fördern. Alle bestehenden und neu gegründeten rechtsfähigen Stiftungen müssen sich bis Ende 2026 registrieren lassen. Die Eintragungen haben deklaratorische Wirkung – sie bestätigen also bereits bestehende Rechtsverhältnisse.

Deutschland als einer der größten Stiftungsstandorte weltweit

Laut einer aktuellen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hat sich die Zahl der Stiftungen bürgerlichen Rechts in Deutschland seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt – ein Wachstum von 165 Prozent. Im Jahr 2023 lag die Zahl bei rund 25.700. Pro Jahr werden im Durchschnitt 667 neue Stiftungen gegründet. Damit zählt Deutschland, gemessen an Zahl und Vermögen, nach den USA zu den größten Stiftungsstandorten weltweit. Besonders aktiv sind Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg, gemessen an der absoluten Zahl. Hamburg liegt bei der Dichte pro Einwohner vorn.

Die IW-Studie nennt mehrere Ursachen für diesen Boom: Neben der Notwendigkeit vieler gemeinnütziger Organisationen, angesichts knapper öffentlicher Mittel neue Finanzierungswege zu erschließen, haben auch steuerliche Anreize und rechtliche Reformen seit den 2000er-Jahren zur Attraktivität beigetragen.

Das Lebenswerk sichern

Besonders interessant für den Mittelstand: Stiftungen sind nicht nur Förderer, sondern auch strategische Partner. Sie investieren, vergeben Aufträge, kooperieren mit Unternehmen – und bieten zunehmend auch eine attraktive Option für die unternehmerische Nachfolge. Immer mehr mittelständische Unternehmer nutzen die Stiftung als Instrument, um ihr Lebenswerk langfristig zu sichern und gesellschaftlich wirksam zu gestalten.

Das neue Register wird diesen Trend weiter stärken. Es macht zentrale Informationen wie Name, Sitz, Anerkennungsdatum und Vertretungsbefugnisse öffentlich zugänglich – digital und kostenfrei. Damit entfällt die bisher oft umständliche Ausstellung von Vertreterbescheinigungen durch Landesbehörden. Für Geschäftspartner bedeutet das mehr Effizienz und weniger Unsicherheit im Umgang mit Stiftungen. Dank der öffentlichen Wirkung des Registers können sich Unternehmen künftig rechtssicher auf die dort hinterlegten Informationen verlassen – das schafft Vertrauen und vereinfacht die Zusammenarbeit, ähnlich wie beim Handelsregister. Zudem erleichtert es die Zusammenarbeit, insbesondere bei Förderprojekten, Vertragsabschlüssen oder gemeinsamen Investitionen.

Für Führungskräfte im Mittelstand eröffnet das zentrale Stiftungsregister neue Perspektiven. Es erleichtert die Suche nach passenden Partnern, schafft Vertrauen in die Zusammenarbeit und bietet eine solide Grundlage für eigene Stiftungsgründungen. Wer gesellschaftliches Engagement mit unternehmerischer Verantwortung verbinden möchte, findet künftig bessere Rahmenbedingungen und mehr Sichtbarkeit.

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hatten sich im Gesetzgebungsverfahren aktiv für die Reform eingesetzt und sehen darin einen wichtigen Schritt zur Professionalisierung des Sektors.

Teresa Zwirner

Mehr zum Thema

Stiftungen in Heilbronn-Franken

Taktgeber für die Zukunft: Wie Stiftungen die Geschicke der Region Heilbronn-Franken prägen

In kaum einer Region ist gesellschaftliches Engagement so tief verwurzelt wie zwischen Neckar und Tauber. Ob Bildung, Kultur oder Soziales …
Stiftungen der Region Heilbronn-Franken im Austausch

Soziale und caritative Stiftungen der Region Heilbronn-Franken im Austausch

Die Region Heilbronn-Franken ist eine Region der Stiftungen und Mäzene. Diese sichtbarer zu machen und noch besser zu vernetzen ist …

Dieter Schwarz Stiftung wird Förderpartner der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“

Die Dieter Schwarz Stiftung wird ab sofort Förderpartner der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“. Die beiden Stiftungen haben einen Kooperationsvertrag …