Seit 25 Jahren begleitet das PROMAGAZIN die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken. Verleger Tilmann Distelbarth über überregionale Identität und die Bedeutung von handgemachtem Journalismus in einer digitalen Welt.

Herr Distelbarth, was war für Sie der schönste Moment in 25 Jahren PROMAGAZIN?
Tilmann Distelbarth: Es gab viele schöne Momente, aber einer ist mir natürlich besonders in Erinnerung geblieben: Als wir das PROMAGAZIN vor 13 Jahren in unserem Haus neu aufstellen durften. Denn mir war schon immer klar, dass das PROMAGAZIN eine Perle ist – das einzige Magazin, das die Region abdeckt und damit eine Regionsklammer bildet. Und es steht in Verbindung zur Bürgerinitiative pro Region, die nun schon 25 Jahre vom PROMAGAZIN begleitet wird.
Gibt es ein Titelmotiv, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Distelbarth: Bei fast jedem Titel freue ich mich, wie es gelingt, die regionale Identität sichtbar zu machen. Besonders prägend finde ich die Ausgaben, in denen wir Unternehmerpersönlichkeiten porträtieren – Menschen, die etwas aufgebaut haben, die typisch für unsere Region sind. Das müssen nicht immer Weltmarktführer sein, aber Leute, die das verkörpern, was unsere Region ausmacht: Erfindergeist und Tatkraft.
Die Wirtschaftslandschaft in Heilbronn-Franken hat sich seit den Anfängen des PROMAGAZIN gewandelt. Wie begleitet das PROMAGAZIN diesen Prozess?
Distelbarth: Die Region hat sich weiter sehr deutlich profiliert. Früher war Heilbronn-Franken stark von Automotive und Maschinenbau geprägt, heute ist die Wirtschaft viel breiter aufgestellt – allein durch das unglaubliche Wachstum der beiden großen Player Würth und Schwarz-Gruppe und die Bereiche Dienstleistung, Handwerk und Handel. Hinzukommen die Bildungsaktivitäten in der Region. Als ich vor 28 Jahren angefangen habe, war die Region fast eine Bildungswüste. Heute haben wir einen Bildungscampus in Heilbronn, mehrere Hochschulen, den Innovationspark Künstliche Intelligenz. Davon profitiert die gesamte Region. Bildung ist inzwischen ein Wirtschaftsfaktor an sich, vor allem aber notwendige Ressource, um weiteres Wirtschaftswachstum in der ganzen Region zu generieren. Das PROMAGAZIN ist an dieser Entwicklung nah dran, indem es genau diese Themen aufgreift – von Bildung über Wirtschaft bis hin zu gesellschaftlichen Fragen.
Werden Medien wie das PROMAGAZIN auch künftig eine wichtige Rolle für die regionale Wirtschaft und Identität spielen?
Distelbarth: Wir leben zwar in einer digitalisierten Welt. Aber das gedruckte PROMAGAZIN landet direkt auf den Schreibtischen und hat eine ganz andere Präsenz als ein Klick im Internet. Die Informationen im PROMAGAZIN sind seriös, unabhängig und nicht interessengetrieben, im Gegensatz zu vielen Infos, die im Netz zu finden sind, siehe Algorithmen, Bots und Fake News. Das PROMAGAZIN ist handgemachter Journalismus im besten Sinne, aus der Region für die Region. Das ist ein Unterscheidungs- und Qualitätsmerkmal, das auch Werbekunden zu schätzen wissen. In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten sind so viele Arbeitskräfte und Studierende in die Region zugewandert – das sind alles Leute, die mehr über Heilbronn-Franken erfahren möchten. Die regionalen Medien haben hier sozusagen eine Integrationsaufgabe. Und uns macht es Freude, die Leute zu informieren.
Zur Stimme Mediengruppe gehört die Tageszeitung Heilbronner Stimme. Wie unterscheiden sich PROMAGAZIN und Tageszeitung?
Distelbarth: Das PROMAGAZIN muss keine Chronistenplicht erfüllen und nicht tagesaktuell berichten. Das heißt: Das PROMAGAZIN kann bewusster Akzente setzen und Themen auswählen, die für die Region wirklich wichtig sind. Das macht die Aufgabe anspruchsvoll.
Was wünschen Sie sich für die nächsten 25 Jahre PROMAGAZIN?
Distelbarth: Dass die Leserschaft noch breiter wird – gerne auch über das Abonnement, damit das PROMAGAZIN wirklich jeden Monat auf dem Tisch oder im Postfach liegt. Nur dann kann es die Funktion erfüllen, die Region umfassend darzustellen und zu verbinden. Womit wir wieder beim Grundgedanken von pro Region sind: zeigen, wer wir sind. Nach außen, aber auch nach innen. Und dabei alle in der Region zu verbinden.
Wenn das PROMAGAZIN in Zukunft nur eine Story erzählen könnte, welche wäre das?
Distelbarth: Die Erfolgsgeschichte der Region. Natürlich würde die Wirtschaft ein Schwerpunkt bleiben, denn ohne funktionierende Wirtschaft fehlen Mittel und Möglichkeiten. Aber es würde auch immer um die Region als solche gehen: um die Kultur, die Natur, das Lebensgefühl der Menschen. Das PROMAGAZIN würde immer noch zeigen, was die Region ausmacht und warum es sich lohnt, hier zu leben und zu arbeiten.
Letzte Frage: Was treibt Sie ganz persönlich beim Medienmachen an?
Distelbarth: Was unglaublich motiviert, ist die Neugier der Menschen zu erleben. Als Medienschaffende stillen wir diesen Wissensdurst, wir zeigen Zusammenhänge auf und liefern Informationen. Auch im digitalen Zeitalter gilt: Menschen wollen verstehen, was um sie herum passiert. Und trotz aller Begeisterung für Künstliche Intelligenz und digitale Innovationen: Viele wünschen sich, dass bei den wichtigen Fragen immer noch ein Mensch das letzte Wort haben soll. Medien leisten hier einen unverzichtbaren Beitrag – für Demokratie, Bildung und eine freiheitlich demokratische Gesellschaft. Ich sehe in Deutschland immer noch eine starke Verankerung demokratischer Grundwerte: Ich kann mich unabhängig informieren, ich kann meine Meinung sagen, muss mir nicht vorschreiben lassen, was ich zu denken habe. Deshalb bin ich als Medienschaffender ein Überzeugungstäter. Medien für eine so starke Region wie Heilbronn-Franken mitgestalten zu dürfen, ist für mich ein Geschenk.
Interview: se.

Zur Person
Tilmann Distelbarth ist Verleger und geschäftsführender Gesellschafter der Stimme Mediengruppe.


