Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, Ehrenvorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe, hat nicht nur ein Unternehmen von Weltruf aufgebaut, sondern auch viel für die Region erreicht – unter anderem das PROMAGAZIN. Im Interview sagt der Künzelsauer Visionär, warum der Begriff Weltmarktführer nicht zu seinem Unternehmen passt und wie Deutschland wieder zu alter Stärke zurückfinden kann.

des PROMAGAZIN. Foto: Sebastian Lock
Vor 25 Jahren erschien das PROMAGAZIN zum ersten Mal. Sie haben als „Geburtshelfer“ dafür einen Grundstein gelegt. Wie schätzen Sie die Rolle des PROMAGAZIN in der Region heute ein?
Reinhold Würth: Die Periodika PROMAGAZIN hat sich in den 25 Jahren einen guten Ruf erarbeitet. Die Beiträge sind zuverlässig und informativ, sodass nicht nur Fachleute, sondern auch die Gesamtbevölkerung sich gerne dort orientieren.
Auch für die Würth-Gruppe war das Jahr 2000 ein Meilenstein: Sie knackte erstmals die 5-Milliarden-Euro-Umsatzmarke. 24 Jahre danach schließt sie mit 20,2 Milliarden Euro Umsatz ab. Was schafft Würth, was andere nicht schaffen?
Würth: Dazu kann ich Ihnen gar keine Antwort geben. Wir haben eben immer unsere Zehn-Jahres-Planung im Blick und versuchen, diese Ziele zu realisieren. Natürlich ist dies nur möglich, wenn ein Unternehmen gesund ist, alle Beteiligten Spaß und Freude am Erfolg haben und den Betrieb im Zustand des Werdens treiben, bevor irgendwann das Ganze in einen beamtenhaften Zustand des Seins übergeht und man sich nur noch auf den Erhalt des Erreichten zurückzieht.
Wenn wir auf die Region Heilbronn-Franken schauen: Was schafft diese Region, was andere nicht schaffen? Etwa als Hochburg der Weltmarktführer und Hidden Champions, des familiengeführten Mittelstands, für KI- und Technologie?
Würth: Mit dem Begriff Weltmarktführer wäre ich sehr vorsichtig. Schaut man sich nämlich weltweit um, gibt es für die verschiedenen Geschäftsfelder, die die Würth-Gruppe bearbeitet, immer noch einen Anbieter, der in seinem Fachgebiet größer ist. Als Hidden Champion dürfen wir uns sehr wohl fühlen. Tatsächlich gibt es in Hohenlohe-Franken auf einigen Gebieten Technologieführer, denken Sie nur an die Schwarz-Gruppe oder ebm-papst.
Und wie sehen Sie Ihren Anteil an dieser Entwicklung?
Würth: Ich selbst konnte vielleicht mit der Schaffung eines allgemeinen Wachstumsklimas ein wenig zur Entwicklung der Region beitragen.
Welche Denkweisen und Werte braucht man, um zum Vorbild und zur Unternehmerlegende zu werden?
Würth: Der sichere Weg ist, das gefundene Geschäftsmodell konsequent durchzuexekutieren und der Technologie folgend weiterzuentwickeln.
In einem Interview haben Sie gesagt, Sie würden sich gedanklich sehr oft mit den Jahren 2030 bis 2050 beschäftigen. Mit welchen Gefühlen schauen Sie aktuell in die Zukunft?
Würth: Tatsächlich beschäftige ich mich gedanklich viel mit der Zeit bis zum Jahr 2050 – um dem Unternehmen Würth gute Gedanken und Ideen, auch über meine Zeit hinaus, mitzugeben. Getrübt wird das Ganze natürlich durch die gegenwärtige Weltlage. Die Kriege in der Ukraine und in Gaza haben das Potenzial einer Zündschnur zum nächsten Weltkrieg, und man kann nur hoffen, dass diplomatische Vernunft über unsinniges Machtstreben siegt.
Genau wie im Unternehmerischen waren auch Ihre Ziele für die Region immer getragen von einer Vision: Als Initiator der Bürgerinitiative „pro Region“ haben Sie ein Zeichen für Sichtbarkeit und Wir-Gefühl innerhalb der jungen „Reißbrett-Region“ gesetzt. Sie haben sich außerdem kulturell wie kaum ein anderer engagiert. Haben Sie weitere Zukunftsvisionen für Heilbronn-Franken im Kopf?
Würth: Tatsächlich konnte ich zur kulturellen Vielfalt in unserer Region etwas beitragen. So erweitern wir für rund 20 Millionen Euro die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall. Einweihungstermin ist September 2026. Ansonsten werden wir Qualität und Bekanntheitsgrad der Würth Philharmoniker über die Region hinaus steigern. Meine Frau wirkt mit ihrer Bibliothek „Frau Holle“ in Künzelsau ebenfalls sehr segensreich.
Mit positiven Zukunftsbildern tun sich viele Deutsche trotz Regierungswechsel weiterhin schwer. Wie blicken Sie auf die ersten Wochen unter der neuen Regierung? Erfüllt der Koalitionsvertrag aus unternehmerischer Sicht Ihre Erwartungen?
Würth: Ganz eindeutig ist seit dem Regierungswechsel eine Klimaveränderung in Deutschland zu beobachten: Nicht nur wir bei Würth merken schon jetzt eine leichte Belebung des Wirtschaftsklimas. Dies sehen auch die Bürger und ahnen, dass Deutschland zu alter Stärke zurückfinden kann – allerdings muss jeder Bürger seinen kleinen Anteil dazu leisten.
Interview von Natalie Kotowski


