Von wegen Auslaufmodell: Im ländlichen Raum ist der Dienstwagen für Mitarbeiter ein wichtiges Benefit. Immer mehr Unternehmen in der Region rüsten aber auf Elektro um – auch bei Serviceflotten. Das spart Kosten und ist nachhaltig.

Wären Dienstwagen Mitarbeiter, würden der elektrische VW ID.7 und der Skoda Octavia wohl als Highperformer durchgehen. Das sieht Geschäftsführer Jörg Lauser jeden Tag in seinem Unternehmen SL Fuhrparkmanagement mit Sitz in Heilbronn: „Bei unseren Kunden aus dem Mittelstand machen Modelle des VW-Konzerns zwei Drittel aus.“ Am gefragtesten ist nach seinen Worten der elektrische ID.7, Skoda ist unter den Verbrennern erste Wahl.
Eines steht fest: Dienst- und Servicefahrzeuge sind für viele Unternehmen in Heilbronn-Franken – vom regionalen Handwerksbetrieb bis zum Weltmarktführer und Logistiker – nach wie vor bedeutsame „Mitarbeiter“ in Sachen Mobilität. Sie transportieren nicht nur Personen und Waren von A nach B, sondern auch Identität, sichtbare Wettbewerbsvorteile und Unternehmenskultur. Und noch etwas transportieren Firmenflotten seit geraumer Zeit verstärkt: den Nachhaltigkeitsgedanken.
Elektrifizierung im Fuhrparkmanagement
E-Mobilität werde für seine Kunden immer wichtiger, hat Geschäftsführer Lauser festgestellt: Im Fuhrparkmanagement schreite die Elektrifizierung recht schnell voran. Bei Firmenflotten ist sie nach seinen Worten deutlich verbreiteter als bei Privatpersonen. Unternehmerisch nachvollziehbar, findet er: „Wenn man sieht, was der Liter Diesel kostet, und das Thema Nachhaltigkeit beziehungsweise CO2-Einsparung angehen will, überlegt man sich: Kann ich vielleicht meinen Fuhrpark schneller elektrifizieren?“
Diese Frage stellen sich aktuell immer mehr Verantwortliche in vielen regionalen Unternehmen. Lauser bietet ihnen von Service und Wartung über Schadensregulierung und KIassisierte Verwaltung alle Dienstleistungen rund um die Firmenflotte an. Seine Kunden kommen aus ganz Deutschland, viele davon aus der Region.
Vom Verbrenner zum Stromer
Einer von ihnen ist Frank Flanderka, Head of Human Resources bei der IDS Imaging Development Systems GmbH. Der Obersulmer Industriekamerahersteller und Bildverarbeitungsexperte stellt seinen Fuhrpark nach eigenen Angaben sukzessive um. 14 der aktuell 25 Pkw, die das Unternehmen für Mitarbeiter zur geschäftlichen und privaten Nutzung geleast hat, seien Verbrennermodelle, berichtet Flanderka. Zu Spitzenzeiten habe man 40 Prozent höhere Kosten für Diesel und Benzin gehabt.
IDS übernimmt auch die Spritkosten für Privatfahrten – perspektivisch soll deshalb der Anteil an E-Autos wachsen. Aktuell seien acht Fahrzeuge rein elektrisch, drei hybrid. Ob Stromer oder Verbrenner – Flanderka hält eine eigene Flotte generell für einen großen Pluspunkt am Bewerbermarkt: „Das Fahrzeug ist im Bereich der Führungskräfte nach wie vor ein wichtiger Entgeltbestandteil und wird teilweise vorausgesetzt. Es nicht anzubieten, wäre ein Wettbewerbsnachteil.“
Diese Einschätzung teilt Lauser: „Dass Dienstwagen out sind, bemerken wir in der Praxis überhaupt nicht.“ Kfz seien wichtiges Mittel, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden. „Das Thema Dienstwagen ist für viele Mitarbeiter immer noch eine Imagesache. Die fahren gern ein tolles Auto. Und die Firmen berücksichtigen das“, sagt der SL Fuhrparkmanagement-Chef. Für viele ist der Dienstwagen aber nicht nur Prestigeobjekt, sondern schlicht praktisch: „Wir betreuen mittelständische Firmen, die zu 90 Prozent im ländlichen Raum angesiedelt sind. Die Mitarbeiter sind oft auf das Auto angewiesen.“
Schätzungsweise 75.000 Dienstwagen in der Region
Der Dienstwagen gehört offenbar immer noch zur Identität von Unternehmen und ihren Mitarbeitern: Je nach Unternehmensgröße und Branche besitzen nach einer Erhebung der Hamburger HR-Beratung DeBott zwischen 20 und 40 Prozent der Führungskräfte in Deutschland aktuell einen Firmenwagen. Im Ländle rollen DeBott zufolge sogar überproportional viele, weil dort etliche Unternehmen in klassischen außendienst- oder vertriebsorientierten Branchen wie Pharma, Maschinenbau und IT ihren Sitz haben.
Legt man Daten des Bundesverbands Betriebliche Mobilität (BBM) und der IHK Heilbronn-Franken zugrunde, dürften allein zwischen Neckar und Tauber schätzungsweise etwa 75.000 Flottenfahrzeuge unterwegs sein. Dienstwagen sind keine Auslaufmodelle – das belegen auch die Zahlen, die Statista liefert. Schon vor zwei Jahren gab es etwa eine Million mehr gewerbliche Pkw-Neuzulassungen als private. Stromer machen dabei einen wachsenden Anteil aus.
Denn nach Lausers Erfahrung interessieren sich inzwischen vermehrt auch die Mitarbeiter dafür, elektrisch zu fahren. Eine moderne Car-Policy – eine Dienstwagenrichtlinie –, die Elektromobilität umfasse, bedeute durchaus einen Mehrwert, ist der Fuhrparkmanager überzeugt. Das liege an den Steuervorteilen für E-Auto-Fahrer: „Mit so einem Fahrzeug in gleicher Größe, zum Beispiel einem elektrischen ID.7 von VW statt eines Passats als Verbrenner, hat der Mitarbeiter ganz schnell 300 Euro netto mehr im Geldbeutel pro Monat. Das ist aus meiner Sicht ein starker Wettbewerbsvorteil.“
Mit Elektromobilität gegen steigende Spritpreise
Auch für Unternehmen wird E-Mobilität immer attraktiver: „In 80 bis 90 Prozent unserer Use Cases, der Nutzerfälle, ist es möglich, die Entscheider auf E-Mobilität umzustimmen.“ Die Vorteile sind aus Lausers Sicht klar: „Zum einen könnten sie ihr Image verbessern. Die Außenwirkung ist positiver, wenn ich regional schon CO2-neutral unterwegs bin.“
Mobilität ohne viel Lärm und Emissionen sei ein Gewinn an Lebensqualität. „Dem Thema kann sich ohnehin niemand verschließen, das wird kommen. Die CO2-Emissionsziele sind da, die Steuervorteile sind da, das Thema wird an den Markt getrieben“, ist er überzeugt.
Auch was die laufenden Kosten angehe, bedeutet eine elektrische Flotte längst keine Nachteile mehr: „Aus Firmensicht kostet das Leasing und der Betrieb eines E-Fahrzeugs mittlerweile das gleiche wie ein Verbrenner.“ Denn Hersteller stünden inzwischen unter Druck, viele E-Autos auf den Markt zu bringen.
„Das geht über Fahrzeuge für den Firmenfuhrpark am besten: über bessere Leasingkonditionen, über Subventionen“, rechnet Lauser vor – aus seiner Sicht der Grund, warum chinesische Modelle momentan in Dienstflotten unterrepräsentiert sind: „Die deutschen Hersteller sind über ihr Händlernetz und die jahrelange Erfahrung in der Lage, den Restwert beim Leasingvertrag so zu stützen, dass der Chinese am Ende nicht günstiger ist.“
Technisch sind aus Lausers Sicht die Asiaten zwar top – das seien die deutschen Modelle aber auch. Sie böten mittlerweile bis zu 500 Kilometer realistische Reichweite und seien an Schnellladesäulen teilweise innerhalb von 15 bis 20 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufzuladen.
Eine gute Ladeinfrastruktur als Voraussetzung
Dazu gehört aber eine gute Ladeinfrastruktur: „Beim E-Fahrzeug hat man bis zu drei verschiedene Ladebezugspunkte. Der Mitarbeiter kann zu Hause laden, am Firmenstandort oder unterwegs“, erläutert Lauser. Für Vertriebsunternehmen seien Ladesäulen auf dem Mitarbeiterparkplatz weniger relevant – die Nutzer fahren zu selten ins Büro. Für sie sei das Unterwegsladen per Karte umso wichtiger. Die heimische Wallbox sei für Vielfahrer fast ein Muss, „damit ich mit einem vollgeladenen Fahrzeug losfahren kann. Zumal dort die Ladekosten natürlich auch günstiger sind als unterwegs.“
Dass E-Mobilität in Heilbronn-Frankens Unternehmen längst angekommen ist, zeigt sich aber nicht nur bei repräsentativen Automodellen für Fach- und Führungskräfte. Auch für Firmen mit Service- und Transporterflotten ist sie kein Zukunftsthema mehr, sondern Gegenwart, ist Jan Willem Jongert überzeugt. Jongert ist Geschäftsführer und Sprecher der Bott Gruppe mit Sitz in Gaildorf, einem führenden Hersteller von Fahrzeuginneneinrichtungen. „E-Mobilität ist für unsere Kunden kein Entweder-oder mehr. Sie ist ein wachsender Teil der Realität für moderne und effiziente Flotten“, sagt er.
Auch bei Serviceflotten geht der Trend zu E-Mobilität
In den vergangenen zwei Jahren habe man bei Bott einen deutlichen Anstieg im Ausbau von Einrichtungslösungen für Elektrofahrzeuge erlebt. „Besonders spürbar ist das bei Serviceflotten: Große Unternehmen starten Pilotprojekte – und daraus werden Folgeprojekte. Der Trend ist klar“, sagt der Geschäftsführer.
E-Fahrzeuge bedeuteten wiederum für die Inneneinrichtung spezifische Anforderungen: „andere Gewichtsverteilungen, veränderte Ladeflächen, neue technische Rahmenbedingungen.“ Das müsse bei guten Einrichtungslösungen mitgedacht werden. Schließlich sei die Fahrzeugeinrichtung auch für elektrische Flotten der direkte Hebel für Effizienz: Wer Werkzeuge sicher und organisiert transportiere, spare Zeit, die sonst mit Suchen, Umpacken oder Nachfahren verloren gehe.
Und Zeit ist Geld: Für viele Unternehmen in der Region heißt es, die eigene Flotte schnell zu elektrifizieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Natalie Kotowski


