Vom Koordinatenmesstechniker zur Führungskraft: Für Marco Gravera stand irgendwann nicht mehr die technischen Lösungen im Mittelpunkt, sondern die Menschen, die sie möglich machen. Im Interview spricht er über prägende Entscheidungen, seinen größten beruflichen Irrtum und darüber, warum nachhaltige Veränderungen wichtiger sind als kurzfristige Erfolge.

Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am stärksten geprägt – und was hat diese Entscheidung ausgelöst?
Marco Gravera: Die prägendste Entscheidung meiner Karriere war die Entscheidung für den Weg als Führungskraft und gegen die Laufbahn als reiner Fachexperte.
Ursprünglich komme ich aus der Koordinatenmesstechnik und habe viele Jahre im Messraum gearbeitet. Mit der Zeit habe ich zunächst die Verantwortung für einen Messraum und später standortübergreifend für mehrere Messräume übernommen. Dadurch bin ich Schritt für Schritt in Führungsaufgaben hineingewachsen und habe festgestellt, wie viel Freude es mir macht, Menschen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen zu gestalten
Irgendwann habe ich erkannt, dass mich nicht nur technische Lösungen begeistern, sondern vor allem die Menschen, die diese Lösungen möglich machen. Das war der Moment, in dem ich mich bewusst für den Weg als Führungskraft entschieden habe.
Was war Ihr größter beruflicher Irrtum und was haben Sie daraus gemacht?
Marco Gravera: Zu glauben, dass die beste fachliche Lösung automatisch die beste organisatorische Lösung ist. Im Laufe meiner Entwicklung ist mir deutlich geworden, dass Veränderung selten an fehlendem Fachwissen scheitert. Sehr viel häufiger scheitert es an Prioritäten, Kultur und Kommunikation. Als Führungskraft und Coach beschäftige ich mich nun eher mit der Frage wie Veränderungen dauerhaft gewünschte Ergebnisse liefern und arbeite an der Gestaltung der Organisation, Schnittstellen in Prozessen und bereichsübergreifende Zusammenarbeit. QM bleibt für mich dabei ein wichtiger Hebel, aber nicht die Grenze meines Wirkungsbereichs.
Was treibt Sie im Job mehr an: das Ergebnis oder der Weg dorthin?
Marco Gravera: Das Ergebnis gibt die Richtung vor. Der Weg entscheidet, ob das Ergebnis Bestand hat. Ich möchte nicht nur „Kennzahlen“ verbessern, sondern verstehen, weshalb und wie man daraus einen Standard machen kann. Mich interessiert also eher ein nachhaltiger Weg als ein kurzfristiges Ergebnis.
Wo arbeiten Sie lieber: remote oder vor Ort – und was macht für Sie den Unterschied?
Marco Gravera: Definitiv lieber vor Ort. Nicht weil Remote-Arbeit schlechter ist, sondern weil meine Arbeit vom direkten Austausch lebt. Begehungen auf dem ShopFloor, Coaching-Gespräche Workshops mit meinen Mitarbeitern und spontane Diskussionen im Büro funktionieren am besten vor Ort. So erhalte ich auch ein aktuelles Stimmungsbild abseits der Meetings. Remote nutze ich vor allem für die internationale Zusammenarbeit.
Wenn es schnell gehen muss: Kopf oder Bauch?
Marco Gravera: Bauch.
Was bedeutet Erfolg für Sie heute?
Marco Gravera: Erfolg bedeutet für mich Organisationen leistungsfähiger machen zu können. Qualitätsmanagement ist für mich dabei zunehmend ein Hebel und nicht mehr der eigentliche Zweck. Erfolgreich bin ich vor allem dann, wenn ich nicht selbst die beste Lösung habe, sondern andere dabei unterstützen kann, die für sie passende Lösung zu finden.
Zur Person
Marco Gravera leitet das Qualitätsmanagement bei der WITTENSTEIN alpha GmbH. Außerdem ist er zertifizierter Empowerment-Coach für Business und Life Coaching.


