„Transformation beginnt mit Ehrlichkeit“: Was Führungskräfte von Andrea Sawatzki über Krisen lernen können

Wie überwinden wir alte Muster – als Führungskraft, als Unternehmen, als Mensch? Schauspielerin und Autorin Andrea Sawatzki spricht über den Umgang mit Krisen, den Mut zur Verletzlichkeit und darüber, warum echte Transformation nur gelingt, wenn wir aufhören, Probleme zu verschweigen.

Andrea Sawatzki
Je digitaler unsere Welt wird, desto wichtiger wird Menschlichkeit: Andrea Sawatzki plädiert für Mut, Klarheit und echte Gespräche als Grundlage guter Führung. Foto: Valeria Mitelman

Sie sprechen öffentlich sehr offen über schwierige Lebensphasen und darüber, wie wichtig Aufrichtigkeit im Umgang mit Belastung ist. Was können Führungskräfte daraus lernen, wenn sie in ihren Unternehmen mit Krisen umgehen müssen?

Andrea Sawatzki: Krisen resultieren meistens aus Überforderung, Angst, Scham, Schweigen. Was mir geholfen hat, war nicht so zu tun, als wäre alles okay, sondern die Lage zu benennen und Hilfe zuzulassen. Entscheidend ist, ob Menschen sich sicher fühlen, ehrlich zu sein oder ob sie sich zurückziehen. Unternehmen können Räume schaffen, in denen man Probleme aussprechen darf, ohne dass gleich Schuldige gesucht werden. Denn wenn Menschen innerlich zumachen, kann keine Transformation gelingen.

Vielen fällt es jedoch schwer, alte Muster zu durchbrechen. Was kann man als Mensch oder als Unternehmer tun, um offener für Veränderung zu sein?

Sawatzki: Muster brechen beginnt damit, sie überhaupt zu erkennen: Welche Sätze sage ich immer wieder? Welche Reaktionen laufen automatisch ab? Offenheit ist oft eine Mischung aus Neugier und dem Mut, sich von der eigenen Geschichte nicht mehr steuern zu lassen. Praktisch heißt das: kleine Experimente, neue Routinen, Feedback einholen – und nicht erwarten, dass Veränderung sofort leicht ist. Man muss sich erlauben, am Anfang auch unbeholfen zu sein. Und man muss sich auch Hilfe von aussen suchen.

Die Bedeutung von Menschlichkeit in der digitalen Welt

Sie haben einmal gesagt, dass Selbstakzeptanz entscheidend ist, um Verantwortung zu übernehmen. Gilt das auch für Unternehmen? Müssen Firmen lernen, ihre Schwächen anzuerkennen?

Sawatzki: Ja. Selbstakzeptanz ist nicht Selbstzufriedenheit – es ist Ehrlichkeit. Firmen, die nur ihre Stärken feiern, lernen zu spät. Wer Schwächen anerkennt – Kulturprobleme, blinde Flecken, Überlastung – kann Verantwortung übernehmen, bevor es knallt. Das ist wie in Familien: Wenn niemand spricht, bleibt alles wie es ist. Wenn man anfängt, Dinge auszusprechen, wird Veränderung möglich.

Beim Gipfel sprechen wir auch über Innovation. Glauben Sie, dass digitale Lösungen und KI uns helfen können, menschliche Herausforderungen wie Pflege oder Einsamkeit besser zu bewältigen oder besteht die Gefahr, dass wir das Menschliche verlieren?

Sawatzki: Digitale Lösungen können entlasten: Organisation, Dokumentation, Wege, Routinen – damit Menschen wieder Zeit für Menschen haben. Skeptisch werde ich, wenn Technik zur Ausrede wird: Dann braucht es weniger Personal oder dann ist jemand ja nicht mehr allein, sehe ich kritisch. Gegen Einsamkeit hilft kein Interface, sondern Beziehung. KI kann unterstützen, aber Würde, Nähe, Zuhören darf man nicht automatisieren.

Wenn Sie die Zukunft der Arbeit und des Zusammenlebens in einem Satz beschreiben: wie würde der lauten?

Sawatzki: Je digitaler unsere Welt wird, desto mehr muss Menschlichkeit zur bewusst gepflegten Kompetenz werden: in Führung, in Pflege, in Nachbarschaft.

Interview mit Teresa Zwirner


Zur Person

Andrea Sawatzki ist eine der bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands. Sie ist u. a. in den Reihen „Die Verteidigerin“, „Bundschuh“ und „Plötzlich Schwestern“ zu sehen. Zudem ist sie Bestseller‑Autorin, u. a. der Bundschuh‑Reihe sowie der Romane Brunnenstraße und Biarritz.


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