Nicht alles lief nach Plan bei der Highlight-Session des 16. „Gipfeltreffen der Weltmarktführer“. Doch die Gäste im Carmen Würth Forum bewiesen, dass sie sich weder von verspäteten Zügen noch von weltpolitischen Veränderungen entmutigen lassen.

Wer ein Unternehmen erfolgreich führen will, muss flexibel auf Veränderungen reagieren – das hatten die Gäste des 16. „Gipfeltreffens der Weltmarktführer“ mehr als einmal in den Keynotes, Panels und Diskussionen am ersten Konferenztag gehört. Wie gut sie darin sind, mit Unvorhergesehenem umzugehen, durften sie probehalber bei der Highlight-Session des Gipfeltreffens demonstrieren, zu der die Würth-Gruppe alljährlich am Abend des ersten Konferenztags einlädt
Denn kaum hatten sich die Ränge im Großen Saal des Carmen Würth Forums in Künzelsau-Gaisbach gefüllt, musste Ehrenpräsident und Gründer Dr. Walter Döring verkünden: „Es gibt eine Programmänderung“. Nach dem Konzert der Würth Philharmoniker würde nicht – wie ursprünglich geplant – das Gespräch zwischen Varinia Bernau, Ressortleiterin Management und Karriere bei der WirtschaftsWoche, und der Schauspielerin und Autorin Andrea Sawatzki folgen.
Warum? „Frau Sawatzki ist in Berlin in den Zug gestiegen“. Allein diese Information aus dem Mund des ehemaligen Wirtschaftsministers Döring genügte, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Lieferte der Satz doch allen Anwesenden ein Musterbeispiel dafür, dass manches im Alltag und im Berufsleben unberechenbar ist – ob das nun Weltpolitik, Zukunftsszenarien oder pünktliche Züge betrifft.
Optimistisches Fazit zum ersten Gipfeltag
Sich durch Unwägbarkeiten weder die Laune noch das Geschäft vermiesen zu lassen – diesen Gedanken griff Robert Friedmann im Anschluss auf. In einem kurzen Impuls fasste der Konzernsprecher der Würth-Gruppe den CEO-Abend und den ersten Gipfeltag zusammen: „Optimismus und Zuversicht haben sich durchgezogen.“ Das sei sein Eindruck aus zahlreichen Vorträgen und persönlichen Gesprächen gewesen.
Und diese Zuversicht sei berechtigt. Schon der österreichische Nationalökonom Joseph Schumpeter habe in seiner „Theorie der Schöpferischen Zerstörung“ festgestellt: „Neues kann nur entstehen, wenn Altes weicht.“ Wandel passiere aber nicht einfach, er müsse gestaltet werden – mit Mut und Veränderungswillen, sagte Friedmann.
Konzert der Würth-Philharmoniker und kulinarisches Get-Together
Wie flexibel Weltmarktführer, Hidden Champions und andere Entscheider auf Veränderungen reagieren, ließ sich daran ablesen, wie heiter die Stimmung beim ersten Highlight des Abends war, dem Konzert der Würth Philharmoniker. Die Begeisterung des Publikums wuchs wie ein Crescendo von Mozarts Ouvertüre zu „Die Zauberflöte“ über Edvard Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ aus der Peer Gynt-Suite und erreichte ihren Höhepunkt bei Franz von Suppés Ouvertüre zu „Leichte Kavallerie“: Hunderte Führungspersönlichkeiten klatschten im Saal zu der bekannten Melodie im Takt mit. Das zeigte, was Friedmann schon am CEO-Abend als Erfolgsgarant benannt hatte: Kunst und Kultur vertreiben Sorgen, verbinden und wecken in fast jedem Begeisterung.
Dass sich Unternehmer so schnell an Änderungen im Betriebsablauf anpassen können wie Bahnreisende bei entsprechenden Durchsagen, bewiesen die Highlight-Session-Gäste auch beim vorgezogenen kulinarischen Get-Together unter dem Titel „Hohenlohe trifft die Weltmarktführer“. Das unablässige Grundrauschen von Netzwerk- und Fachgesprächen bei Köstlichkeiten vom Büfett wurde erst leiser, als WirtschaftsWoche-Redakteurin Bernau schließlich doch – fast unerwartet – Star-Gast Andrea Sawatzki präsentierte. Und auch die Schauspielerin und Autorin reagierte gelassen darauf, nun auf einem Talk-Podest mitten im Getümmel zu sprechen statt im Großen Saal auf der Bühne.
Buchvorstellung von Andrea Sawatzki
Sawatzkis Botschaft war – auch angesichts der Lautstärke rund um die Stehtische – zwar leise, aber dennoch wirkungsvoll: In ihrem neuen Buch „Biarritz“ geht es nach ihren Worten einerseits um „eine Liebeserklärung an meine Mutter“, andererseits aber auch um Themen, die viele Menschen angesichts der demografischen Entwicklung umtreiben: Das Altern in Würde und mit Respekt vor dem anderen, unabhängig von Generations-, familiären und psychologischen Konflikten. „Es ist auch ein Hinweis darauf, was in unserem Pflegesystem verkehrt läuft“, verriet Sawatzki.
Die Quintessenz des Abends lautet wohl: Im Laufe der Zeit verändern sich Menschen, Geschäftsmodelle, politische Kräfteverhältnisse und Strukturen. „Aber darin liegen auch viele Chancen und gestalterische Spielräume“, zeigte sich Würth-Konzernsprecher Friedmann überzeugt.
Natalie Kotowski


