Auftakt zum Gipfeltreffen der Weltmarktführer 2026: Eindrücke vom CEO-Abend

Die Speaker beim traditionellen CEO-Abend zum Auftakt des „Gipfeltreffens der Weltmarktführer“ in Schwäbisch Hall glauben an den Standort Deutschland. Die Chance für einen gesunden Mittelstand und starke Hidden Champions liegt für sie in vier „K“-Kompetenzen: Kooperation, Kreativität, Kommunikation und Kulturförderung.

CEO-Abend beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer
Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe und Kristin Rau, stellvertretende Ressortleiterin Management und Karriere bei der Wirtschaftswoche, im Gespräch auf der Bühne des neuen Globe Theaters in Schwäbisch Hall. Foto: Weltmarktführer 2026/Foto Vogt

Die Zeit lief rückwärts. Unaufhaltsam schmolzen die Minuten und Sekunden auf der großen Leinwand über der Bühne des neuen Globe Theaters in Schwäbisch Hall zusammen, bis zum inoffiziellen Start des „Gipfeltreffens der Weltmarktführer“, dem traditionellen CEO-Abend. Wer schwarzmalen wollte, hätte es vielleicht als Symbol interpretieren können: Dem deutschen Mittelstand läuft im Rennen um Innovationen die Zeit davon.

Doch niemandem der etwa 350 Unternehmerinnen und Unternehmern im Publikum kam dies in den Sinn. Das Gegenteil schien der Fall zu sein: Die Gäste waren in gelöster Stimmung. Es wurde geplaudert, genetzwerkt, gelacht. Das Publikum verbreitete schon vorab den Optimismus, den kurze Zeit später Dr. Reinhard Zinkann, CEO von Miele, im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar einforderte: „Ein Unternehmer, der in Pessimismus verharrt, ist vielleicht nicht ganz richtig in seinem Job“. Eine Feststellung, die die Unternehmer mit Szenenapplaus quittierten – und damit zeigten, dass sie verstanden haben, dass das griechische Wort Krisis auf Deutsch auch „Chance“ bedeutet.

Von Transformationswillen, Zuversicht und Wachstum

Denn um Chancen für den Standort Deutschland ging es beim exklusiven Vorabend-Event des zweitägigen „Davos des deutschen Mittelstands“, dem „Gipfeltreffen der Weltmarktführer“, zu dem die WirtschaftsWoche, Initiator und Ehrenpräsident Dr. Walter Döring, die Würth Gruppe und die Bausparkasse Schwäbisch Hall eingeladen hatten.

Chefredakteur von Buttlar betonte zur Begrüßung, dass Mittelständler aktuell voller Transformationswillen seien. Daher gehe es darum, wieder ein Momentum der Zuversicht und des Wachstums zu schaffen – und möglichst „Geschichten des Gelingens“ zu erzählen.

Geschichten des Gelingens gibt es genug, einige sogar im Umkreis von wenigen Kilometern rund um Schwäbisch Hall, das stellte Dr. Walter Döring gleich zu Beginn des CEO-Abends klar. „Würth hat ein Rekordjahr hinter sich, Ziehl-Abegg hatte ein Rekordjahr, Bott schreibt ein Rekordjahr nach dem anderen“, sagte der Initiator und Ehrenpräsident, der vor 16 Jahren die Idee zum „Gipfeltreffen der Weltmarktführer“ hatte und unter dem Motto „Von den Besten lernen“ zu einem Pflichttermin für Hidden Champions und Mittelständler machte. Baden-Württemberg sei im Ranking von 90 Regionen Europas bei Innovationen auf Platz Eins.

„K“-Kompetenzen als Chancen für den Standort Deutschland

Wohltuend wirkten an diesem Abend die Geschichten des Gelingens, die die Speaker auf dem Podium erzählten – charmant und professionell moderiert von Kristin Rau, stellvertretende Ressortleiterin Management und Karriere bei der Wirtschaftswoche. 120 abgelaufene Minuten voller eindringlicher Appelle, klarer Statements und differenzierter Betrachtungen später stand fest, worin die Chancen für den Standort Deutschland liegen können – in vier „K“-Kompetenzen.

Das erste „K“ steht für Kreativität beim Erschließen neuer Geschäftsfelder, wie PWC-Stratege und Mitgeschäftsführer Clemens Koch und Dr. Kerim Galal, Chief Sales & Services Officer bei Trumpf in ihrem Vortrag am Beispiel von „Smart Factories“ zeigten – Anlagen, die vernetzt und ohne Stillstand arbeiten statt Einzelmaschinen. „Weg von Produkten, hin zu Lösungen“ sei nach Galals Worten die Strategie der Zukunft.

Das zweite wichtige „K“ nannte Robert Friedmann, seit 20 Jahren Konzernsprecher der Würth-Gruppe: Kulturförderung. Kunst und Kultur seien die Grundlage für Miteinander, gesellschaftlichen Zusammenhalt, für Ideen und Innovationskultur.

Kooperation und Kommunikation als entscheidende Faktoren

Mit „K“ Nummer drei beginnt das Wort Kooperation. Für Würth-Konzernsprecher Friedmann ein Gegenentwurf zu gesellschaftlicher Spaltung. Demokratie sei kein Selbstläufer. Als Unternehmer müsse man bei jeder Entscheidung überprüfen, ob sie die Belegschaft spalte – selbst wenn es um das Einsparen des kostenlosen Kaffees für Mitarbeiter ginge.

Otmar Wiestler, ehemaliger Präsident der Helmholtz Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren blickte in seinem Vortrag optimistisch auf das „riesige Potenzial der Gesundheitsbranche für Deutschland“ – ob in der Nutzung von KI, bei Durchbruchinnovationen wie von Biontech oder bei der Präventionsforschung, die etwa bei Krebserkrankungen bereits sehr weit sei. Der Standort werde von Kooperationen profitieren, vorausgesetzt, Unternehmen und Forschung hätten den Mut, langfristig und mit Weitblick zusammenzuarbeiten.

Für das vierte „K“ – Kommunikation – warb Miele-CEO Zinkann: Mitarbeiter müssten bei der Lösungsfindung mitgenommen werden und Menschen auch in Zeiten von KI im Mittelpunkt stehen. Zinkann, der sich selbst als „optimistischen Realisten“ bezeichnet, bekennt sich zum Standort: Der Premium-Haushaltsgeräte-Hersteller will bis zum Jahr 2028 500 Millionen Euro in Deutschland investieren. 

Geschichten des Gelingens im Zentrum des CEO-Abends

Wenn es ein Fazit der Beteiligten des CEO-Abends gäbe, auf das sich die Speaker auf dem Podium und ihre Zuhörer einigen können, dann vermutlich dieses: Auch wenn sich das Tempo an Veränderungen erhöht hat, Innovationen und Produktentwicklungen immer enger getaktet aufeinander folgen und weltpolitische Stimmungslagen schneller denn je zu wechseln scheinen: Deutschland hat die Kern- – oder doch „K“-Kompetenzen – darauf zu reagieren und Geschichten des Gelingens zu präsentieren.

Mit einem kulinarischen Get-Together in der Kunsthalle Würth und dem Sudhaus klang der Abend aus – wo genetzwerkt und geplaudert wurde. So wie wenige Stunden zuvor, als die Minuten im Saal des Neuen Globe noch rückwärts liefen. 

 Natalie Kotowski

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