Zahlreiche Unternehmen aus der Region Heilbronn-Franken zeigen, wie moderne Ausbildung heute und in Zukunft aussehen kann – mit kreativen Azubiprojekten, praxisnahen Konzepten und echtem Unternehmergeist.

Wer bei der LTI-Metalltechnik GmbH in Schöntal-Berlichingen eine Ausbildung beginnt, steigt nicht einfach in einen Beruf ein – sondern gleich in ein eigenes kleines Unternehmen. Unter dem Namen LTI-Youngsters führen die Auszubildenden im firmeneigenen Ausbildungszentrum ein realitätsnahes Mini-Unternehmen mit echten Prozessen, echten Produkten und echter Verantwortung. Hier lernen junge Menschen nicht nur bis zu 15 verschiedene gewerbliche, technische und kaufmännische Berufe sowie duale Studiengänge kennen – sie erleben hautnah, wie ein Industrieunternehmen als Ganzes funktioniert.
„So blicken sie weit über ihr eigenes Berufsbild hinaus und erkennen, wie wichtig das Zusammenspiel aller Bereiche ist. Dabei stärken sie ihre Teamfähigkeit und Selbstständigkeit“, erklärt Udo Ohrnberger, Leiter des Ausbildungszentrums. Kreativität beweisen die Youngster etwa bei der Fertigung kundenspezifischer Blechteile wie Feuerkörbe und Gartendekoration, die sie im eigenen Online-Shop verkaufen.
Digitalisierung ist dabei gelebter Alltag: „Die Vernetzung der Maschinen ist sowohl im Ausbildungszentrum als auch im gesamten Unternehmen seit Jahren Standard“, so Ohrnberger. Auch bei der digitalen Dokumentation war LTI früh dran: „Das Online-Berichtsheft wurde als eines der ersten überhaupt eingeführt.“ Ergänzt wird das durch eine eigene Azubi-App, über die die Nachwuchskräfte jederzeit mit ihren Ausbildern in Kontakt stehen und Informationen abrufen können. „So wachsen die LTI-Youngsters ganz selbstverständlich mit den digitalen Prozessen von morgen auf.“
Vielseitige, kreative und praxisnahe Ausbildung
Wie vielseitig Ausbildung heute sein kann, zeigt auch das Unternehmen R. Stahl in Waldenburg – mit Projekten, die technologische Kompetenz ebenso fördern wie kreative Eigenverantwortung. Besonders erfolgreich ist etwa das Social-Media-Team, in dem Auszubildende eigenständig Inhalte für die offiziellen Kanäle des Unternehmens planen und umsetzen. „Von der Themenrecherche über die Produktion von Fotos, Videos und Texten bis hin zur Auswertung der Reichweiten sind die Auszubildenden in alle Schritte des Kommunikationsprozesses eingebunden“, erklärt Marilena Grigo, Ausbildungsverantwortliche bei R. Stahl.
Auch technologisch ist R. Stahl stark aufgestellt: „Unsere Ausbildungswerkstatt verfügt über eine moderne SPS-Anlage, die speziell für die Ausbildung eingesetzt wird“, erklärt Grigo. Da nur wenige Betriebe in der Region über eine vergleichbare Ausstattung verfügen, kommen regelmäßig auch Auszubildende anderer Unternehmen zur Schulung – etwa von Stahl CraneSystems GmbH, Würth Elektronik eiSos und Würth Elektronik ICS.
So entsteht ein praxisorientiertes Lernumfeld, in dem Wissen geteilt und Erfahrungen ausgetauscht werden. „Durch diese enge Zusammenarbeit profitieren nicht nur die Auszubildenden von R. Stahl, sondern auch die Teilnehmenden aus den Partnerunternehmen“, so die Ausbildungsverantwortliche.
Abwechslungsreiche Ausbildung im öffentlichen Dienst
Der überbetriebliche Wissenstransfer wird aktiv gefördert, und die Azubis bauen ein persönliches Netzwerk über Unternehmensgrenzen hinweg auf. Wie abwechslungsreich Ausbildung auch im öffentlichen Dienst sein kann, zeigt das Landratsamt Schwäbisch Hall. Dort starten junge Menschen in vielfältige Ausbildungsberufe – von Kaufleuten für Büromanagement über Verwaltungsfachangestellte und Vermessungstechniker bis hin zu Beamtenanwärterinnen und -anwärtern des mittleren Dienstes. Auch ein Straßenwärter ist mit dabei.
Der Einstieg ins Berufsleben beginnt mit einer Einführungswoche, in der die Azubis die verschiedenen Standorte und Aufgabenbereiche kennenlernen. Dabei erhalten sie praxisnahe Einblicke in die tägliche Arbeit, etwa durch die Mitarbeit bei Anliegen im Bürgerservice, die Unterstützung bei der Organisation von Veranstaltungen oder die Mitwirkung an Digitalisierungsprojekten in der Verwaltung.
In der Vermessungsabteilung führen die Nachwuchskräfte eigenständig Geländeerhebungen durch, während der Straßenwärter aktiv zur Verkehrssicherheit beiträgt. „Die Aufgaben des Landratsamts sind so vielseitig und unterschiedlich wie die Menschen im Landkreis selbst“, sagt Carolin Hohl aus dem Ausbildungsteam.
Teresa Zwirner


