Der Landkreis Schwäbisch Hall setzt auf eine klare Klimastrategie. Im Interview erklären Klimaschutzmanagerin Caroline Schöner und Dietmar Stütz, Leiter des Straßenbetriebsdienste, warum der gesamte Fuhrpark auf HVO umgestellt wurde.

Der Landkreis Schwäbisch Hall hat 2025 sein Klimaschutzkonzept überarbeitet. Welche Schwerpunkte setzen Sie für die nächsten fünf Jahre?
Caroline Schöner: Darin werden zwei zentrale Ziele verfolgt: Zum einen die „Klimaneutrale Verwaltung“ mit Maßnahmen in den Bereichen Beschaffung, Mobilität und Gebäudemanagement, zum anderen der Bereich „Klimaschutz im Landkreis“ für Kommunen, Unternehmen, Privatpersonen und weitere Institutionen. Unter Mitwirkung des Klimabeirats wurden dafür 50 konkrete Maßnahmen für die kommenden fünf Jahre definiert. Sie sollen die CO₂‑Emissionen im gesamten Landkreis senken.
Welche Rolle übernimmt dabei das neu ausgerichtete Klimazentrum?
Schöner: Der Landkreis betreibt bereits seit 2002 ein Energiezentrum, das 2025 in Klimazentrum umbenannt und dessen Aufgabenspektrum erweitert wurde. Im Rahmen der landkreisweiten Klimastrategie wurden neue Projekte, wie zum Beispiel die direkte Unterstützung der Kommunen beim Thema Klimaschutz, Energiemanagement und Wärmewende, angegangen. Das Klimazentrum spielt bei der Umsetzung von Maßnahmen die zentrale Rolle.
Der Landkreis Schwäbisch Hall setzt auf den HVO-Kraftstoff
Ein sichtbar großer Schritt ist die komplette Umstellung des Fuhrparks auf HVO (Dieselersatz aus hydrierter Biomasse). Warum hat sich der Landkreis dafür entschieden?
Dietmar Stütz: Dieser Schritt war ein deutliches Zeichen der Landkreisverwaltung, aktiv die Treibhausgase im Sektor „Verkehr“ zu reduzieren und so im Sinne des Klimaschutzgesetzes und dem Gesetz über die Beschaffung sauberer Straßenfahrzeuge zu agieren. Durch den Einsatz von HVO-Kraftstoff reduzieren sich nicht nur die CO₂-Emissionen um 70 bis 90 Prozent, durch die saubere Verbrennung ergibt sich auch eine Verbesserung bei den Schadstoffemissionen der Motoren.
Was macht HVO aus Ihrer Sicht besonders geeignet für den Landkreis?
Stütz: HVO-Kraftstoffe sind frei von fossilen Bestandteilen, da diese aus drei pflanzlichen Rest- und Abfallstoffen sowie aus Altspeisefetten hergestellt werden. Durch die Zweitnutzung von nachwachsenden Rohstoffen ist HVO ökologisch wertvoll. Durch den Einsatz von alternativen Kraftstoffen für den gesamten Fuhrpark des Landkreises kann eine Reduzierung von Treibhausgasen erreicht werden. Alternative Kraftstoffe sind auch eine Möglichkeit, um sämtliche Nutzfahrzeuge in den Straßenmeistereien, im Forst et cetera längerfristig klimaschonend betreiben zu können.
Damit das funktioniert, braucht es eine verlässliche Versorgung. Wie haben Sie dafür die Infrastruktur aufgebaut?
Stütz: Mit dem Neubau der Tankstelle in der Straßenmeisterei Schwäbisch Hall betreibt das Straßenbauamt inzwischen drei eigene Tankstellen mit dem neuen Kraftstoff. Somit können allein am Standort in Schwäbisch Hall rund 40.000 Liter HVO-Diesel vorgehalten werden. Der HVO-100-Treibstoff ist seit Mai 2024 auf dem Markt frei erhältlich und wird bereits jetzt an vielen Tankstellen angeboten. Somit ist die Verfügbarkeit über regionale Lieferanten und Händler gewährleistet.
Nachhaltig und auch bei extremen Temperaturen einsatzbereit
Viele Kommunen setzen auf E-Mobilität oder Wasserstoff. Haben Sie diese Optionen ebenfalls geprüft?
Stütz: Das Straßenbauamt steht hierzu in regelmäßigem Austausch mit Drittanbietern und anderen Landkreisen und beteiligt sich aktiv an Fortbildungen wie dem Kolloquium Straßenbetrieb 2025. Eine dort präsentierte Pilotstudie hat zentrale Herausforderungen bei der Elektrifizierung des Straßenbetriebsdienstes aufgezeigt.
Wo liegen die größten Hürden – gerade mit Blick auf den Winterdienst?
Stütz: Gerade im 24-Stunden-Wintereinsatz fehlen derzeit Fahrzeuge mit ausreichender Batteriekapazität. Zudem wären mindestens zwei Schnellladesäulen mit je 650 kW sowie entsprechende Netzleistungen erforderlich. Auch wirtschaftlich wäre das ein erheblicher Aufwand. Hinzu kommt, dass aktuell keine batterieelektrischen Fahrzeuge am Markt verfügbar sind, die die speziellen Anforderungen des Straßenbetriebsdienstes erfüllen.
Und mit HVO-Einsatz entstehen diese ganzen Nachteile nicht?
Stütz: Die Kältebeständigkeit des HVO 100 ist sehr gut und für unsere Einsatzstruktur und für die uns bekannten Witterungsverhältnisse hervorragend geeignet.
Mit Blick auf zunehmende Wetterextreme: Wie kann der Landkreis den Winterdienst zuverlässig und gleichzeitig klimafreundlich betreiben?
Stütz: Mit dem Einsatz von HVO 100 können wir sowohl mit sehr hohen als auch mit sehr niedrigen Temperaturen unsere betrieblichen Anforderungen erfüllen. Das Vorgehen ist nachhaltig, da wir vorhandene Ressourcen im Fuhrpark weiter nutzen und nicht vorzeitig abstoßen müssen.
Interview von Teresa Zwirner
Zu den Personen
Caroline Schöner ist Klimaschutzmanagerin des Landkreises Schwäbisch Hall, Dietmar Stütz ist Leiter des Straßenbetriebsdienstes des Landkreises Schwäbisch Hall.


