„Wir haben viele Chancen“: David Gerstner, Vorstandsmitglied der Deutschen Leasing, über die Finanzierung von Transformation

Autos zu leasen, ist seit Jahrzehnten bewährt. Dabei lassen sich auch Anschaffungen für mehr Nachhaltigkeit, Effizienz und digitale Transformation leasen. David Gerstner, seit zwei Monaten im Vorstand der Deutschen Leasing und Speaker beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer, bemerkt ein Umdenken bei Unternehmen.

David Gerstner
David Gerstner ist Finanzexperte für den Mittelstand. Er spürt aktuell die Investitionszurückhaltung der Unternehmen. Foto: Deutsche Leasing/Foto Rohde

Herr Gerstner, bei Leasing denken die meisten zuerst an Autos. Dabei lässt sich viel mehr leasen: Unter-nehmen können ihre Transformation vorantreiben, indem sie effizientere Anlagen, Photovoltaik oder IT leasen. Könnten Unternehmen bei Leasing-Objekten noch kreativer werden?

Gerstner: Unternehmen investieren in Transformation vor allem, wenn sie außer der wirtschaftlichen Dimension weiteren Nutzen daraus ziehen: wenn eine neue Maschine sparsamer ist, weil sie mit ihr schneller oder energiesparender produzieren können. Anderes Beispiel: Wir haben in Deutschland sehr hohe Energiekosten. Das ist für Unternehmen ein Anreiz, in erneuerbare Energien, in Blockheizkraftwerk- oder Speichertechnologien zu investieren. Wir glauben, dass die Transformation von Unternehmen nicht an der Finanzierung scheitern sollte.

Scheitert sie denn oft daran?

Gerstner: Finanzierungen können herausfordernder werden, wenn sich Unternehmenszahlen und damit die Kreditwürdigkeit aufgrund der nachlassenden Nachfrage verschlechtern. Tatsächlich sagen laut der Erhebung der KfW-IFO-Kredithürde vom zweiten Quartal 2025 35,2 Prozent der Unternehmen, dass sie Kreditvergaben als restriktiv empfinden. Das ist der höchste Wert seit Einführung dieser Erhebung 2017. Und diese Zurückhaltung hat sich auch im dritten Quartal fortgesetzt.

Die Vorteile des Leasings für Unternehmen

Sind es also die Banken, die Unternehmen Steine in den Transformationsweg legen?

Gerstner: Da sollte niemand mit dem Finger auf einen Alleinschuldigen zeigen. Für Finanzierungshürden sind nicht nur die Banken verantwortlich. Kunden bekommen niedrigere Ratings, weil ihre Bonität sich verschlechtert, das müssen Banken selbstverständlich berücksichtigen. Außerdem wurden dem europäischen Bankenmarkt in den vergangenen Jahren massive Restriktionen auf die Kapitalverfügbarkeit auferlegt, die als Folge der Finanzkrise von der Bankenaufsicht gewollt sind.

Und deshalb ist Leasing der aussichtsreichere Weg, nötige Investitionen zu finanzieren?

Gerstner: Leasing ist ein echter Möglichmacher für Unternehmen. Investitionen werden planbar und bezahlbar. So können Unternehmen nachhaltig und kontinuierlich in Technologie und Digitalisierung investieren, und trotzdem ihr Eigenkapital schonen und handlungsfähig bleiben.

Eine Kreditfinanzierung senkt die Eigenkapitalquote allerdings auch nicht – worin besteht also der Vorteil?

Gerstner: Leasing wirkt sich auf die Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens positiver aus als ein Kredit, weil die Raten als Betriebsausgaben steuerlich geltend gemacht werden können. Und: Mit Leasing kann man technisch immer auf dem neuesten Stand bleiben.

Investitionszurückhaltung als bundesweites Phänomen

Wie viele Unternehmen entscheiden sich aus Ihrer Erfahrung, lieber Leasingnehmer als Gläubiger zu werden?

Gerstner: Laut einer Studie des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen aus dem Jahr 2025 erwägen drei von fünf Unternehmen, Leasing für ihre Investitionen zu nutzen. Von denen entscheiden sich 82 Prozent am Ende dafür. Das ist, finde ich, eine sehr gute Umsetzungsquote – tatsächlich die höchste, die bislang gemessen wurde.

Bemerken Sie in Ihrer Funktion die oft beschworene Investitionszurückhaltung im deutschen Mittelstand?

Gerstner: Mit Sicherheit. Diese Zurückhaltung ist ein deutschlandweites Phänomen. Ballungsräume mit dem Schwerpunkt Maschinenbau und Automobilzulieferung leiden beispielsweise stärker als andere Regionen, aber in den vergangenen drei Jahren gab es rückblickend fast keine Branche, die nicht betroffen war. Doch diese Zurückhaltung ist sehr unterschiedlich ausgeprägt, je nachdem, wie stark das Unternehmen regional verankert ist.

„Die Krise trifft Heilbronn-Franken nicht ganz so schlimm“

In Heilbronn-Franken sind Zulieferbetriebe und Maschinenbau stark. Wie steht es dort um die Investitionsfreude?

Gerstner: Die Region kenne ich recht gut. Natürlich gibt es dort die klassischen Maschinenbauer, die Zulieferer, die Metallverarbeiter. Die sind, genau wie in anderen Regionen, betroffen von der aktuellen Lage. Trotzdem hat Heilbronn-Franken ein paar Besonderheiten, die es von anderen unterscheiden: Heilbronn mit seinem starken IT-Fokus, der sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Und starke Unternehmen, die ihren Standort nicht nur halten, sondern vergrößern. Ich vermute, die Krise trifft Heilbronn-Franken nicht ganz so schlimm wie angrenzenden Regionen rund um Stuttgart, die stärker am Tropf der Automobilindustrie hängen.

Was passiert in Regionen, die kaum Branchenmix aufweisen?

Gerstner: Mittelgroße Player überlegen, ob sie woanders bessere Rahmenbedingungen finden. Sehr Große haben das oft schon getan, überlegen aber, wie sie weiter optimieren können. Das führt dann dazu, was wir gerade in den Zeitungen lesen: Entweder bauen Unternehmen in Deutschland Stellen ab oder sie verlagern ihre Standorte in andere Teile der Welt. Das ist eine sehr traurige Entwicklung.

Viele Unternehmen investieren im Ausland

Wie stark wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?

Gerstner:  Wir sind diejenigen, die gemeinsam mit den Sparkassen Ersatz- und Neuinvestitionen des Mittelstands finanzieren. Deshalb spüren wir als Deutsche Leasing deutlich, dass Investitionen momentan zurückgehalten oder sehr vorsichtig angegangen werden. Das KfW-Mittelstandspanel zeigte im November 2025, dass insgesamt nur 39 Prozent von 1,5 Millionen Unternehmen Investitionsprojekte umgesetzt haben. Das ist ein Wert nahe des Allzeittiefs.

Und wenn überhaupt investiert wird, dann im Ausland.

Gerstner: Ja, viele Unternehmen orientieren sich gerade ins Ausland –  insbesondere Europa und Asien. Diese Tendenz bemerken wir auch in Kundengesprächen. Es hilft uns, im Ausland in 22 Ländern präsent zu sein, um unsere Kunden dort mit ihren Investitionen zu begleiten.

Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist das weniger erfreulich.

Gerstner: Da fällt eine gute Prognose tatsächlich schwer, sofern es in Deutschland keine Strukturreformen gibt. Eine Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) zeigt:  zwei von drei Industrieunternehmen planen, ihre Produktion zu verlagern. Das ist nicht ein bisschen Schwund – das sind zwei Drittel der produzierenden Industrie. In den nächsten drei bis fünf Jahren wird man eine deutliche Veränderung der Industriestrukturen in Deutschland sehen. Das Land befindet sich im Umbruch: ökonomisch, strukturell und geopolitisch. Wohin das führt, kann ich heute noch nicht sagen.

„Deutschland hat bisher alle Krisen überstanden“

Ließe sich dieser Prozess mit Reformwillen noch stoppen?

Gerstner: Strukturreformen würden zwar bedeuten, dass jeder einen Beitrag leistet. Aber noch schwieriger wird es, wenn der Staat den Weg der vergangenen Jahre fortsetzt und die Taschen noch weiter aufmacht.

Was wünschen Sie sich für Ihre Kunden und den regionalen Mittelstand?

Gerstner: Politisch wünsche ich mir Mut zu Strukturreformen und planbare Rahmenbedingungen. Aber erfolgreiche Unternehmer brauchen auch eine positive Grundeinstellung, statt immer dasselbe Lied der Klage anzustimmen. Wir haben viele Chancen. Deutschland hat bisher alle Krisen überstanden. Ich glaube, dass wir das wieder schaffen können – auch dank unseres kreativen Mittelstands.

Interview von Natalie Kotowski


Zur Person

Seit 1. Dezember 2025 ist David Gerstner im Vorstand der Deutschen Leasing für das Sparkassen- und Mittelstandsgeschäft verantwortlich. Zuvor war der Diplom-Kaufmann stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hochrhein.


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