Zahlreiche deutsche CEOs zweifeln an der Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens. Der Grund: Klassische Strategien reichen nicht mehr aus. Laut Clemens Koch, Leiter Markets & Financial Services bei PwC Deutschland, liegt der Schlüssel in Business-Ökosystemen, die neue Wertschöpfung über Branchengrenzen hinweg ermöglichen.

Disruptive Innovationen sind längst Teil des unternehmerischen Alltags. 37 Prozent der CEOs in Deutschland bezweifelten laut 28. PwC CEO Survey, dass ihr Unternehmen bei unverändertem Kurs in zehn Jahren noch wirtschaftlich tragfähig sein wird. Globale Megatrends wie Künstliche Intelligenz, die Klimakrise und geopolitische Verschiebungen transformieren Branchen, verschieben Märkte und erhöhen den Handlungsdruck für den Mittelstand.
Für Unternehmen bedeutet das: Wachstum entsteht dort, wo neue Kundenbedürfnisse, neue Technologien und neue Partnerkonstellationen zusammenkommen. Die klassische Industrie- und Sektorlogik löst sich zunehmend auf. An ihre Stelle treten Ökosysteme, in denen Unternehmen ihre Fähigkeiten und Angebote gezielt bündeln, um Kundenprobleme gemeinsam zu lösen. Auf diese Weise entsteht neue Wertschöpfung, weil Leistungen, Daten und Services über Branchengrenzen hinweg sinnvoll kombiniert werden.
Geschäftsmodelle neu denken
Die Dimension ist erheblich: PwC zeigt in der Studie „Value in Motion“, dass sich jährlich große Umsatzvolumina verlagern. Weltweit liegt die Größenordnung aktuell bei rund 7,1 Billionen US-Dollar, in Deutschland bei etwa 240 Milliarden US-Dollar.
Die Optimierung einzelner Produkte und Services reicht nicht mehr aus. Um relevant zu bleiben, müssen Unternehmen ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten. So entwickelt sich beispielsweise ein Pharmaunternehmen vom reinen Medikamenten-Hersteller zu einem “Health as a Service”-Anbieter mit datengetriebenen Lösungsansätzen zur personalisierten Versorgung. Ähnlich verändert sich die Automobilindustrie. Fahrzeuge werden zunehmend zu digitalisierten Plattformen, deren Mehrwert über Software und neue Dienste im Zusammenspiel eines Mobilitätsökosystems entsteht.
Im Zentrum steht dabei immer ein modulares Werteversprechen entlang von Kundenbedürfnissen, das sich über Branchengrenzen hinweg erweitern lässt. Historisch dachten Unternehmen vor allem in Produkten, später wurden sie um Servicegeschäfte erweitert. Mit der digitalen Revolution gewannen Plattformstrategien an Bedeutung. Heute gelten Business-Ökosysteme als nächste Entwicklungsstufe und prägen bereits die globale Wirtschaft.
Die Resilienz des Unternehmens stärken
Gleichzeitig zeigt sich in Deutschland noch Zurückhaltung: Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom kooperiert beispielsweise nur ein Drittel der Unternehmen mit Tech-Startups. Oft wird der Mehrwert von Kooperationen unterschätzt oder mögliche Partner werden vorschnell als Konkurrenz gesehen. Das ist eine Einstellung, die sich die etablierte Wirtschaft und insbesondere der Mittelstand schlicht nicht mehr leisten kann.
Mittelständische Unternehmen müssen lernen, mit Unsicherheit umzugehen, schnell zu agieren und mutig zu investieren. Der Wandel beschleunigt sich durch technologische Innovation stetig. Wer jetzt zögert, verliert den Anschluss. Disruption eröffnet neue Möglichkeiten für Wachstum. Entscheidend ist, diese bewusst in eine klare Strategie zu überführen. Jetzt gilt es, die Weichen für Innovation zu stellen und die Resilienz des Unternehmens nachhaltig zu stärken.
Clemens Koch
Zur Person
Clemens Koch ist seit 2018 Mitglied der Geschäftsführung von PwC Deutschland und verantwortet die Bereiche Markets und Financial Services. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Managementerfahrung in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Beratung bei einer Vielzahl von Unternehmen.


