Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall: Impressionen des ersten Gipfeltages

Die alte Weltordnung wurde in den vergangenen Wochen demontiert. Wie deutsche Unternehmer darauf reagieren sollten und welche Instrumente in eine erfolgreiche Zukunft führen, war das Leitthema des ersten Konferenztags beim „Gipfeltreffen der Weltmarktführer“ in Schwäbisch Hall.

Impressionen vom Gipfeltreffen der Weltmarktführer 2026
Das Gipfeltreffen der Weltmarktführer findet am 4. und 5. Februar 2026 in Schwäbisch Hall statt. Fotos: Weltmarktführer 2026/Foto Vogt

Eine deutsche Motorsäge hat sprichwörtlich den Durchbruch geschafft. Das wussten die mehr als 600 Gäste beim diesjährigen „Gipfeltreffens der Weltmarktführer“ in Schwäbisch Hall spätestens nach dem ersten Veranstaltungstag. Nicht nur, weil Andreas Stihl das portable Werkzeug vor genau 100 Jahren erfand und es für das Traditionsunternehmen Stihl den Weg zur Marktführerschaft freischnitt.

Sondern auch, weil die Stihl-Säge in der finalen Staffel der Science-Fiction-Mysteryserie „Stranger Things“ bei Netflix zu überraschender Prominenz kam. Schauspieler Joe Keery sieht in Folge Drei das Waiblinger Erfolgsmodell im Werkstattregal und nutzt es, um im Film den Durchbruch zu einer anderen Welt zu schaffen.

Besonders geschicktes Product Placement? Nein, beteuerte Dr. Nicolas Stihl, Vorsitzender des Beirats der Stihl Holding und Enkel des Firmengründers, im Gespräch mit Wirtschaftswoche-Chefredakteur Horst von Buttlar. „Darauf sind die Amerikaner ganz von selbst gekommen, wir wussten davon gar nichts – und haben auch nichts dafür bezahlt.“

Analytische Töne und zupackende Stimmung

Den Durchbruch geschafft hatten die Unternehmenslenker, die mit am ersten Konferenztag von gelungenen Transformationen und positiven Entwicklungen trotz Krisenzeiten berichteten – so wie Stihl, der den Wachstumsmarkt für Akkumodelle zusätzlich zu den benzinbetriebenen Klassikern beschrieb.

Dabei war es um Kettensägen zuletzt ruhig geworden. Im vergangenen Jahr war das martialische Werkzeug noch für manchen Unternehmer beim Weltmarktführergipfel das Instrument der Wahl, um überbordende Bürokratie zu beschneiden.

Redebeiträge und Forderungen klangen vor dem Regierungswechsel 2025 mitunter fast so laut wie Baumfällarbeiten. Dagegen dominierten am ersten Veranstaltungstag des diesjährigen Wirtschaftsgipfels für Hidden Champions und Mittelstand in den Räumen der Bausparkasse Schwäbisch Hall leisere, dafür aber analytischere Töne. Viele Unternehmer im Publikum goutierten die unaufgeregte, aber zupackende Stimmung.

Neue geopolitische Kräfteverhältnisse

Klar wurde in allen Beiträgen: Die alte Ordnung ist zerbrochen. Für Weltmarktführer und Hidden Champions, aber auch die Politik in Deutschland und Europa gilt, den Durchbruch in eine „neue Welt“ zu schaffen angesichts der geopolitischen Kräfteverhältnisse. Die Instrumente, um disruptive Szenarien zu bewältigen, ähnelten sich, egal welcher Speaker auf dem Podium stand: Allianzen suchen, ausländische Märkte verstehen, Kreislaufwirtschaft stärken und so gut es geht digitale Souveränität anstreben.

Denn „nichts ist für immer“, wie Stefan Klebert, CEO der GEA Group, konstatierte. Der Kopf des weltgrößten Systemanbieters für Nahrungsmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie hatte seit seinem Antritt 2019 radikal saniert und aus dem angeschlagenen Unternehmen einen DAX-Konzern gemacht. Klebert plädierte im Anschluss an seine Keynote dafür, Forschung- und Entwicklungsprojekte für das eigene Geschäft auch nach China zu verlagern. Innovationen in Nachhaltigkeit in Europa und speziell Deutschland seien hingegen hierzulande gut aufgehoben, „darin besteht eine Chance“.

So sah es auch Oliver Rentschler, Leiter der Abteilung Klimaaußenpolitik und Geoökonomie im Auswärtigen Amt, der live zugeschaltet war. Wechselnde strategische Allianzen zwischen Mittelmächten mit ähnlichen Interessen seien die neue Realität, „und das ist Work in Progress.“ Aus seiner Sicht der Schlüssel: „Wir müssen selbst besser werden. Daran müssen Unternehmen und Politik Hand in Hand arbeiten.“

Risiken managen und Krisenfestigkeit stärken

Wer als Unternehmer Durch- und Umbrüche erlebt und begleitet, braucht andere Werkzeuge als Kettensägen: Vorausschauendes Risikomanagement, wie der KPMG-Strategieberater Dr. Benedikt Herles betonte. Mut zu neuen Geschäftsmodellen, selbst wenn Schlüsselbranchen dadurch herausgefordert werden, wie Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), gemeinsam mit Branchenexpertin Beatrix Keim betonte.

Die eigene Krisenfestigkeit stärken, wie Dr. Stihl als Beiratsvorsitzender der Holding des Motorsägen-Marktführers betonte: „Ich weiß, Resilienz ist das Schlagwort der Stunde, aber bei uns ist es seit Jahrzehnten gelebte Praxis.“ Das bedeute für ihn, konsequent auch in Deutschland zu investieren, Austausch mit ähnlich strukturierten Unternehmen zu suchen und nicht zwischen den Märkten USA und China abzuwägen, sondern beide konsequent zu sichern und auszubauen.

„Innovation als Grundhaltung“ nannte Petra Scharner-Wolff, CEO der OTTO Group, als Basis für die strategische Neuausrichtung der Firmengruppe vom Kataloganbieter zum riesigen Online-Händler. Kundenvertrauen werde in disruptiven Zeiten sogar noch wichtiger – Scharner-Wolffs Überzeugung nahm direkt im Anschluss Isabell Knauf aus dem fränkischen Familienunternehmen Gebrüder Knauf auf, dem weltmarktführenden Hersteller von Gipsprodukten für die Baubranche. Der setzen steigende Preise zu – umso wichtiger sei Effizienz. Gleichzeitig lautete Knaufs Prognose: „Deutschland wird kein Niedriglohnland. Ich warne aber davor, wertvolle Arbeitskräfte in Frührente zu schicken.“

Weltpolitische Umwälzungen als Herausforderung

Wie wichtig die Faktoren sind, die in der Vergangenheit vielleicht nicht von allen betrachtet wurden: Daten sammeln, und für die wichtigsten souveräne Clouds zu wählen, China als potenziellen Markt im Blick zu behalten, langfristig zu investieren – und geeignete Finanzierungsmodelle zu finden – darum ging es auch in den vier parallelen Masterclasses am Nachmittag.

Dort sprach Yiyang Huang vom Generalkonsulat der Volksrepublik darüber, wie das Deutsch-Europäische Zentrum für KMU in China (DEZ) deutsche Unternehmen unterstützen kann. Alexander Busam und Damian Kirtz von adesso zeigten Strategien, wie Unternehmen digital souveräner werden. Die Rechtsexperten Daniel Fehling und Robert Korndörfer von der Rechtsanwaltkanzlei GSK Stockmann informierten über private Equity, und Kai Kauffmann von PwC hielt eine exklusive Masterclass zum Thema KI-Agenten.

Fazit: Zerlegt wurde zwar vieles am ersten Tag des „Gipfeltreffens der Weltmarktführer“. Allerdings nicht brachial in Kettensägen-Manier. Sondern mit sezierendem, fokussierten Blick auf weltpolitische Umwälzungen, die die Unternehmen herausfordern. Ein Tenor hallte deutlich nach – und der klang nach Zuversicht: Wenn Entscheider – ob in Wirtschaft oder Politik – ins Handeln kommen, bestehen gute Aussichten auf eine stabile Basis, auf der Neues aufbauen kann.                    

Natalie Kotowski

Impressionen vom ersten Gipfeltag

Red.

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