Wie sollen Unternehmer Herausforderungen in den Feldern Digitalisierung, Dekarbonisierung und mehr anpacken? Klar wurde am zweiten Tag des Gipfeltreffens der Weltmarktführer: Unternehmer sollten bei Herausforderungen wie Lotsen agieren – oder sich externe Unterstützung holen.

Der Buchstabe „D“ kommt im Alphabet nach „K“. Zumindest war das am zweiten Konferenztag des „Gipfeltreffens der Weltmarktführer“ in Schwäbisch Hall der Fall, wo unternehmerischer Erfolg neu buchstabiert wurde. Waren zum Auftakt beim CEO-Abend vor den eigentlichen Konferenztagen die vier „K“s – Kreativität, Kooperation, Kulturförderung und Kommunikation – die Basiskompetenzen, die der Mittelstand heute für eine erfolgreiche Zukunft benötigt, ging es an Tag Zwei des Weltmarktführergipfels um vier „D“s.
Moderatorin Varinia Bernau, Ressortleiterin Management und Karriere beim Gastgeber Wirtschaftswoche nannte die vier Mega-Trends, die das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) untersucht hat: De-Globalisierung, Demografie, Dekarbonisierung und Digitalisierung. Diese Trends sind es, die Weltmarktführer, Hidden Champions und klassische Mittelständler herausfordern. Und es zeigte sich in den Vorträgen und Reaktionen der Gäste: Der Umgang mit diesen Herausforderungen ist für viele längst Realität.
„Holen Sie sich einen Lotsen an Bord“
Vermutlich unabsichtlich schuf Speaker Sven Killmer, CEO des mittelständischen Metallveredlers Härtha Group, eines der prägnantesten Bilder des zweiten Konferenztages: Um im Meer der Möglichkeiten und Anforderungen an den Mittelstand nicht unterzugehen, braucht es versierte Lotsen. Er selbst hatte externe Unterstützung von Bosch Climate Solutions, als es darum ging, sein energieintensives Unternehmen hin zu mehr Energieeffizienz und Nachhaltigkeit zu transformieren.
„Die Welt wäre einfacher, wenn alle das tun, was du als Entscheider willst. Tun sie aber nicht. Deshalb rate ich: Holen Sie sich einen Lotsen an Bord“, appellierte er an die Zuhörer. Ein CEO sei der Kapitän auf der Brücke, bei ihm habe der Sturm in Krisenzeiten – explodierende Energiekosten, erodierende Margen – einen enormen Willen erzeugt, umzusteuern und auf externe Lotsen zu hören.
Vor allem die Unternehmen geben den Kurs vor
Dr. Joachim Schönbeck, CEO der Andritz AG, sah die Verantwortung für einen sicheren Kurs auch bei der jeweiligen Bundesregierung. Seit 2021 führt Schönbeck den börsennotierten österreichischen Konzern, der weltweit führender Anbieter von Anlagen und Services für die Zellstoff- und Papierproduktion, Metallindustrie, Wasserkraftwerke sowie den Umwelt- und Energiesektor ist.
Auf Lotsen in der Politik komme es gerade beim Thema Nachhaltigkeit an: „Es braucht ein klares Bekenntnis: Wollen wir grüne Technologien oder nicht. „Wenn sich Regeln alle vier Jahre ändern, schafft das eine Unsicherheit, die sicherlich keinen Investor hinter dem Ofen hervorlockt.“
Besonders kommt es aber auf die Unternehmer selbst an – darin waren sich die Referenten einig. Ob Unicorn-Gründer Daniel Khachab und Niklas Harzheim, Digital Industry Lead bei OpenAI, die im Doppel mit Wirtschaftswoche-Redakteurin Bernau über die Chancen und Implementierungsmöglichkeiten von KI sprachen, und etwas später auch Stefan Bär von der Nagarro GmbH in Bezug auf Digitalisierung von Unternehmen: „Die Entscheidung dafür muss von oben kommen“, wie alle drei betonten.
Oder anders gesagt: Führungspersönlichkeiten sollten ihre Lotsenfunktion für Mitarbeiter und Kunden wahrnehmen – so entsteht die größtmögliche Wertschöpfung. Unterstützung dabei können auch externe Beratungs- und Servicepartner bieten.
Von Schwierigkeiten hin zu positiver Energie
Eine der größten Lotsinnen des zweiten Gipfeltags war aber vermutlich die mehrfache Olympiasiegerin und Biathlon-Weltmeisterin Magdalena Neuner, die gleichzeitig Schirmherrin der „Peak Performer Stiftung – die erste Stiftung für mehr Freude am Leisten“ ist. In den Kids Camps, die die Stiftung anbietet, sammeln Jungen und Mädchen sportliche Erfolge und lernen spielerisch, Ehrgeiz zu entwickeln. Neuners prägnante Sätze hatten die Veranstaltung gleich zu beginn auf Erfolg eingeschworen: „Ob im Sport oder in der Wirtschaft, es braucht das gleiche Mindset“, sagte sie.
In beiden Disziplinen gehe es darum, Abläufe zu trainieren und fleißig zu sein. „In allem, was man übt, wird man gut. Auch Schwierigkeiten lassen sich in positive Energie umwandeln“, sagte sie überzeugt. Was es brauche, sei generell ein Grundvertrauen in das eigene Können und Glaube an sich selbst. „Ich bin kein Freund davon, äußere Faktoren für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich zu machen“, konstatierte sie – das zerstöre nur die eigene Selbstwirksamkeit.
Ob in den Keynotes der Unternehmenslenker und Gründer, in den Masterclasses oder während der Pausen zum Netzwerken: Das Motto des Gipfeltreffens der Weltmarktführer hätte an jedem Veranstaltungstag nicht besser passen können: „Von den Besten lernen“ hatte Initiator Dr. Walter Döring seinerzeit als Anspruch und Leitbild der Wirtschaftsgipfels ausgegeben. Die Besten, die in Schwäbisch Hall zu Gast waren, erwiesen sich als pragmatische, zukunftsorientierte Lotsen. Ihr Kurs: Zupackend und zuversichtlich.
Natalie Kotowski
Impressionen vom zweiten Gipfeltag








