Vom dualen Studium über die IT-Beratung bis zur angewandten Forschung: Für David Wurster führte der Weg zum beruflichen Erfolg nicht über geradlinige Karrierepläne, sondern über mutige Kurswechsel. Im Interview spricht der Fraunhofer-Forscher über prägende Entscheidungen, die Bedeutung von Intuition und seinen Antrieb, Unternehmen bei der Twin Transformation zu unterstützen.

Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am stärksten geprägt – und was hat diese Entscheidung ausgelöst?
David Wurster: Am stärksten geprägt hat mich die Entscheidung für ein duales Studium an der DHBW Mannheim. Die finanzielle Unabhängigkeit, die Einsicht in sechs (internationale) Abteilungen in sechs Semestern, und die dadurch erfahrene Vielfalt an Themen waren einige der Motive für diese Entscheidung. Darüber hinaus konnte ich in den Praxisphasen des dualen Studiums die eigenen Soft-/Social-Skills deutlich besser zum Einsatz bringen als im klassischen Universitätsstudium. Auch der spätere Wechsel in die IT-Beratung und die Wahl des berufsbegleitenden Masterstudiums waren durch das duale Studium, und die dort gemachten Erfahrungen geprägt.
Was war Ihr größter beruflicher Irrtum und was haben Sie daraus gemacht?
David Wurster: Dass der Beruf des Beraters mein Traumjob sei. Nachdem ich drei Jahre als Berater tätig war ist mir klar geworden, dass die (für mich) interessanten Themen meist kundenintern diskutiert und entschieden wurden, ohne Berater. Sicher lief nach unseren Projekten vieles effizienter, effektiver, schlicht besser. Aber liegt der Sinn meiner Tätigkeit tatsächlich im fünf Prozent effizienteren Prozess? Ist die Optimierungsspirale nicht endlich? Auf was blicke ich später zurück, nach 40 Jahren im Beruf? Welchen Impact hatte meine Tätigkeit und kann das schon alles gewesen sein? Ich kam schnell (beschleunigt durch die Corona-Zeit) zum Entschluss, dass das nicht alles gewesen sein könnte. Dies führte mich dann zur Promotion und der Arbeit beim Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI.
Was treibt Sie im Job mehr an: das Ergebnis oder der Weg dorthin?
David Wurster: Das kommt sehr stark auf die konkrete Fragestellung an. Wenn es eine komplexe Situation bzw. eine komplexe Fragestellung ist, in der das Ergebnis, die Zusammenhänge und das Vorgehen unklar sind, treibt mich der Weg sehr stark an. Das Ausprobieren neuer Wege, die Erkenntnisse und Lernkurve auf dem Weg sind dann das, was mich antreibt. Wenn es Projekte mit klaren Vorgaben und Zielen gibt, die ein klar strukturiertes Vorgehen erfordern und zulassen, ist meist das Erreichen des Ziels der größte Motivator.
Erfahrung oder Intuition: Was spielt die größere Rolle bei Ihren Entscheidungen?
David Wurster: Auch hier kann ich mich nicht für eines der beiden entscheiden, es ist immer abhängig vom Kontext, auf den sich die Entscheidung bezieht. Ich bin aber der Auffassung, dass ich durch meine langjährige (Berufs-)erfahrung meine Intuition trainiert habe. Anders gesagt, meine Intuition ist geprägt von einer Vielzahl an vergleichbaren, bereits durchlebten Situationen und Entscheidungen.
Zudem möchte ich hier gerne auf die vorherige Frage zurückkommen: In komplexen, oder chaotischen Situationen ist es oft hilfreich zuerst der Intuition zu folgen und auszuprobieren, um anschließend die gemachten Erfahrungen und Ergebnisse auszuwerten. In einfacheren, weniger komplexen Situationen können Erfahrungen und erprobte Wege den Prozess zur Entscheidungsfindung vereinfachen und dadurch beschleunigen. In meiner aktuellen Position, in der komplexe Fragen überwiegen, spielt die trainierte Intuition vermutlich eine größere Rolle.
Wie viel Struktur braucht Ihr Arbeitsalltag? Und wie viel Freiräume?
David Wurster: Struktur ist gut, sie motiviert mich, wenn ich Fortschritte mache und Arbeitsergebnisse entstehen. Zudem hilft mir Struktur zu priorisieren und den Überblick zu behalten, wenn mal wieder zu viel Themen gleichzeitig anfallen. Unter zu viel Struktur leidet dann aber häufig die Kreativität, der Raum für das Neue, Unerwartete. Deshalb würde ich sagen mein Arbeitsalltag bräuchte häufiger eine Struktur, die Freiräume für das Neue einplant, und um kreativ zu werden.
Was bedeutet Erfolg für Sie heute?
David Wurster: Erfolg bedeutet für mich heute durch angewandte Forschung, Unternehmen bei ihrer Twin-Transformation, hin zu neuen Märkten und Geschäftsmodellen, zu unterstützen und so den Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig zu stärken.
Zur Person
David Wurster ist als Teamleiter Foresight Technologies & Business Intelligence am Joint Innovation Hub Heilbronn des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI tätig.


