Erfolgsmenschen der Region: Laura Weber, CEO und Gründerin des Start-ups „clyr AI“

Vom sicheren Karriereweg im Bankwesen zur Gründerin im KI-Umfeld: Laura Weber hat sich früh entschieden, eigene Wege zu gehen. Im Interview spricht sie über prägende Entscheidungen, den Wert unkonventioneller Lebensläufe und darüber, warum für sie der Weg ebenso entscheidend ist wie das Ergebnis.

Laura Weber
Laura Weber, CEO und Gründerin von Clyr AI, setzt auf die Verbindung aus Mittelstandsverständnis und KI-Kompetenz – und verfolgt das Ziel, mit ihrer Arbeit nachhaltigen Impact in Unternehmen zu schaffen. Foto: Laura Weber

Welche Entscheidung hat Ihre Karriere am stärksten geprägt – und was hat diese Entscheidung ausgelöst?

Laura Weber: Meine persönliche Karriere hat mich vor allem durch die bewusste Entscheidung geprägt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen und damit von einem klassischen, vorgezeichneten Weg abzuweichen. Ich bin in einem eher konservativen Umfeld aufgewachsen, in dem ein sicherer Arbeitsplatz einen hohen Stellenwert hatte. Entsprechend begann ich meine berufliche Laufbahn zunächst im Bankwesen. Nach meinem Realschulabschluss folgte ich damit einem klassischen Bildungs- und Karriereweg.

Mit der Zeit wurde mir jedoch zunehmend bewusst, dass ich mehr erreichen und neue Perspektiven erschließen möchte. Die prägende Zäsur war schließlich meine Entscheidung, aus diesem vorgezeichneten Weg auszubrechen und meinen eigenen Vorstellungen zu folgen. Ich habe bewusst neue Erfahrungen gesucht, internationale Einblicke gewonnen und in verschiedenen Ländern gearbeitet.

Was war Ihr größter beruflicher Irrtum und was haben Sie daraus gemacht?

Laura Weber: Mit meinen 26 Jahren kann ich nicht sagen, dass ich bisher grundlegende Fehlentscheidungen getroffen habe. Meine beruflichen Entscheidungen habe ich meist aus dem Bauch heraus oder auf Basis der sich bietenden Chancen getroffen.

Lange Zeit bin ich jedoch davon ausgegangen, dass gerade in meinem beruflichen Umfeld ein klar vorgezeichneter akademischer Weg – etwa über sogenannte Target-Universitäten – eine zwingende Voraussetzung ist. Diese Annahme hat sich für mich inzwischen relativiert.

Ich habe erkannt, dass ein vielseitiger Werdegang und unterschiedliche Erfahrungen einen ebenso hohen Wert haben. Gerade die Tatsache, dass ich verschiedene Perspektiven kennengelernt habe, erweist sich heute als Vorteil. In der Zusammenarbeit mit mittelständischen Unternehmen hilft mir insbesondere meine Bodenständigkeit sowie mein breiter Erfahrungshorizont.

Was treibt Sie im Job mehr an: das Ergebnis oder der Weg dorthin?

Laura Weber: Mich treibt vor allem der Weg selbst an. Ich starte in den Tag mit der Motivation, mit unterschiedlichen Menschen im Mittelstand zusammenzuarbeiten – genau diese Vielfalt und Dynamik empfinde ich als besonders bereichernd. Ein wesentlicher Antrieb besteht für mich darin, gemeinsam Prozesse zu gestalten und Entwicklungen voranzubringen.

Entscheidend ist für mich die Arbeit mit Menschen: Sie eröffnet die Möglichkeit, Perspektiven aufzuzeigen und Impulse zu geben, die über das rein Fachliche hinausgehen. Genau dieser Austausch und die Chance, neue Blickwinkel zu vermitteln, motivieren mich nachhaltig. Das Ergebnis ist für mich aber natürlich auch relevant, insbesondere im Hinblick auf einen messbaren Return on Investment.

Erfahrung oder Intuition: Was spielt die größere Rolle bei Ihren Entscheidungen?

Laura Weber: Für mich kommt es auf die Kombination aus Erfahrung und Intuition an. Gerade bei eigenen Karriereentscheidungen messe ich dem Bauchgefühl eine hohe Bedeutung bei, da es oft ein verlässlicher Indikator dafür ist, was zu den eigenen Zielen und Werten passt.

Gleichzeitig habe ich gelernt, dass Intuition nicht ausschließlich richtungsweisend ist, sondern ebenso fehlleiten kann. Entscheidend ist daher, beide Aspekte – persönliche Erfahrung und intuitive Einschätzung – bewusst miteinander zu verbinden und gegeneinander abzuwägen.

Wie viel Struktur braucht Ihr Arbeitsalltag? Und wie viel Freiräume?

Laura Weber: Mein Arbeitsalltag als Gründerin ist inzwischen sehr dicht getaktet. Entsprechend spielt eine klare Struktur für mich eine zentrale Rolle, um den vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden.

Gleichzeitig habe ich erkannt, wie wichtig bewusst geschaffene Freiräume sind. Ich plane daher regelmäßig Zeitfenster ein, die nicht durch feste Termine belegt sind – denn gerade in diesen Phasen entstehen neue Ideen und Impulse, die für die weitere Entwicklung entscheidend sein können.

Was bedeutet Erfolg für Sie heute?

Laura Weber: Erfolg bedeutet für mich heute vor allem, einen möglichst positiven Einfluss auf viele Menschen zu haben – also echten Impact zu erzielen. Genau das ist auch der Anspruch, der meine Arbeit bestimmt.

Die Zusammenarbeit mit Geschäftsführern ermöglicht es mir, über die direkte Ebene hinaus Wirkung zu entfalten: Nicht nur die Führungsebene selbst profitiert, sondern mittelbar auch die Belegschaften der Unternehmen – unabhängig davon, ob es sich um 1000, 2000, 5000 oder 10.000 Mitarbeitende handelt.


Zur Person

Laura Weber ist CEO und Gründerin des Start-ups Clyr AI, das auf Order-to-Cash-Prozesse für den Mittelstand spezialisiert ist. Das Unternehmen verbindet fundiertes Know-how im Bereich Künstliche Intelligenz mit einem tiefen Verständnis für die Anforderungen mittelständischer Betriebe. Parallel baut sie derzeit mit ARKÉ Strategy & Transformation ein weiteres Unternehmen auf, das auf KI-Transformationsberatung im Mittelstand spezialisiert ist und bereits erste, auch größere Kunden betreut. Bevor sie sich für die Selbstständigkeit entschied, war sie zunächst bei der Sparkasse tätig. Anschließend studierte sie International Business an der DHBW in Bad Mergentheim und arbeitete bei der Berner Group.


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