Mit Wärmepumpen aus der Komfortzone: Georg Barbunopulos vom Start-up HeatPump23 im Interview

Georg Barbunopulos gehört zu Baden-Württembergs innovativsten Gründern. Der Heilbronner und sein Co-Gründer Frederik Janzen siegten mit ihrer HeatPump23 im Landesfinale des Start-up BW Elevator Pitch. Er ist überzeugt: Bald werden mehr junge Menschen den Weg in die Selbstständigkeit gehen.

Georg Barbunopulos (links) und Frederik Janzen wollen mit Wärmepumpen das Heizen von Etagenwohnungen revolutionieren. Foto: HeatPump23

Herr Barbunopulos, wie groß denken Sie? Was beflügelt Sie und Ihren Co-Gründer Frederik Janzen mit HeatPump23?

Georg Barbunopulos: Gas-Etagenheizungen durch Etagen-Wärmepumpen zu ersetzen, das ist unsere Mission. Mein Mitgründer Frederik Janzen und ich haben beide damals in Stuttgart in Wohnungen mit Gas-Etagenheizung gewohnt. Da haben wir uns gefragt: Wenn diese alten Anlagen den Geist aufgeben, was gäbe es für eine Lösung, weiter dezentral zu heizen? So ist das ganze Thema entstanden. Darin wollen wir die Größten in Deutschland werden, und später auch in Europa.

Das ist ein ambitioniertes Ziel, das Sie aber offenbar konsequent verfolgen: In der Landeshauptstadt verbauen Sie im Rahmen des Projekts Etagen-Wärmepumpe Modellregion Stuttgart 50 Geräte in Wohnungen. Warum werden die ersten Modelle von HeatPump23 in Stuttgart laufen und nicht in Heilbronn, wo Sie ihr Start-up gegründet haben? Lag es daran, dass Sie und Ihr Mitgründer beide jahrelang in Stuttgart gewohnt haben?

Barbunopulos: Stuttgart als Landeshauptstadt ist sehr wichtig für uns. Von dort aus werden viele grundlegende Entscheidungen getroffen. Das Projekt ist eine exzellente Referenz für uns. Aber wir werden unser Produkt natürlich in ganz Baden-Württemberg und dann Schritt für Schritt auch deutschlandweit ausrollen. Stuttgart ist nur ein Startpunkt.

Heilbronn als Gründungsort

Aus dem Klima-Innovationsfond des Landes gibt es für das Modellprojekt in Stuttgart 263.000 Euro Förderung.

Barbunopulos: Die Fördergelder werden uns aber nicht einfach aufs Konto überwiesen, sondern wir kommen an das Geld nur heran, nachdem wir gewisse Meilensteine erfüllt haben. Zum Beispiel nachweisen können, dass unsere Geräte tatsächlich in Wohnungen funktionieren.

Trotz aller Strahlkraft der Landeshauptstadt sind Sie vor drei Jahren nach Heilbronn gezogen und haben auch hier gegründet. Was hat Sie angelockt?

Barbunopulos: Ehrlicherweise war der Grund nach Heilbronn zu ziehen meine Frau. Gegründet haben wir im Februar 2024. Was uns in Heilbronn  überzeugt hat? Das Ökosystem, das für Start-ups super ist. Angeführt von den Campus Founders, die Start-ups mit viel Know-how, Netzwerken, aber auch finanziellen Mitteln unterstützen. Die Campus Founders sind auch Investoren bei uns.

Hat die Region auf Ihrem Erfolgsweg also einen gewissen Anteil?

Barbunopulos: Mich hat die Dynamik hier sehr inspiriert. Die unterschiedlichen Start-ups, Netzwerktreffen und die Community aus Gründern. Wir haben uns gesagt: Hier ist gerade so ein Drive – der tut uns gut und den wollen wir mitnehmen.

Die Entscheidung für Heilbronn war vermutlich weise, denn sie haben das Landesfinale des Start-up BW Elevator Pitch gewonnen. Wie fühlt man sich als einer der  innovativsten Gründer im ganzen Land?

Barbunopulos: Wir fühlen uns damit supergut: Es bestätigt einem, dass man mit seinem Vorhaben auf dem richtigen Weg ist. Dass sich die ganze Arbeit, die man in sein Vorhaben steckt und die viele gar nicht sehen, belohnt wird und man Aufmerksamkeit erhält – was für ein kleines Unternehmen ja sehr wichtig ist.  Es hilft einfach auf dem Weg zum Markteintritt und ist ein enormer Booster.

Etagen-Wärmepumpen mit Einsparpotenzial

Das ist vermutlich hilfreich. Schließlich war die Kommunikation rund um das Thema Wärmepumpen zuletzt unter der alten Bundesregierung nicht gerade geschäftsfördernd. Können Sie nachvollziehen, das die Menschen damals verwirrt waren und skeptisch auf das Thema blicken?

Barbunopulos: Ja, prinzipiell kann ich das verstehen. Wenn Vorhaben hoch und runter diskutiert werden, ist es schwierig, sich als Bürger eine fundierte Meinung zu bilden. Uns geht es aber nicht um die Technologie Wärmepumpe an sich. Wir wollen ermöglichen, CO2-neutral gemäß Gebäudeenergiegesetz zu heizen. Der Verbraucher soll sicher sein dürfen, dass er das Gebäudeenergiegesetz erfüllt, nachhaltig heizt und für die Zukunft gerüstet ist. Dass die Technik eine Wärmepumpe ist, ist erst einmal zweitrangig.

Wobei es finanziell vermutlich ab 2027 alles andere als zweitrangig ist, ob mit Gastherme oder Wärmepumpe geheizt wird. Dann wird der CO2-Preis dem Europäischen Emissionshandelssystem  unterliegen und sich am Marktpreis im Zertifikatehandel orientieren, mit erwarteten Preisen von mindestens 100 Euro pro Tonne.

Barbunopulos: Unsere Geräte, die wir gerade im Feldtest in Betrieb haben, haben einen durchschnittlichen Coefficient of Performance (COP) von circa Vier. Heißt konkret: Unsere  Etagen-Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärme. Zum Vergleich: Mit einer alten Gastherme macht man aus einer Kilowattstunde Gas nicht ganz eine Kilowattstunde Wärme. Bedeutet: Solange der Strompreis nicht viermal höher liegt als der Gaspreis, sind unsere Wärmepumpen im Betrieb günstiger.

Wieviel ließe sich sparen?

Barbunopulos: Im Februar haben wir unsere ersten Geräte verbaut, dort liegt man zurzeit etwa 20 Prozent günstiger. Perspektivisch, wenn sich Strom- und Gaspreis weiter annähern, sogar noch mehr. Aus unserer Sicht ist es die richtige Entscheidung, nicht mehr mit fossilen Brennstoffen zu heizen, sondern mit Strom.

„Man muss selbst voll an sein Vorhaben glauben.“

Trotz dieser Vorteile gab es sicherlich Herausforderungen, vor denen Sie standen.

Barbunopulos: Die größte Herausforderung zu Beginn war, von großen Zulieferern ernst genommen zu werden. Niemand kannte uns. Die Gründung der GmbH hat uns sehr geholfen. Und unsere Seniorität – da wir, mit ein paar Berufsjahren hinter uns, nicht mehr so ganz grün hinter den Ohren sind.

Welche Erkenntnis hat Sie auf ihrem Erfolgsweg weitergebracht?

Barbunopulos: Man muss selbst voll an sein Vorhaben glauben. Das funktioniert nur mit dem richtigen Team und den richtigen Fähigkeiten. Wir sind zu zweit klein gestartet und bauen nun das Team Schritt für Schritt weiter auf. Aktuell sind wir zu acht, bis Ende des Jahres hätten wir gern eine zwölfköpfige, starke Mannschaft.

Sie sprachen von den richtigen Fähigkeiten. Das bedeutet nicht nur Fachwissen, sondern auch ein bestimmtes Mindset.

Barbunopulos: Was man definitiv braucht, ist Mut und Engagement. Um neue Wege zu gehen, Dinge zu tun, die bisher so noch keiner gemacht hat. Und man muss auch die eine oder andere Extrameile gehen, um die eigene Idee zu realisieren.

Der Mut für den entscheidenden Schritt

Oft hört man, dass sich zu wenige Menschen an ein Start-up wagen. Mangelt es in Deutschland an Mut und Fleiß?

Barbunopulos: Ich würde nicht sagen, dass Menschen nicht gründen wollen. An Ideen mangelt es nicht. Sondern am Mut, den entscheidenden Schritt zu gehen. Hinzu kommt: In dieser Region gibt es sehr attraktive Mittelständler und Konzerne, die sichere Top-Arbeitsplätze bieten. Allerdings sind Maschinenbau und Automobilindustrie gerade im Umbruch. Ich könnte mir vorstellen, dass das in absehbarer Zeit zu mehr Neugründungen führt. Dass sich einige trauen und sagen: Komm, ich gründe – denn meine gewohnten Sicherheiten sind ohnehin nicht mehr gewährleistet. Wenn man nichts zu verlieren hat, wird es leichter, etwas zu wagen.

Wenn es in der Komfortzone ungemütlich wird, geht man also bewusster ins Risiko?

Barbunopulos: Wenn man gründet, investiert man sich selbst: Man verzichtet vielleicht auf ein gewisses Gehaltsniveau, das man gewohnt war. Man geht das Risiko ein, viel Zeit in ein Thema zu stecken, von dem man nicht weiß, ob es am Ende erfolgreich sein wird. Sicherheit hat man als Unternehmer generell nicht – man weiß nicht, wie die Zukunft aussieht. Mit dieser Ungewissheit muss man leben und umgehen können. Gründer wurden schon immer die, die es unbedingt wollen – oder die es müssen.

Das Glück des Tüchtigen

Sie und Herr Janzen gehörten zu denjenigen, die unbedingt gründen wollten – mit einer Technologie, die Wohnungen zu Komfortzonen macht.

Barbunopulos: Auf jeden Fall. Schon als Jugendlicher wollte ich selbstständig sein und ein Unternehmen führen. Deshalb hatte ich auch schon einen Versuch gestartet, direkt nach meinem Universitätsabschluss als Wirtschaftsingenieur im Bachelor. Meinen Master habe ich dann noch in Produktentwicklung und Innovation gemacht. Mein erster Start-up-Versuch hat damals nicht geklappt, daraufhin bin ich zunächst einmal in die Unternehmensberatung gegangen. Aber ein eigenes Start-up zu gründen, hatte ich immer im Hinterkopf.

Was hat im zweiten Anlauf besser geklappt – trotz der Heizungsgesetz-Debatte seinerzeit?

Barbunopulos: Das Timing war dennoch glücklich. Wir waren zur richtigen Zeit mit der richtigen Idee am richtigen Ort.

Wie erfolgsentscheidend sind solche Zufälle nach Ihrer Erfahrung?

Barbunopulos: Den Anteil von Zufällen am unternehmerischen Erfolg schätze ich auf 20 Prozent. Sie entscheiden darüber, ob man es als Start-up schafft. Wenngleich nicht alles vom Zufall abhängt, wie Heatpump23 beweist. Dass wir genau jetzt mit diesem Produkt in den Markt wollen, ist schließlich kein Zufall. Wir haben uns lange mit dem Thema beschäftigt. Ich persönlich glaube an das Glück des Tüchtigen. Man kann als Gründer aber nicht alles beeinflussen – politische Entscheidungen zum Beispiel nicht.

Interview von Natalie Kotowski


Zur Person

Georg Barbunopulos gründete gemeinsam mit Frederic Janzen im Februar 2024 die Heatpump23 GmbH. Das Heilbronner Duo setzt aktuell das vom Land geförderte Projekt „Etagen-Wärmepumpe Modellregion Stuttgart“ um, bei dem sukzessive 50 Wohnungen mit ihren Geräten ausgestattet werden.


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