Vom niedlichen Roboter zur Smart City: Heilbronn auf dem Weg zur intelligenten Stadt

Heilbronn wird immer fitter für die Zukunft: Eine Zwischenbilanz der Projekte aus der „Stadtkonzeption 2030“ und der Smart Campus Initiative gibt Anlass zu Optimismus am Neckar.

Heilbronn wird zur Smart City
Loomi heißt der smarte Roboter, der auf dem Bildungscampus das Facility Management unterstützt. Foto: Bildungscampus

Irgendwie sieht er niedlich aus. Wenn überhaupt ein Roboter das Kindchen-Schema ansprechen kann, dann Loomi mit seinen kreisrunden Display-Augen. Auf zwei kinderfahrradgroßen Rädern rollt der Roboter zur Unterstützung des Facilitymanagements seit einiger Zeit über den Bildungscampus und schaut gewissermaßen nach dem Rechten.

„Er informiert das Personal hier zu regelmäßigen Uhrzeiten beispielsweise über zugeparkte Zufahrtswege an Notausgängen“, sagt Dr. Janika Kutz vom Forschungs- und Innovationszentrum für Kognitive Dienstleistungssysteme (KODIS) des Fraunhofer IAO.

Sie leitet die Smart Campus Initiative – ein Reallabor, in dem sie gemeinsam mit einem Forscherteam datengestützt aktuelle Problemstellungen für sieben Handlungsfelder auf dem Campus analysiert: für Mobilität, Energie und Umwelt, Logistik, Gebäude- und Flächenmanagement, aber auch Kultur, Leben, Gesundheit und Bildung. Aus den Erkenntnissen sollen Services und Dienstleistungen für einen smarten und innovativen Campus entstehen – eine eigene Smart City mitten in Heilbronn.

Der Bildungscampus als Testfeld für die Stadt von morgen

Loomi, der rollende Roboter, gehört dazu. Und sein Niedlichkeitsfaktor ist durchaus gewollt. Weil er eigenständig seine Aufgaben erledige, hätten die Menschen auf dem Campus keinen direkten Nutzen durch seine Präsenz. Umso stärker falle sein Aussehen ins Gewicht für die allgemeine Akzeptanz, erläutert Kutz.

Die Projekte auf dem Bildungscampus, die im Kleinen funktionieren, sollen nach Kutz‘ Vorstellung als Blaupause für größere Vorhaben dienen: „Eine Übertragbarkeit in ein anderes Umfeld ist möglich, denkbar und unsererseits wünschenswert.“ Einzelne Ideen haben es bereits aus dem Campus hinaus in die Heilbronner Innenstadt geschafft: etwa Frequenzmessungen und ein Prognose-Tool für Stellplatzauslastung im Parkhaus am Bildungscampus. „Die Erkenntnisse konnten wir erfolgreich auf ein gemeinsames Forschungsprojekt namens Parkko mit der Stadt Heilbronn übertragen“, berichtet Kutz.

Der smarte Campus als Keimzelle einer intelligenten und innovativen Stadtplanung: Für Janika Kutz ist das keine Utopie. „Heilbronn hat das Potenzial, in zehn Jahren einen großen Sprung Richtung Smart City zu machen“, ist die Leiterin überzeugt. Das KODIS sei dabei gern Teil der gemeinsamen Reise, und „ich bin überzeugt, jeder Partner in dem einzigartigen Ökosystem rund um den Bildungscampus und das IPAI wird dazu seinen Beitrag leisten“.

Optimismus für die Zukunft in Heilbronn

Dass Heilbronn von der Smart Campus Initiative stark profitieren könnte, dürfte Florian Baasch freuen. Denn der Leiter der Stabsstelle Strategie und Stadtentwicklung im Rathaus blickt ähnlich optimistisch wie Kutz auf die Zukunft der Neckarstadt. Im gleichen Jahr, in dem der smarte Campus startete – 2017 – legte Heilbronn seine Stadtkonzeption 2030 vor.

„Seit dem Beschluss hat die Stadt in allen Handlungsfeldern wesentliche Weichenstellungen vorgenommen“, resümiert Baasch zufrieden. Konkret meint er Fortschritte in den vier Strategiefeldern Digitale Stadt, Teilhabe an der Stadtgesellschaft, Bildungs- und Wissensstadt und zukunftsfähige Mobilität. Dieses Quartett gliedert sich wiederum in acht Handlungsfelder. Darin geht es unter anderem um Wohnen, Lernen, Zusammenleben, Kultur, Wirtschaft, Arbeit, Innovation und Wissenschaft sowie Mobilität.

Bis 2035 wird die Stadt Netto-Treibhausgas-neutral

„Besonders wichtig erscheinen uns dabei die Entwicklung zur Bildungs-und Wissensstadt und die Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen, Stichwort: resiliente Stadt“, sagt Baasch. In allen Bereichen habe Heilbronn schon viele positive Veränderungen erreicht, weitere Potenziale gelte es zu heben.

„Das mit Abstand größte Projekt ist der Bau des IPAI“, ist der Stadtentwickler überzeugt, und damit verbunden die Anbindung an die Kernstadt mit einer Seilbahn. So wichtig wie der Spatenstich für den KI-Park sind ihm zufolge auch andere zukunftsweisende Ziele: „Der Gemeinderat hat beispielsweise beschlossen, dass Heilbronn bis 2035 eine Netto-Treibhausgas-Neutralität erreichen will.“

Smart, lebenswert, Heilbronn: „Mit der Stadtkonzeption 2030 ist es uns gelungen, die Stadt zukunftsfähig zu machen. Wir sind hier auf einem sehr guten Weg“, lautet Baaschs Fazit. Allerdings müssten Entwicklungen, die noch nicht absehbar seien, aus seiner Sicht frühzeitig in den Blick genommen werden. Aktuell wichtig seien etwa die Wohnraumversorgung und die Transformation der Innenstadt. Ob einem dort dann freundlich dreinschauende Roboter begegnen, bleibt wohl abzuwarten.

Natalie Kotowski

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