Schon vor zehn Jahren begannen Politik, Verwaltung und Bürger gemeinsam, Perspektiven für Heilbronn bis 2030 zu entwickeln. Nun trägt die Strategie Früchte: Die Stadt wird zum viel beachteten Anziehungspunkt – mit Initiativen und Meilensteine auf dem Weg zur vorbildlichen Zukunftsstadt.

Wenn in der morgendlichen Hektik das Marmeladenbrot mit der beschmierten Seite
nach unten auf dem Boden landet, war da nicht nur Murphies Law am Werk. Sondern vor allem Gravitation. Massen ziehen einander an – und im Fall der 100-Gramm-Stulle ist die Erde mit knapp sechs Trilliarden Tonnen Eigengewicht in der deutlich stärkeren Position. In der Physik bezieht sich Gravitation – als eine der vier Grundkräfte – auf Körper.
Im metaphorischen Sinn lässt sich so eine Anziehung aktuell vor allem an einer deutschen Stadt beobachten: Heilbronn. Die Stadt hat sich zum Kraftfeld entwickelt, das Menschen und Unternehmen anzieht und sprichwörtlich eine Masse Zukunftschancen birgt.
Gute Perspektiven bis 2030 und darüber hinaus
Um zu verstehen, wie Heilbronn zu dieser Superkraft kam, muss man zunächst acht Jahre zurück blicken. 2017 verabschiedete der Heilbronner Gemeinderat die „Stadtkonzeption 2030“ – einen Aktionsplan, um sowohl die Marke Heilbronn zu stärken als auch die Stadt zukunftsweisend zu entwickeln.
Zwei Jahre lang hatten Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Verwaltung, Politik und weiteren Akteuren an dem Konzept gefeilt. Vor zwei Jahren machte die Stadt unter der Überschrift „Perspektiven 2030“ öffentlich, welche Projekte und Vorhaben für Heilbronns Zukunft wichtig sind.
Im Städteranking des IW 16 Plätze besser als Berlin
Inzwischen schweift der Blick der Verantwortlichen deutlich weiter als bis 2030 – hin zu einer offenbar deutschlandweit vorbildlichen Perspektive: Die mediale Aufmerksamkeit kreist aktuell um das Oberzentrum am Neckar wie Planeten um die Sonne. Bei vielen wird die Käthchenstadt als ein sprichwörtlich gravierender Player unter deutschen Großstädten gehandelt.
Im aktuellen Städteranking, das das Institut der Deutschen Wirtschaft IW und die Wirtschaftswoche jährlich veröffentlichen, behauptet Heilbronn Platz 14 im so genannten Niveau-Ranking, das Immobilien- und Arbeitsmarkt, Lebensqualität und Wirtschaftskraft misst. Damit schneidet die 130.000-Einwohner-Stadt um 16 Plätze besser ab als die Bundeshauptstadt Berlin. Bei der Arbeitsplatzversorgung belegt Heilbronn sogar den zweiten Platz deutschlandweit. Die wirtschaftliche Stärke spiegelt sich im hohen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 63.372 Euro pro Einwohner wider, das deutlich über dem nationalen Durchschnitt von knapp 52.000 Euro liegt.
Heilbronn als Stadt mit Vorzeigecharakter
Tatsächlich steckt in Heilbronn schon seit Längerem Kaufkraftpotenzial: In einer Erhebung des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2019 war Heilbronn unter 401 kreisfreien Städten und Landkreisen beim ProKopf-Einkommen Spitzenreiter in ganz Deutschland – allerdings führten die Analysten diesen Wert auf einige wenige monetäre „Schwergewichte“ zurück. Diese Wirtschaftskraft und ihr Nutzen für die Zukunft der Neckarstadt – wie das Engagement von Dieter Schwarz – zieht wiederum andere an: Das Statistische Landesamt prognostiziert in seinen Vorausberechnungen bis 2040 ein mögliches Wachstum auf 140.000 Einwohner.
Im Vergleich der Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg liegt Heilbronn damit auf Platz eins vor Pforzheim und dem Landkreis Biberach. Für Stuttgart, Karlsruhe oder Heidelberg rechnen die Statistiker mit einem deutlich niedrigeren Wachstum. Zugleich ist Heilbronn der sicherste Stadtkreis im Land. Laut polizeilicher Kriminalstatistik 2024 des Polizeipräsidiums Heilbronn weist die Neckarstadt die wenigsten Straftaten pro 100.000 Einwohner in ganz Baden-Württemberg auf.
Die Kriminalität sinkt, stattdessen nimmt das touristische Interesse erheblich zu: Binnen zehn Jahren haben sich die Übernachtungszahlen laut Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing GmbH, nahezu verdoppelt – auf fast 600.000 pro Jahr. Auch in diesem Punkt ist Heilbronn landesweit an der Spitze: Keine andere kreisfreie Stadt in Baden-Württemberg kann eine so gute touristische Bilanz ziehen. „Innovative Anziehungspunkte wie die Experimenta, der Bildungscampus und der KI-Standort Neckarbogen machen Heilbronn zu einem Ort, der Herkunft und Zukunft gleichermaßen verbindet“, sagt Schoch.
Natalie Kotowski


