Den Wandel besser meistern als damals die Dinosaurier: Impulse vom zweiten Tag des Zukunftswiesen Summit 2026

Wie schaffen es Unternehmen und Start-ups in der Region und Deutschland, in Sachen Digitalisierung und KI aufzuholen? Wie können Verwaltungen effizienter werden? Der zweite Tag des Zukunftswiesen Summits öffnete den Blick für die Chancen eines neuen Zeitalters.

Zweiter Tag des Zukunftswiesen Summit 2026
Aus dem Silicon Valley nach Hohenlohe: Mercedes Bankston und Adeo Ressi vom Founders Institute beim Zukunftswiesen Summit 2026. Foto: Kotowski

Die Dinosaurier starben vor 66 Millionen Jahren aus. Dabei waren sie in der Kreidezeit die größte Spezies der Erde. Aber sie entkamen der Disruption trotz ihrer mächtigen Stellung nicht – ein Asteroideneinschlag zerschlug die Nahrungsketten für die prähistorischen Riesen.

Mit dem Bild vom Dinosaurier, der den Wandel nicht überlebte, eröffnete Alwin Ehrensperger, CEO der W. Gessmann GmbH in Leingarten, seine Keynote am zweiten Tag des Zukunftswiesen Summit in der Arena Hohenlohe in Ilshofen.

Die Zukunft des eigenen Unternehmens vorhersehen

„Disruptive Ereignisse sind der Standard“, führte Ehrensperger aus. Seine These: Um nicht das Schicksal der Dinausaurier zu teilen, hätten CEOs heute die Pflicht, die Zukunft des eigenen Unternehmens zu antizipieren und herauszufinden, was das eigene Geschäftsmodell künftig bedrohen könnte.

„Wir sollten nicht denken, wir sind die Größten und uns kann keiner was“, sagte der Gessmann-CEO, „das hat VW auch lange gedacht. Aber man darf nie zu verhaftet sein mit seinem Geschäftsmodell.“ Bei Gessmann hat er deshalb nach eigenen Worten Robotik als neues Erfolgsmodell etabliert – obgleich das Kerngeschäft, Steuerungsanlagen und Schaltpulte für Züge, Schiffe und andere Transportmittel, immer noch jährlich um drei Prozent wachse.

Für das Geschäftsmodell Robotik hat sich Gessmann deshalb zur Zusammenarbeit mit Start-ups entschieden – wie Evasive Robotics, das mit Co-Founder Tom Sauer ebenfalls auf dem Summit vertreten war.

„Ihr seid hintendran“

Nicht zu viel deutsche Selbstgewissheit – das war auch der ernstgemeinte Appell von Adeo Ressi, Chairman des Founder Institutes im Silicon Valley, der mit seiner Frau Mercedes Bankston zum „Inner Circle“ von Elon Musk gehörte, wie Moderatorin Fanny Fee Werther die beiden angekündigt hatte. „You are behind“, konstatierte er – „ihr seid hintendran.“

Alles, was er bislang gesehen habe, seit er aus dem Flieger gestiegen sei, sei zwar ganz nett und innovativ gewesen – aber nicht bahnbrechend, so ließ sich Ressis Botschaft übersetzen. Der wahrgenommene Rückstand werde durch KI und die nie gekannte Rasanz der Entwicklungen noch verschärft, prognostizierte der Silicon-Valley-Kenner.

Die Chancen von KI für den Mittelstand

Dass KI einer neuen Lebensform nach dem Dinosaurier-Zeitalter ähnelt und Unternehmen radikal verändern wird, darüber waren sich vermutlich alle Summit-Besucher im Klaren. Doch die Chancen, die der Mittelstand mit der Technologie gewinnt, waren vermutlich weit weniger in den Köpfen mancher Zuhörer verankert.

Das Panel „Wie KI-Start-ups den Mittelstand erfolgreich machen“ griff auf, was Ehrensperger mit der Start-up-Zusammenarbeit schon praktiziert. Leopold von Waldhausen, Gründer und Geschäftsführer von Zeit AI, und Patricia Allgaier vom Familienunternehmen Allgaier Agrarhandel machten die Vorteile solcher Zusammenarbeit im Panel noch besser greifbar: „Es braucht keine große Investition mehr – und man schafft einen Wettbewerbsvorteil, den die Großen manchmal noch nicht haben. Ihre Geschäftsmodelle drehen langsamer“, sagte er.

Es brauche nur ein bisschen Mut, um loszulegen. „Ich bin jung und naiv, und das war vielleicht das, was es gebraucht hat, um KI bei uns zu implementieren“, formulierte es Allgaier. Es hat sich gelohnt: Das Unternehmen arbeite nun wesentlich besser und effizienter, etwa beim Management der Liefertouren.

Verbesserungspotenziale in Verwaltung und Bausektor

Für manche Unternehmer gehören Verwaltungen zu den größten Dinosauriern. Deshalb widmete sich das Programm des Wirtschaftstags, der im Rahmen des Zukunftswiesen Summits auf der Innovation Stage stattfand, der Verwaltung von Morgen. Dort sprachen Bürgermeister und Landrat Ian Schölzel, und David Schneider, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Schwäbisch Hall (WFG) bewies Selbstironie, indem er seinen Laptop unter einer verblichen roten Postumlaufmappe aus dem Landratsamt versteckte.

Gemeinsam mit Kollegin Sarah Schmidt von der Wirtschaftsinitiative Hohenlohe wertete er die Wünsche des Publikums aus. Die Zuhörer hatten per Handy an verschiedenen interaktiven Umfragen teilnehmen dürfen – die Ergebnisse sahen sie mangels W-LAN-Kapazitäten in der Arena allerdings nicht, sondern Schneider las sie vor: Demnach rangiert das Standortmarketing noch vor den Beratungsleistungen bei den favorisierten Angeboten der Wirtschaftsförderer. Auch vereinfachte Angebote wünschten sich die Teilnehmer. Insgesamt müsse die Verwaltung digitaler und Kompetenzen klarer sein, dafür votierte ein Großteil der Anwesenden.

Noch eindeutiger waren die die Umfrageergebnisse für den Bausektor: Am liebsten wären den Unternehmern vereinfachte und verkürzte Genehmigungsverfahren und mehr Gestaltungsspielraum seitens der Kommunen. Ob das daran lag, dass viele Bürgermeister im Publikum saßen, darüber konnte David Schneider nur spekulieren. 

Doch das Votum spiegelte all das, was Marcus Herwarth, CEO von Leonhard Weiss, zuvor in seiner Keynote „Effizienz durch Innovation“ schon aus Sicht der Baubranche angemahnt hatte: Nur ein Zehntel der Verwaltungsleistungen seien mittlerweile digitalisiert. „Der Bauturbo war eigentlich ein gutes Signal“, sagte Herwarth. Doch es gebe noch Bremsen: Verwaltungsrichtlinien, zu wenige digitale Werkzeuge, fehlende automatisierte Prüfungen. „Wie schön wäre es, wenn wir in fünf Jahren sagen könnten, wir haben es geschafft“, schloss Herwarth.

„Deutschland hat das Potenzial“

Der Leonhard-Weiss-CEO traf damit den Kern des zweiten Summit-Tags: Wenn der von Ehrensperger geforderte Blick in die Zukunft zeigen könnte, dass Deutschland aus der digitalen „Kreidezeit“ herauskommt, wäre viel gewonnen. „Deutschland hat das Potenzial dafür“, fasste es Summit-Macher Samuel Keitel am Ende des Mega-Events zusammen. „Mahnende Stimmen muss es geben – damit auch die Politiker ins Handeln kommen“.

Das hatte Keitel am Vortag schon gegenüber Überraschungsgast Gitta Connemann, Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie angemahnt. Vielleicht wird das Engagement von Keitel und seinem Zukunftsmacher-Team in Berlin gehört. Möglich wäre es aus seiner Sicht: „In diesem Jahr ist der Summit noch einmal auf ein ganz anderes Level gekommen.“

Natalie Kotowski

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