„Erfolgreiche Unternehmer müssen extrem sein“: Kontroverse Thesen und starke Marken beim Zukunftswiesen Summit 2026

Beim Zukunftswiesen Summit in der Arena Hohenlohe gab es den lautesten Beifall für die Speaker, die Tacheles redeten und auch kontroverse Standpunkte vertraten. Lag das daran, dass die Unternehmer auf der Bühne Musterbeispiele für starke Personenmarken waren? Oder sehnte sich das Publikum nach radikal aufrüttelnden Botschaften?

IHK-Geschäftsführerin Elke Döring im Gespräch mit Dr. Gunther Wobser, CEO Lauda Dr. R. Wobser. Foto: Kotowski

Das Adjektiv „radikal“ hat nicht den besten Ruf. Doch um als Gründer beziehungsweise Unternehmer zur Personenmarke zu werden, ist es eine hilfreiche Eigenschaft. Zumindest ernteten beim dritten Zukunftswiesen Summit diejenigen Speaker den meisten Applaus, deren Aussagen in der Öffentlichkeit durchaus kontrovers diskutiert werden.

Schließlich hatte Thuy-Ngan Trinh, Managing Director bei der Unternehmensberatung A11, schon am Vormittag des ersten Veranstaltungstags festgestellt: „Erfolgreiche Unternehmer müssen extrem sein.“ Exzentrik und eine gewisse Besessenheit seien veritable Erfolgsfaktoren.

Applaus für unbequeme Wahrheiten auf der Summit-Bühne

Dass nur wenig später vier Publikumslieblinge mit ihren Keynotes Thuy-Ngan Trinhs These bestätigten, verwundert nicht. Die vier „Klartexter“ auf der Bühne, die vermutlich viele der 1700 Summit-Besucher längst zumindest dem Namen nach kannten, einte eine Tatsache: Sie sind nicht nur Unternehmerpersönlichkeiten, sie sind eigene Brands. Bekannt, meinungsstark, authentisch.

So beschwor der TV-Sender- und Mehrfach-Gründer Dr. Georg Kofler den Nutzen der „Kettensäge“, um Bürokratie und staatliche Eingriffe zu stutzen. Kofler hatte im Panel mit Eberhard Spies, dem Vorstandsvorsitzenden der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall, dem Südwestmetall Heilbronn-Franken-Verbandchef Jörg Ernstberger und Prof. Dr. Dr. h. c. Karl-Heinz Paqué, dem Vorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung, über das Thema „Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland“ diskutiert – und immer wieder Beifall für seine pointierten Aussagen gefunden.

Ähnlich war es bei dem besonders unter den jungen Besuchern gefeierten Unternehmer Felix Blume. Besser bekannt ist er als „Kollegah“, der bis zum Ende seiner Musikerkarriere vor zwei Jahren zum wohl erfolgreichsten Rapper Deutschlands wurde. Er hat nicht nur elfmal Platin für seine Alben erhalten, sondern polarisiert mit der von ihm geprägten „Boss“-Ästhetik und einem Image als „Alpha Male“. Und mit seinen Statements auf der Länd Stage: „Mein Vertrauen in die Politik ist bei Null.“ Man brauche unternehmerisch denkende Persönlichkeiten, „die etwas draufhaben, dann könnte man das in einer Nacht-und-Nebel-Aktion im Land alles wieder in die richtige Richtung leiten.“

Als hätte Felix Blume das amüsierte Getuschel „er will einen Putsch!“ in den Sitzreihen gehört, schloss er an: „Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen nach Putsch an, aber man muss mal über den Tellerrand hinausschauen. Es gibt ja für jedes Problem eine Lösung.“ Man müsse sich mit kompetenten Leuten zusammentun und Aufgaben verteilen. „Wenn das alles aber bürokratisch viel zu lange dauert, sind wir in drei Jahren noch nicht so weit. Dann ist wieder Summit, aber dann sind nur noch die Hälfte der Leute da. Es herrscht eine hohe Dringlichkeit, Dinge zu ändern“, stellte Blume klar.

Harte Wahrheiten statt Gründerromantik

Christian Wolf und Jan Kraume haben als Fitness-Influencer mittlerweile eine ähnlich bekannte Stimme wie „Kollegah“ mit seinen gereimten Punchlines. Wolf ist mit seinen Nahrungsergänzungsmitteln und Supplements unter dem Namen „More Nutrition“ erfolgreicher Unternehmer, genauso Kraume, dessen Unternehmen Oace mit Fitnesskleidung „ein Lebensgefühl transportiert“, wie er selbst sagt. Millionen Fans folgen den beiden auf Social Media.

Wolfs Rat an junge Gründer, nicht in Deutschland das eigene Start-up aufzubauen, hatte es durchaus in sich: „Wenn man mich fragen würde, ob ich heute nochmal in Deutschland gründen würde, würde ich Nein sagen. Ich habe mit meinem Content keine Verantwortung für das Land. Ich habe Verantwortung für meine Follower. Es ist doch nicht meine Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu verändern.“

Vier Speaker, die radikale Ehrlichkeit propagierten – vier Beiträge, die auf so großes Interesse stießen, dass der Platz im Saal knapp wurde und sogar noch im Foyer vor der Länd Stage einige die Ohren spitzten. Es muss wohl etwas dran sein an der Feststellung, dass Unternehmer mitunter extrem sein müssen. Hatte so mancher Besucher vielleicht nur darauf gewartet, dass nicht nur über Tipps und Use Cases, sondern auch Tacheles geredet würde? Oder kamen die Keynotes und Panels deshalb so gut an, weil sie exemplarisch zeigten, worauf es beim Aufbau einer Personenmarke ankommt – Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit? Eines steht jedenfalls fest:  Mit sprichwörtlich „hartem Tobak“ konnten die Summit-Gäste gut umgehen.                

Natalie Kotowski

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