„Wir können das nur gemeinsam schaffen“: Samuel Keitel, Jungunternehmer und Initiator des Zukunftswiesen Summit, im Interview

Samuel Keitel, Jungunternehmer und Initiator des Zukunftswiesen Summit, verhehlt seine Unzufriedenheit über die Bedingungen für Start-ups hierzulande nicht. Er kann verstehen, warum Gründer Deutschland verlassen. Resignieren will er nicht: Die dritte Auflage des Netzwerk-Gipfels in der Arena Hohenlohe soll Mut machen.

Samuel Keitel
Zukunftsmacher: Initiator Samuel Keitel will Start-ups und Mittelstand beim Summit verbinden. Foto: ZM Germany UG

Herr Keitel, wie zufrieden sind Sie momentan mit Deutschland?

Samuel Keitel: Am meisten gehen mir die Politiker auf den Keks. Ich erlebe jeden Tag Unternehmer, Selbstständige und auch viele Verbände, die Gas geben wollen. Viele junge Leute wollen Deutschland voranbringen. Aber hart gesagt: Die Politiker versprechen viel, machen aber zu wenig.

Worauf beziehen Sie dieses gefühlte Zuwenig?

Keitel: Man redet in Berlin viel zu viel über Steuererhöhungen, über Erbschaftssteuer und Umverteilung, aber effektiv gar nicht über Entlastung, Stärkung der Unternehmer und Reformen. Die Lage wird nur verschlimmert. Dann wird noch eine Kommission, ein Expertenzirkel, eine Abteilung gebildet. Man möchte rufen: Macht doch einfach! Ich finde, darüber darf  man sich durchaus aufregen. Es hilft ja nicht, die Situation schönzureden und zu behaupten, dass alles gut ist. Deutschland steht am Kipp-Punkt.

Was die USA für Start-ups besonders macht

Haben Sie sich vom Politikwechsel mehr erhofft?

Keitel: Ja, tatsächlich habe ich vor der letzten Wahl gedacht, dass die Politiker den Ernst der Lage verstehen. Ich bin überzeugt, ein kurzer, schmerzhafter Reform-Ruck wird mehr bringen als ein langsamer, zermürbender Prozess. Am Ende ist es meiner Meinung nach ein Abwägungsproblem: Entweder werden jetzt ein paar Gruppen leiden, oder es wird ganz Deutschland leiden.

Wo bemerken Sie als Unternehmer die Auswirkungen dieser gefühlten Stagnation?

Keitel: Was mir wirklich das Herz zerreißt: In meinem Unternehmen ‚Senior Connect‘ habe ich gerade jeden Tag mit Unternehmen zu tun, die entweder dichtmachen oder Personal abbauen müssen. Ganz ehrlich: Ich liebe Deutschland und wir veranstalten den Zukunftswiesen Summit bewusst hier in der Region. Aber realistisch betrachtet, gibt es für Unternehmer kaum noch Gründe, hier zu bleiben. Ich kenne derzeit in meinem Umfeld keinen Start-up-Gründer, ob in München oder auch Heilbronn, der nicht darüber nachdenkt, in die USA zu gehen, in die Schweiz oder nach China. Einfach raus aus Deutschland – so denken viele.

Sind die USA für Start-ups angesichts der weltpolitischen Lage tatsächlich immer noch die erste Wahl?

Keitel: Ja. An Trumps Politik verstehe ich manches zwar nicht – die Zollpolitik, dieses erratische Hin- und Her. Was ich aber sehe und von Freunden weiß, die in den USA im Silicon Valley Start-ups haben: Er schafft Rahmenbedingungen für Unternehmen wie kein Präsident vor ihm. Dort herrscht nach wie vor Goldgräberstimmung.

Das merkt man auch am Kundenverhalten: In den USA haben meine Kollegen innerhalb von zwei, drei Wochen ein paar hunderttausend Euro Umsatz gemacht. In Deutschland würden Unternehmer es nur in Ausnahmefällen schaffen, so schnell Kunden zu gewinnen. Von meinen Kollegen und von Investoren höre ich: Für die Gründung eines Start-ups und die Allokation von Kapital ist die Zeit dort aktuell die beste, die sie je hatten.

Weshalb des Zukunftswiesen Summit in Heilbronn-Franken angesiedelt ist

Aus Gründerperspektive übten die USA aber schon vor Trump  einen großen Reiz aus.

Keitel: Tatsächlich waren die Startbedigungen dort nie wirklich schlecht. Trump hat nicht die Welt verändert. Er hat aber das Positive zusätzlich befeuert, was für Gründer ohnehin schon da war.

Ein American Dream geht einfacher in Erfüllung als ein German Dream?

Keitel: Ja. Ich war selbst drei Monate im Silicon Valley, und habe es dort genau so erlebt. Die Offenheit für neue Themen ist größer. Man muss natürlich trotzdem liefern. Aber dort herrscht weniger Skepsis.

Kennst Du diese Skepsis von den Anfängen des Summit?

Keitel: Wir sind jetzt mit dem Zukunftswiesen Summit im dritten Jahr Am Anfang schlug uns nur kühle Zurückhaltung entgegen. Ich musste sehr viel Überzeugungsarbeit leisten. Das muss ich heute immer noch – andere überzeugen, dass es Sinn hat, so einen Wirtschaftsgipfel in der Region zu haben. Erklären, warum wir diese Veranstaltung nicht in München oder Berlin machen.

Und warum nicht?

Keitel: Wir sind im ländlichen Raum verwurzelt. Der Mittelstand hier hat extreme Power. Diese Kraft müssen wir zum Leuchten bringen – mit Start-ups, denen wir eine Plattform bieten. Dafür braucht es keinen fünften Gipfel in Berlin oder München, sondern einen, der im ländlichen Raum verortet ist, dort, wo unsere Weltmarktführer sitzen.

Was der Zukunftswiesen Summit in diesem Jahr vermitteln soll

Wenn Ihr als Team heute Teilnehmer und Speaker anfragt – was ist die häufigste Reaktion?

Keitel: Es ist auf alle Fälle leichter geworden. Wir haben viel Unterstützung aus der Region. Wenn man Unternehmen das erste Mal anspricht, reagieren sie aber trotz des Images, das der Summit mittlerweile hat, erstmal zögerlich: Lohnt sich die Teilnahme?

Sie und Ihr Team wären aber keine „Zukunftsmacher“, wenn Sie nicht Impulse gegen Skepsis und Negativität setzen würden. Was soll der Summit in diesem Jahr vermitteln?

Keitel: Die Botschaft ist: Wir als Unternehmer müssen zusammenstehen. Wir möchten an die etablierten Unternehmen appellieren: Hört Euch die jungen Start-ups an. Die haben einen anderen Blick, sind international top vernetzt. Gleichzeitig ist mein Appell an die Start-ups: Redet mit den Etablierten. Wenn wir Deutschland voranbringen wollen, können wir das nur gemeinsam schaffen.

Wie offen ist Heilbronn-Franken dafür?

Keitel: Es gibt immer mehr positive Beispiele: Die VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall kooperiert mit einem Start-up. Ebm-papst, Würth und Gessmann sind auch sehr offen und innovativ. Gessmann arbeitet mit dem Start-up Dryft zusammen, das auch zum Summit kommen wird. Es passiert etwas. Aber es braucht noch mehr.

Der Summit wird das „mehr“ möglich machen, das es braucht?

Keitel: Absolut. Das haben wir in der Vergangenheit bewiesen – und das werden wir auch diesmal beweisen.

Interview von Natalie Kotowski

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